Francia-Recensio 2008/3 Frühe Neuzeit-Revolution-Empire (1500-1815)

Guillaume Du Vair
unpublished
Parlementaire et écrivain (1556-1621). Colloque d'Aix-en-Provence 4-6 octobre 2001. Actes réunis par Bruno Petey-Girard et Alexandre Tarrête, Genève (Droz) 2005, 318 S. (Travaux d'Humanisme et de Renaissance, 403), ISBN 2-600-00994-9, EUR 87,50. rezensiert von/compte rendu rédigé par Christoph Oliver Mayer, Dresden Der Sammelband vereint Beiträge, die anlässlich zur 500-Jahrfeier des parlement de Provence eines 2001 veranstalteten Kolloquiums in Aix-en-Provence gehalten wurden und sich dem
more » ... n Parlamentspräsidenten, Guillaume Du Vair, widmen. Der als Literat, Philosoph und Politiker äußerst vielseitige »polygraphe doué« (S. 12) wird dabei in einer interdisziplinären Breite präsentiert, die die bisherigen Studien, von den Pionierarbeiten Sapeys 1858 über zahlreiche Werkausgaben bis hin zu modernen Monographien 1 vermissen lassen und die bisher nur durch die Zusammenschau zahlreicher Einzelstudien 2 zu erschließen war. Die Herausgeber zielen dabei insbesondere auf die Ideologie des Autors, der sich als Verfasser neostoischer Traktate und pietistischer Werke aber auch als Übersetzer von Epiktet, Demosthenes und Cicero im literarischen sowie als langjähriger Magistrat und schließlich garde des sceaux unter Ludwig XIII. im politischen Bereich einen Namen gemacht hat. Schon das Geleitwort des Renaissance-Spezialisten Roger Zuber deutet Du Vair als Ideengeber der klassischen honnêteté, der-den Wirren der eigenen Zeit geschuldet-in den Augen der Nachwelt allerdings zum Opportunisten avancierte. Selbst äußerst bemüht um die Veröffentlichung seines Gesamtwerks, tangiert er mit dem vielschichtigen Oeuvre die Bereiche Sozialgeschichte, Politik, Rhetorik und Prosa, Ideengeschichte und Recht, die folgerichtig als die fünf Kapitel des vorliegenden Sammelbands aufscheinen. Der erste Beitrag von Robert Descimon widmet sich jedoch zunächst in einer biographischen Studie der trajectoire Du Vairs und wertet bisher unbekannte Archivmaterialien aus. Die Studie erleichtert dem Leser durch die kurze Rekapitulation des Werdegangs den Einstieg in die Beschäftigung mit Du Vair. Dort wo Descimon den »self made big man« in sein familiäres Umfeld einbettet, um damit die Annäherung an die radikalkatholische Liga und den Hass auf Henri III zu erklären, werden jedoch insbesondere psychoanalytische Spekulationen geäußert und es bleibt zugleich offen, welchen Einfluss die 1572 unternommene Italienreise, die Tätigkeit als conseiller clerc im Pariser Parlement ab 1584 oder die Kontakte mit der humanistischen Gelehrtenrepublik der Zeit hatten. Den Weg des Politikers Du Vair beleuchtet Jacqueline Boucher, die im problematischen Verhältnis zu Henri III ein Doppelspiel ausmacht, das Du Vair als »philosophe stoïcien plutôt par sa plume que par ses sentiments« (S. 98) ausweist. Dieses Urteil zieht sich als roter Faden durch den Band und ist auch
fatcat:vkpyxfirovginceoqg6auqlnju