Studien über die Blutvertheilung im Körper1

Robert Tigerstedt
1892 Skandinavisches Archiv Für Physiologie  
E r s t e A b h a n d 1 u n g. Bestimmung der von dem linken Herzen heransgetriebenen Blutmenge. (Eienn Taf. 1.) Einleitung. Die Kennhiss der von dem linken Herzen herausgetriebenen Blutmenge ist nicht nur fur die Physiologie des Kreislaufes, sondern auch fur die Auffassung der Wechselwirkung zwischen dem Blute und den Geweben von einem nicht geiingen Interesse. Auch hat man schon lange Berechnungen in dieser Hinsicht angestellt. Betreffend die alteren Verfasser erlaube ich mir auf die
more » ... Werke von Vierordt und Nilne-Edwards hinzuweisena und werde nur diejenigen Untersuehungen besprechen, welche seit der Einfiihrung der directen Messung der in den Arterien strijmenden Blutmengen ausgefuhrt worden sind. 1 Der Redaction zugegangen am 24. April 1891. 9 Vgl. V ierord t , Die Erscheinungelt un.d Gesetzz der Stromgeschwindig-Frankfurt a/M., 1858. -M i l n e -E d w a r d s , L e v 991* la keiten des Blutes. physwlogie de l'homme st CEes animaw. 1859. T . IV. p. 92 ff. Blrandin.Archtv. III. ROliEltT '~G E B S T E D T : Aus den mittels seines Hlimodromometers ermittelten Werthen der Geschwindigkeit des Mutes in der Carotis berechnete A. \V. Volkmann in folgender Weise das Pulsvolumen der linlien Herzkammer : "Es sei ( Fig. 1 ) n der Ursprung der Aorta, b deren Fortsetzung, c die Arteria anongma, d,e zwei Aeste dieser u. s. w. Fur jedes dieser GeEisse bestimme ich die Durchschnittsfliiche. Bczeichnen wir die Durchmesser dieser Gefasse mit den entsprechenden griechischen Buchstaben, so ist die Durchschnittsfliche der Aorta in der ersten Section = -= A. In Folge der Theilung der Aorta in b und c entsteht eine ziveite Section der Gefisshijhle, welche in der Regel weiter als die erstere ist, indem Gefiissspaltung, wenige ' \ Ausnahmen abgerechnet, eine Erweiterung der Gefasshiihle zur Folge hat. Dic WVcite $ n tlieser zweiten section ist -+ @ = B. so viel nun B weiter ist als A, um so viel fliesst das Blut in der zweiten Section langsamer als in der ersten. Ich nehme nun an, dass in den beiden Armen der zweiten Section, d. h. in b und c, die Stromschnelle dieselbe sei, und babe unter dieser Voraussetzung nicht nur die wirkliche Weite Ton c (gegeben durcli Messung), sondern auch die proportionale Geschwindigkeit in ihm (zu finden durch Rechnung). Gesetzt namlich, die Weite der zweitm Ge-Gsssection verhielte sich zur Weite der ersten = 5 : 4, so verhielte sich die Bl~t~geschwindigkeit in beiden Sectionen umgekehrt = 4 : 5. Ich fahre nun nach demselben Principe fort. Das Gefiss c (lei zweiten Section theilt sich in d e und bildet die dritte Section. Die Weite dieser ist + = C. Wire die dritte Section wieder weiter als die zweite, so ware die Stromschnelle in ihr abermals um 'Is herabgedruckt. Die Geschwindigkeit betriige in der zweiten Section 4/5, in der dritten l6Iz6 von derjenigen, welche in der ersten Section, d. h. im Ursprunge der Aorta, stitttfand. Wird also die Geschwindigkeit in d mit Hulfe des Hamodromometers gemessen und wiederum vorausgesetzt, dass die Stromung in den Collateraliisten d und e von gleicher Schnelligkeit sei, so ergiebt sich die Stromschnelle in der Aorta nach den Regeln der Proportionslehre. Halten mir die obigen Voraussetzungen uber die Veriinderung der Gefissweiten fcst und nennen wir die gemessenc Geschwindigkeit Fi,y l . fi /b n27G 4 1 (.-/? 4 4 /A 6% &=n STUDIEN UBER DIE BLUTVERTHEILUNG IM KORPER. 147 in drm Cefiisse dcr dritten Section 23, dagegen die unbekannte Geschwindigkeit in der Aorta v', so verhiilt sich: v : w'= 16: 25. . . . Bcrechnungen , wie die eben ausgefiihrten, haben ein beiliiufiges Interesse, auf welches ich hier gleich aufmerksam machen will. Kennt man die Weite der Aorta und die Geschwindigkeit, mit welcher sich das Blut bewegt, so weiss man auch, wie viel das Herz in einer gegrbenen Zeit, z. B. in einer Ninute, H u t ausleert. Weiter: kennt man die %ah1 der Pulsschlage in einer Minute, so kann man auch berechnen, wie viel Blut mit jeder Systole entleert wird." In dieser Weise erhielt Volkmaiin die folgenden Werthe: Thierart 1. Hund . .
doi:10.1111/j.1748-1716.1892.tb00657.x fatcat:rqdw3ovasbbplhqtioo3deekj4