Paul Virilio: Ereignislandschaft

Daniela Kloock
1999
Es scheint als ginge die Selbstisolation des Menschen einher mit der aggressiven Animation der Dingwelt. Sprechende Rechner, duftende Monitore, hörende Computer. tyrannisch interagierende Spielzeuge. Bio-Chips und Gen-Manipulationen machen eine einfache Unterscheidung und Grenzziehung zwischen belebter und unbelebter Materie immer schwieriger. Die avanciertesten Medientechnologien im Bereich der Medizin und des Militärs haben längst direkten Zugang zur Physis des Menschen. zu seinem Gedächtnis,
more » ... seinem Gedächtnis, seiner Wahrnehmung, seiner Sprache und seinem Körper. Marshall McLuhan schrieb bereits 1964, daß wir zum Geschlechtsteil der Maschinenwelt werden und verwies damit auf einen doppelten Zusammenhang: Der Mensch pflanzt sich in seinen technischen Artefakten fort (und zwar dergestalt. daß er seine als defizitär empfundene Natur verbessert. komplettiert. aufrüstet) und diese Re-Produktion erfolgt eher trieb-als vernunftgesteuert. Die technischen Schöpfungen entstehen und wirken ohne bewußte Entscheidungen. ohne Reflexion. ohne Sinn und Verstand; McLuhan sprach in diesem Zusammenhang von narzistischer Verstrickung, von Narkose und Hypnose. Einer. der seit über zwanzig Jahren mit ungebremster Vehemenz gegen dieses Vergessen und Verdrängen anschreibt. der immer wieder auf die "Mesalliance·· zwischen Mensch und Medien bzw. Technik verweist. ist Paul Virilio. Gerade ist im Hanser Verlag sein neustes Buch erschienen. Ereignislandschaft. und wie nicht anders zu erwarten. bleibt der Autor seinen Themen. seinem Denk-und Schreibstil treu. Wie in allen seinen Büchern. so geht es auch hier um folgendes: 1. Je schneller die Infonnations-und Kommunikationssysteme (Fernsehen. Computer, Satelliten) desto mehr Vernichtung von Welt und Raum. von Körper und Mensch.
doi:10.17192/ep1999.2.2961 fatcat:kibuoz6wafbcbkapejdm7yguze