Rataj, Jan: O autoritativní národní stát. Ideologické proměny české politiky v druhé republice 1938–1939 [Um einen autoritären Nationalstaat. Ideologische Wandlungen der tschechischen Republik 1938–1939]

Bedřich Loewenstein
2016
KaroUnum, Praha 1997, 251 S. Die "Selbstgleichschaltung" der Nach-Münchener-Tschechoslowakei ist ein ver drängtes Kapitel, dem auf derart penible Weise bisher nicht nachgegangen wurde. Die Arbeit befaßt sich allerdings nicht mit der Slowakei und nur am Rande mit der Realgeschichte; das Hauptaugenmerk Hegt auf der poHtischen Ideengeschichte in einem engeren Sinn poHtischer Haltungen gegenüber dem Reststaat. Wenn man absieht vom direkten Druck aus BerHn und von der Erschütterung, ja Traumatisie
more » ... g, ja Traumatisie rung durch den Zusammenbruch der repubhkanischen Gewißheiten, so muß unter den Hauptakteuren unterschieden werden: auf der einen Seite konservativantüiberale Kräfte (etwa Rudolf Berans Flügel der Agrarpartei oder die "Dozentenchque" um den Staatspräsidenten Emü Hácha), auf der anderen Seite radikale, zum Totalitarismus deutscher oder italienischer Prägung neigende antisemitische und integral-kathoHsche Gruppierungen. Während die Konservativen das Scheitern der Ersten CSR nutzen woUten, um durch partielle Anpassung an Hitler-Deutschland einen Rest von Souveränität zu bewahren und zu einer Art Lehnsverhältnis zum Reich zu gelangen, woUten die Radikalen vor aUem mit der Repubhk und ihren Eli ten abrechnen, um mit dem deutschen Vorbüd Seite an Seite marschieren zu kön nen. Beide Alternativen waren letzthch illusorisch und wurden deutscherseits nicht honoriert; paradoxerweise dürfte der 15. März 1939, mit dem die Untersuchung schheßt, eine vohe Durchsetzung des einheimischen Totalitarismus verhindert ha ben; ja die mit der Besetzung verbundene Desülusionierung wurde vielfach sogar als "befreiend" erlebt.
doi:10.18447/boz-1999-978 fatcat:i5bskikjhvdfzasyt2xzwvg5pq