Der Streit um die Falkland-Inseln: Welche Lehren? Der argentinisch-britische Konflikt im Spiegel zweier Neuerscheinungen

Hermann Weber
1987 Law and Politics in Africa, Asia, Latin America  
Wenige Kriege dieses Jahrzehnts haben die Welt so in Erstaunen versetzt und das Ver trauen der Öffentlichkeit in den Bestand fundamentaler internationaler Rechtsprinzipien so stark erschüttert wie der zwischen Argentinien und Großbritannien 1982 geführte Krieg um die Rechte an den Falkland-Inseln. Kriege von erheblich längerer Dauer und mit weit höheren Verlusten auf beiden Seiten der Kriegsführenden, wie der Iran/Irak Konflikt oder der Bürgerkrieg in Afghanistan mit massiver Unterstützung
more » ... Unterstützung durch die Sowjetunion erregten weit geringere Aufmerksamkeit als der Falkland-Krieg. Der Grund fü r das unterschiedliche Interesse lag in einer Fehlinterpretation heute möglicher Konfliktmuster: ein Krieg innerhalb des westlichen Lagers wegen eines historischen Streites über die Zugehörigkeit einer strategisch uninteressant gewordenen und in ihren wirtschaftlichen Perspektiven eher unattraktiven Inselgruppe im Südatlantik war allge mein für politisch unmöglich und unrealistisch gehalten worden. Es herrschte bis zum Ausbruch des Krieges die Überzeugung vor, daß die Konfliktmuster von zwei Typen be waffn eter Auseinandersetzungen bestimmt würden: zum einen vom, wenn auch nur theo retisch denkbaren, nuklearen Schlagabtausch der Supermächte, zum anderen von den Bürgerkriegen und regionalen Hegemonialkriegen der Dritten Welt, die wegen der tat sächlichen oder stets möglichen direkten oder indirekten Beteiligung der Großmächte an ihnen den interantionalen Frieden insgesamt labil halten. Der Falkland-Krieg 1982 hat aber gezeigt, daß auch im westlichen Lager eine Bereitschaft bestehen kann, politische Konflikte, denen keine existenzielle oder das vitale Interesse einer Nation berührende Streitfrage zugrundeliegt, auf eine Eskalationsebene zu heben oder dorthin treiben zu lassen, wo man meint eine zusätzliche Option der Konfliktbeendigung, nämlich die Kon fl iktaustragung mit Waffengewalt, zu haben.
doi:10.5771/0506-7286-1987-2-255 fatcat:7bxc2s5nx5gsdigxfutryf4ogq