Ueber die Entstehung des Zeichens ff für die Digesten

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1876 Zeitschrift der Savigny-Stiftung für Rechtsgeschichte Germanistische Abteilung  
Daß das bekannte Zeichen t? für die Digesten aus einem D entstanden sei, ist gegenwärtig allgemein anerkannt. Nicht eben fo allgemein möchte aber eine deutliche Vorstellung von der Art und Weise der Entstehung anzutreffen sein, und ich halte es daher nicht für überflüssig, die Aufschlüsse, welche ich darüber aus Handschriften gewonnen, in Kürze mitzntheilen. Besonders lehrreich war mir in dieser Hinsicht die Pergamenthandschrift der Tübinger Universitätsbibliothek N, c, 14. in 4to, dieselbe,
more » ... n 4to, dieselbe, welche unter anderm die 8umma Ooäiciz des Rogerius und das von Stintzing (Geschichte der populären Literatur des römisch-kanonischen Rechts in Deutschland S. 78) so genannte Tübinger Rechtsbuch enthält. Auf der letzten Seite dieser Handschrift steht nämlich eine Reihe von Citaten aus den Digesten, welche unser Zeichen in einer ziemlichen Zahl von Uebergangsformen aufweisen. Nehme ich weitere Beobachtungen in der nämlichen und in andern Handschriften hinzu, so lässt sich mit Sicherheit folgendes als die Geschichte des Zeichens angeben. Den Ausgangspunkt bildet ein zur Andeutung einer Abkürzung in der Mitte quer durchstrichenes v (Fig. I.) . Begreiflich wurde aber ein Zeichen, deffen man sich so häufig zu bedienen hatte, nicht immer mit besonderer Sorgfalt ausgeführt. In Folge dessen erscheint es nicht selten in ziemlich starker Verzerrung (Fig. II,) , so daß es manchmal geradezu wie ein etwas lang gezogenes in der Mitte quer durchstrichenes 0 aussieht. Doch suchte man dann mitunter durch darüber gesetzte Punkte einer Verwechslung vorzubeugen. Noch öfter aber suchte man dadurch, daß man den rechten oder linken Schenkel des Buchstabens unten nach links verlängerte und dem linken Schenkel oben einen wagerechten Ansatz gab (Fig. III.) , die Gestalt eines I) zu wahren. Sehr häufig wurde jedoch aus Bequemlichkeit dieser Ansatz weggelassen, und dann erhielt das Zeichen die größte Aehnlichkeit mit einem in der Mitte quer durchstochenen langschenkligen ß. In den Handschriften wurde nun diese Form kalligraphisch weiter ausgebildet, indem man den rechten Schenkel oben wage-Brought to you by | New York University Bobst Library Technical Services Authenticated Download Date | 9/17/15 2:09 AM
doi:10.7767/zrgga.1876.xii.1.300 fatcat:ddtyaioxlrcgnptpabhzrp4e5a