Viel Arbeit bis zum Vergnügen - Zur Nachbildung eines mittelalterlichen Trictrac-Spieles

Ralph Röber, Denkmalpflege In Baden-Württemberg – Nachrichtenblatt Der Landesdenkmalpflege
2014
Die aus schriftlichen Quellen zur Genüge bekannte Spielleidenschaft im Mittelalter wird von archäologischer Seite durch eine Vielzahl von Funden von Spielsteinen und gelegentlich auch von Spielbrettern untermauert. Auch aus der Latrine des Freiburger Augustiner-Eremiten-Konvents stammen Zeugnisse dieses auch klerikalen Vergnügens in Form von etlichen Spielsteinen sowie zwei Brettspielen. Sie sind in dieZeit vom späten 13.Jahrhundert bis zum 15.Jahrhundert einzuordnen. Es handelt sich dabei um
more » ... elt sich dabei um zwei unterschiedlich gestaltete Ausführungen des beliebtesten mittelalterlichen Brettspieles, das in England als "backgammon", in Frankreich als "trictrac" und in Deutschland als "puff" oder "buff" bekannt war. Dieses Spiel, das sich in ähnlicher Form bereits in römischer Zeit als"ludus duodecim scriptorum" großer Beliebtheit erfreute, scheint in nachrömischer Zeit in Vergessenheit geraten zu sein und hat wohl erst im Verlauf des 10.-1 I.Jahrhunderts wieder den Weg vom Orient nach Mitteleuropa gefunden. Gespielt wurde es wahrscheinlich ebenso wie heute: Zwei Spieler bewegen je 15 Spielsteine gegenläufig durch Würfeln vorwärts, Ziel ist es, die Steine möglichst schnell um das Spielfeld zu ziehen und sie dann aus dem Feld herauszuwürfeln. Das eine Brett aus Freiburg weist nur ein grob in das Tannenholz eingeritz-tes Spielfeld auf, das andere Spiel ist dagegen sehr aufwendig gefertigt. In seiner unmittelbaren Nähe fanden sich sieben aus Ahorn gedrechselte Spielsteine, die wahrscheinlich dazu gehört haben. Das Trictrac-Brett, das im Zuge von Baggerarbeiten bei der Entdeckung der Latrine in zwei Teile zerbrochen ist, wurde im Archäologischen Landesmuseum, Außenstelle Konstanz, nachgebildet. In erster Linie soll es als Anschauungsobjekt dienen, zugleich war es aber erklärtes Ziel durch den Vorgang des Nachbildens, die verschiedenen Arbeitsvorgänge und Arbeitstechniken nachzuvollziehen, um so den Wert der handwerklichen Leistung und den materiellen Wert des fertigen Gegenstandes einschätzen zu können. Aus diesem Grund wurde beim Fertigen der Nachbildung auch weitgehend auf maschinelle Hilfe verzichtet. Das überlieferte Spiel besteht aus zwei aufklappbaren Tafeln mit einer Kantenlänge von 38,5 cm. Diese waren an zwei Schlitzen im Rahmen mit Lederriemen verbunden, die sich jedoch nicht erhalten haben. Die Verbindung war mit Holzdübeln gesichert. Reste von eisernen Nägeln in diesem Bereich sind als Reparaturen zu werten. Auch an der gegenüberliegenden Seite des Rahmens haben sich Spuren von Eisen im Holz erhalten, die zu einem Verschluß gehört 38
doi:10.11588/nbdpfbw.1994.1.13402 fatcat:3oghtcyiavbuvo7augokznplge