Eingabe an die Preußischen Staatsminister und Minister 1. der geistlichen, Unterrichts- und Medizinalangelegenheiten, 2. des Innern, 3. für Landwirtschaft, Domänen und Forsten, 4. für Handel und Gewerbe, betreffend verschiedene Angelegenheiten der Nahrungsmittelkontrolle sowie der Nahrungsmittelchemiker

1910 European Food Research and Technology  
36~ 9. Haul)tversammlung der Freien Vereinigung. ~Zeitsehr. f. Untersuehung urteilung yon Nahrungsmitteln abschlofi, wurde amtlich ausdrticklich betont, daft diese Vereinbarungen nur ¥orschl~ge ffir amtliche Ausfiihrungsbestimmungen bilden sollten und yon Zeit zu Zei~ einer Verbesserung und Ergiinzung unterzogen werden miifiten. ~her das, was seit der Zei~ seitens des Kaiserl. Gesundheitsamtes in dieser Frage geschehen ist, ist (iffentlich un4 in unseTen Fachkreisen nichts bekannt geworden. Der
more » ... kannt geworden. Der fiir diesen Zweck im Reichsgesundheitsrat eingesetzte Ausschufi 2 mit dem Unterausschu5 ffir Nahrungsm~ttelchemie ist noch niemMs zusammenberufen, Man kann fiir die bis jetzt befo]g~e Zurtickhaltuug zweierlei Grande h/iren namlich" daft 1. behufs Erlasses amtlicher Ausfiihrungsbestimmungen erst die § § 5 und 6 des Nahrungsmittelgesetzes vom 14. Mat 1879 abge~nder~ werden miiften, und 2. die jetzigen Untersuchangsverfahren fiir die Durchfiihrung solcher amtlichen Ausfiihrungsbestimmuugen nicht ausreichen. Was den ersten Einwand anbelang~., so biegeg die Ab~nderang der beiden Paragraphen im Nahrungsmit~elgesetz bet dem allseitigen Interesse der Parteien an ether geordneten Nahrungsmittelkontrolle wohl keine uniiberwindtichen ~iindernisse nnd darum hatte die Neubearbeitung der frtiheren Vereinbarungen nieht verschoben zu werden brauchen, damig sin gleichzeitig mi~ der Abanderung der genannten Paragraphen h~tte vorgeleg~ werden kSnnen. Und was die Unvollkommenheit mancher Untersuchungsverfahren anbelangt, so haben z. B. die Sehweiz sowie die dentschen Wein-, Butter-, Bier-und Siifstoffgese~ze wohl don Beweis erbracht, daft es trotz mancher Schwachen der Untersuchungsverfahren doch wohl m6glich ist, brauchbare amtliche Ausflihrungsbesfimmungen zu erlassen. Die deu~ehen Vereinbarungen zur einheitllchen Untersuchung und Beurteilung yon Nahrungs-und Genufimitteln haben vorbildlich fiir das Ausland gewirkt. Nachdem seit dem Erseheinen des I. Heftes nunmehr 13 Jahre and sei~ dem Abschluf des Werkes 9 Jahre verstrichen sind, drohen die Vereinbarungen zu veralten, und die gemeinsame Arbeit der deutschen Chemiker, auf welche diese mit Recht einst stotz waren, wird darch die Leistungen des Auslandes tiberholt. Jedenfalls treiben gewisse Nahrungsmittelfabrikan~en jetzt ihr ungest6rtes Spiel; sin haben in dem sog. Deutschen Nahrungsmittelbuch sich selbst Normen gesehaffen, die, win nine sorgfaltige PrOfung ergibt, in bedeutendem Umfange, weil unrichtig, unhaltbar sind, mit denen sin aber bet den Gerichten vielfach durchdringen, weil es eben an amtlicben Ansfllhrungsbestlmmungen fehlt. Wenn diese Rechtsunsieherheit noch wetter bestehen bleiben soltte, so w~re es fast besser, die samtlichen Nahrungsmit~e]gese~ze winder aufzuheben und den Schutz gegen Obervorteilungen und Gesundheitsschadigungen jedem einzelnen Staatsbtirger selbst zu iiberlassen. Wohin das aber ffihren wtirde, brauchen wir h~er nicht zu er/irtern. Wit bitten daher dringend, nine rech~ baldige Festlegung amtiicher Ausfllhrungsbestimmungen ftir die saintlichen wirtsebaftlich eine Retie spielenden Nahrangs-, Genufmitte[ und Gebrauchsgegenstgnde veranlassen za wotlen. Miinster, den 23. April 1910. Gehorsamst Freie Vereinigung Deutscher NahruagsmitteIchemiker. Der Vorsitzende J. K6nig, Geh. Regierungsra~.
doi:10.1007/bf02018774 fatcat:qmah27x3gbek7euuwtggw6xqy4