Wage Distribution and Unem-ployment: The French Experience

Canada, France
1996 The Canadian Journal of Economics   unpublished
Zu Unrecht wird Frankreich als der kranke Mann Europas dargestellt. Insbesondere im Kontext der Dis-kussion um Mindestlöhne wird der Eindruck erweckt, dass die französische Entwicklung auf dem Ar-beitsmarkt wegen zu hoher Mindestlöhne von Arbeitslosigkeit und Jobverlusten gekennzeichnet ist (vgl. ifo 2008). Untersucht man jedoch die französische Wirtschaftsentwicklung genauer, lässt sich dieses Urteil nicht halten. Frankreich hat es geschafft, trotz (oder wegen) einer stabilen Lohnentwicklung
more » ... n Lohnentwicklung und ohne drastische Ein-schnitte in die sozialen Sicherungssysteme seit Beginn der Währungsunion insgesamt stärker zu wachsen als Deutschland. Im Ergebnis war der Zuwachs an Be-schäftigung größer und der Rückgang der Arbeitslo-sigkeit kräftiger. Dies ist auf unterschiedliche wirt-schaftspolitische Strategien zurückzuführen. Während die wirtschaftspolitische Strategie in Deutschland sehr exportorientiert war, lässt sich die französische Strate-gie als deutlich binnenorientierter beschreiben. Diese unterschiedlichen Vorgehensweisen sollen im Folgen-den detaillierter dargestellt werden. Ein zentraler Un-terschied zwischen beiden Ländern besteht in der Lohnentwicklung, die in Frankreich wesentlich durch den Mindestlohn SMIC (Salaire Minimum Interprofes-sionnel de Croissance, siehe hierzu Appendix 1 für eine detaillierte Beschreibung) beeinflusst wurde. Daher kommt dem SMIC eine zentrale Rolle bei der Beurteilung der Wirtschaftsentwicklung zu, zumal in der deutschen Mindestlohndebatte hierauf häufig Bezug genommen wird. Es zeigt sich zudem, dass mit-tels dieser Lohnpolitik die Lohnquote in Frankreich in etwa konstant gehalten werden konnte, während sie in Deutschland deutlich zurückging. * Für die Einwohnerstatistik sind nur Jahresdaten erhältlich. Quellen: Eurostat; Berechnungen des IMK. 95
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