Tagungsbericht: Akteur Gehirn – oder das vermeintliche Ende des sinnhaft handelnden und kommunizierenden Subjekts

Naziker Bayram, Jo Reichertz, Nadia Zaboura
2008
Der schnelle Erkenntnisfortschritt in den Neurowissenschaften beschleunigt die Diskussion um spezifisch menschliche Eigenschaften wie den freien Willen oder die Intersubjektivität. Bis dato klassisch geisteswissenschaftliche Fragestellungen wie "wie hängen Leib und Seele zusammen?", "wie manifestieren sich Handlungsrepräsentationen im Gehirn?" "wie funktionieren Wahrnehmung und Denken?" erstrecken sich auf neue Wissenschaftsdisziplinen, die durch empirische Ansätze (z.B. bildgebende, technische
more » ... gebende, technische Verfahren) neue Impulse schaffen, aber auch immer weiter in das Forschungsfeld der Geisteswissenschaften vordringen. In dieser von den Neurowissenschaften angestoßenen Debatte qualifiziert sich das Gehirn immer mehr zu einem selbständigen Akteur und fordert die Geisteswissenschaften zur "somatischen Wende" (Markus SCHROER 2005, im Spanntext) heraus. Ziel der Tagung an der Universität Duisburg-Essen war die differenzierte Erfassung neurowissenschaftlicher Positionen, um so die Plausibilität ihrer Argumente besser einschätzen zu können. Dank der Beiträge unterschiedlicher Disziplinen und der abschließenden Diskussion stellte sich heraus, dass die Positionen nicht so unvereinbar sind wie zunächst angenommen, dass aber Begriffe wie "Handlung", "Entscheidung" und "Freiheit" angesichts der steigenden Komplexität in dieser Debatte umso sensibler und genauer umgrenzt werden müssen als bisher. URN: urn:nbn:de:0114-fqs0603241
doi:10.17169/fqs-7.3.157 fatcat:7ul4ztt4efb5deue5eutyt3dry