Hahnemanns Theorie und Praxis und das moderne Erkenntnisproblem

Josef M. Schmidt
2014 Schweizerische Zeitschrift für Ganzheitsmedizin / Swiss Journal of Integrative Medicine  
Überarbeitete Version eines Vortrags, gehalten anlässlich der 162. Jahrestagung des Deutschen Zentralvereins homöopathischer Ärzte am 17.05.2012 im Konzerthaus Freiburg in Freiburg i.Br., Deutschland. Schlüsselwörter Erkenntnistheorie · Gestalttheorie · Wirtschaftsgeschichte · Medizingeschichte · Homöopathie Zusammenfassung Anschauen, Wahrnehmen und Erkennen sind in der Medizin keine trivialen Vorgänge. Die moderne konventionelle Medizin hat sich diesbezüglich der Methode des klinischen
more » ... nts und der Statistik sowie dem Ideal einer evidenzbasierten Medizin verschrieben, deren externe Evidenz letztlich auf «Erkenntnis ohne erkennendes Subjekt» im Sinne Karl Poppers beruht. Demgegenüber verfolgt die Homöopathie auch gestalttheoretische und kognitionsbasierte Ansätze wissenschaftlicher Erkenntnis im Sinne Karl Dunckers und Helmut Kienes. Unter Anerkennung der Urteils-und Erfahrungsfähigkeit des einzelnen Arztes ermöglicht dies die methodische Gewinnung interner Evidenz, die einer bloss metaanalytisch ausgerichteten Biomedizin verwehrt bleibt. Medizintheoretisch gesehen erweist sich der ganzheitliche Weg als dem Wesen des Arztberufs angemessener. Aus sozioökonomischen Gründen, die auf Vergesellschaf tungs pro zesse moderner Subjekte in der Denkform des Geldes und die Be gründung der modernen Naturwissenschaft aus diesem Geiste zurückgehen, ist derzeit jedoch das biomedizinische Paradigma an der Macht. Indem Samuel Hahnemann die Homöopathie noch vor der zunehmenden Ökonomisierung der modernen Medizin im 19. Jahrhundert begründete, können er und seine Lehre heute als Leuchtturm einer exemplarischen, unverdorbenen Heilkunst dienen, die es trotz bzw. gerade wegen mannigfaltiger Anfechtungen wiederzubeleben gilt.
doi:10.1159/000358245 fatcat:zmuhq5kdtbgv7n76qy6tqp4bzq