Pazi, Margarita: Staub und Sterne. Aufsätze zur deutsch-jüdischen Literatur. Herausgegeben von Sigrid Bauschinger und Paul Michael Lützeler

Steffen Höhne
2016
Die 1997 verstorbene, zuvor in Tel Aviv lehrende Margarita Pazi war unzweifel haft eine der besten Kennerinnen der deutsch-jüdischen Literatur, wovon ein beein druckendes Lebenswerk zeugt. In dem vorliegenden Band werden nun einige der an verstreuten Orten gedruckten, kleineren Arbeiten erstmals gemeinsam publiziert, Studien, mit denen sich dem Leser das Arbeitsgebiet von Pazi deutlicher erschließen dürfte. Aufgenommen sind Beiträge zur deutsch-jüdischen Literatur des 20. Jahr hunderts, wobei
more » ... r hunderts, wobei der Schwerpunkt auf deutschböhmische (Prager deutsche), deutsch mährische und österreichische Autoren gelegt wird. Versammelt sind u.a. Beiträge zu Max Brod und Karl Kraus, zu Hermann Broch, Franz Werfel, Stefan Zweig und Joseph Roth, ferner zu Kurt Tucholsky, Nelly Sachs und Else Lasker-Schüler sowie zur deutschsprachigen Literatur Israels. Gewissermaßen leitmotivisch vorangestellt ist der Text "Der Prager Kreis. Ein Fazit unter dem Aspekt des Judentums", womit der Leser gleich mit dem zentralen Anliegen Pazis vertraut gemacht wird: Was ist deutsch-jüdische Literatur? Wer ist als jüdischer Schriftsteller zu verstehen? Welche jüdischen Autoren verstehen sich selber als solche und welche haben sich von einem bestimm ten Zeitpunkt an mit dem Judentum identifiziert? (S. 7) Auf zwei Texte, die wohl als grundlegend betrachtet werden dürfen, soll hier aus führlicher eingegangen werden. Im ersten, "Franz Kafka und Ernst Weiß", arbeitet Pazi biografische Koinzidenzen heraus, die dann auch im Werk von Weiß einen Widerhall finden. Dabei sind biografische Erfahrungen wie eine Tuberkulose-Erkrankung von Weiß durchaus zentral, kommt dieser doch nach Pazi eine doppel te Bedeutung zu: Der Umstand der Krankheit ermöglichte Weiß ein durch persönliche Erfahrung geschärftes Einfühlungsvermögen, als die Krankheit einige Jahre später bei Kafka auftrat, und für Kafka wurde die Tatsache, daß Weiß
doi:10.18447/boz-2002-2779 fatcat:z7ysk2wryney5fid2rq5h377my