Die Sesamölreaktionen

P. Soltsien
1906 Chemische Revue über die Fett- und Harz-Industrie  
Zum Schlusse meiner hierauf bezuglichen Mit. teilungen in Heft 2 dievr Zeitschrift von 1906 sprach ich auf Grund einer Beobachtung von H. Kreis die Vermutung aus, dass moglicherweise nicht derselbe Stoff des Sesamoles die Furfurol-und die Zinnreaktion bedinge. Da mir Herr Prof. Kreis mitteilte, dass er sich in nachster Zeit rnit diesen Reaktionen nicht beschaftigen konne, die Beobachtung mir jedoch fur die Beurteilung beider Reaktionen sehr wichtig erschien, habe ich diese Angelegenheit selbst
more » ... gelegenheit selbst weiter verfolgt und Nachstehendes konstatiert. Kreis wandte zur Ausschuttelung des Sesamales (behufs Isolierung des Sesamols) zunachst Salzsaure l,lS, dann Wasser, dann achtmal Alkohol an und erhielt das erwahnte Resultat. Um zu sehen, wieweit Alkohol und Salzsaure sich in ihrer Aufnahmefahigkeit fur die reagierenden Stoffe unterscheiden oder unterstutzen, schuttelte ich ein altes, saures und ranziges Sesamol zunachst dreirnal mit dem gleichen Vol. Alkohol von 90% aus. Das Resultat war, dass der Sauregehalt des Oeles sich auf den funften Teil etwa reduziert hatte, und dass es vor dhd nach dem Ausschutteln starke Furfurolreaktionen zeigte, dass jedoch auch der filtrierte Alkohol eine starke Furfurolreaktion gab. Die Zinnreaktion war vor dem Ausschutteln nicht von reiner Farbe, nach dem Ausschutteln reiner, jedoch anscheinend etwas schwacher, und tatsachlich gab der filtrierte Alkohol nach dem Abdampfen, Aufnehmen des Ruckstandes rnit Benzin und Schutteln mit Zinnchlorur eine Reaktion, welche derjenigen rnit dein nicht ausgeschuttelten Oele an Starke nicht nachstand. Durch Ausschutteln mit 90 prozentigem Alkohol allein geht also sow o hl derjenige Stoff in diesen aus dem Sesamole iiber, welcher die Furfurolreaktion bedingt, wie auch derjenige, welcher die Zinnr eak t ion bedingt. Da die Behandlung rnit Alkohol nicht zur Trennung der reagierenden Stoffe des Oeles fuhrte, wurde ein neues Oelquantum mit Salzsame 1,125 ausgeschuttelt und zwar mit solcher, weil diese gemass den amtlichen Anweisungen zur Entfernung etwa vorhandener, Salzsaure rotender Farbstoffe benutzt werden soll. Angewendet wurden immer gleiche Volumina Oel und Salzsaure. Es zeigte sich nun, dass die Furfurolreaktion des Oeles nach etwa zwolfmaligem Ausschutteln merklich schwacher zu werden begann, und dass nach 36maligem Ausschutteln die Furfurolreaktion nur noch etwa so stark auftrat, wie sie ein Gemisch mit etwa 0,25 % Sesamol geben wurde. Bei diesem Ausschutteln trat zunachst auch starke blaugrune Farbung der Salzsaure auf -B i s h o p'sche Reaktion -, und lange war diese noch bemerkbar, nach 36maligem Schutteln jedoch nicht mehr. Wahrend das ausgeschuttelte Oel die B i s h o p'sche Reaktion jedoch gar nicht mehr gab und die Furfurolreaktion nur noch ganz schwach (weiter fortgesetztes Ausschutteln hatte sie offenbar ganzlich zum Verschwinden gebracht), trat die Zinnreaktion mit dem Oele nicht nur in ganz unveranderter Starke ein wie mit dem nicht ausgeschuttelten Oele, sondern die Farbung war auch reiner als vorher. In Bestatigung des K r e i s 'schen Befundes ist hiermit also erwiesen, d a s s d i e F u r f u r o l -u n d d i e Z i n nr e a k t i o n d e s S e s a m o l e s n i c h t d u r c h d e n s e l b e n S t o f f b e d i n g t , u n d u n a bh a n g i g v o n e i n a n d e r s i n d . Ebenso ist die Zinnreaktion unabhangig von der B is h o p 'schen Reaktion. Gibt ein Sesamol aus irgend einem Grunde die Furfurolreaktion und die Bishop'sche nicht mehr, so wird es unter Umotanden noch moglich sein, das Oel durch die Zinnreaktion zu identifizieren. Beim Ausschutteln von F e t t g e m i s c h e n mit Sesamol (Margarinefett) kommt man entsprechend schneller zum Ziele, auch wenn manmit K r e i szum Ausschutteln Salzsaure 1,19 anwendet und kann man dann mit derselben Probe behufs Identifizierung beide Reaktionen nacheinander ausfuhren.') l) Bei dieser Gelegenheit miichte ich einen Schreibfehler korrigieren, welcher sich in meinem neulichen Artikel iiber diesen Gegenstand befindet. Bei Empfehlung des Acetons als Kasefettextraktionsmittels muss es nsttidich heissen: ~H a r t e Kllse konnen direkt rnit Aceton extrahiert werdenc (nicht w e i c h e ) . Erstere brauchen nur fein gerieben zu sein.
doi:10.1002/lipi.19060130606 fatcat:dx6hfqufgjdlhdbjbluyk5lm5e