8. Identitätskonstruktionen in Luxemburg [chapter]

Rachel Reckinger, Christian Schulz, Christian Wille
Doing Identity in Luxemburg  
Das Augenmerk dieses Buchs lag auf Konstruktionen von Identitäten in Luxemburg. Diese bewusst ›breite‹ Formulierung deutet an, dass nicht primär nationale Identität(en) oder kulturelle Identität(en) im Zentrum standen, sondern Prozesse der subjekt-und akteursbezogenen alltagsweltlichen ›Identitätsarbeit‹ (Keupp et al. 3 2006) 1 -was wir mit ›Doing Identity‹ begrifflich fassen. Vor diesem Hintergrund wurden vier besonders relevante Themenbereiche näher untersucht: die eher auf Aushandlungsebene
more » ... Aushandlungsebene anzusiedelnden sprachlichen und alltagskulturellen Praktiken einerseits sowie die eher auf Repräsentationsebene vorzufindenden Raumkonstruktionen und Konfrontationen zwischen Selbst-und Fremdwahrnehmungen andererseits. Diese vier Themenfelder, die den Fokus jeweils auf Sprachen, Räume, Bilder und Alltagskulturen legen, wurden systematisch mit dem Querschnittsthema der Sozialstrukturanalyse nach Milieus (Vester et al. 2001) in Verbindung gebracht. Ein besonderes Anliegen bestand darin, den dynamischen und dialogischen Charakter von Identitätsangeboten und -konstitutionen zu erfassen. Daher wurden in den jeweiligen Kapiteln -mit unterschiedlicher Gewichtung -politisch-medial erwünschte bzw. projizierte Zuschreibungen von Identitäten (Identifikationen) und gelebte Aneignungen von Identitäten (Identifizierungen) berücksichtigt. Diese konzeptionelle Annäherung in der Perspektive des ›Doing Identity‹ verweist stets auf die Dimension der Gewordenheit und Wandelbarkeit von Identitäten. So wird mit Blick auf sprachliche Identitäten unweigerlich deutlich, dass eine Gleichsetzung zwischen Sprachgebrauch und Identitäten zu einer verkürzten Sichtweise führt. Vielmehr erlaubt die vorgenommene Betrachtung des praktizierten Sprachkonsenses bzw. der öffentlich verhandelten Positionen über Sprache einen Einblick in Identitätskonstruktionen, die nicht auf eine einfache Formel gebracht werden können. Sie reflektieren z.T. divergente Verhältnisse zwischen zugeschriebenen und angeeigneten Identitäten, verschiedene Praktiken der Mehrsprachigkeit und ein breites Spektrum an Vorstellungen über ›gute‹ bzw. ›schlechte‹ Mehrsprachigkeit. Die Autoren/-innen kommen schließlich zu dem Schluss, dass
doi:10.14361/transcript.9783839414484.295 fatcat:o5weptppgzco3jybs35mtyxqea