Poeta doctus oder alter deus? Der Dichter zwischen Inspiration und Gelehrsamkeit: Zur Poetik des indischen Stils

Mireille Schnyder
1994
Die orientalische Dichtung sei keine Dichtung der Kreativität, sondern Poesie der Umgestaltung, heißt es immer wieder. Ihr Ziel sei nicht das Schöpferische im Sinne des Erfindens, sondern das Anders-Sagen. Wird dies von der orientalischen Dichtung im allgemeinen gesagt, so hört man es im speziellen besonders oft in bezugauf die persische Dichtung des indischen Stils, die nach der gängigen Meinung noch bis heute als eine Dichtung der Dekadenz gilt, deren schwierige Ausdrucksweise nur über innere
more » ... ise nur über innere Leere hinwegtäusche. Man sieht im Dichter des indischen Stils den Prototyp des poeta doctus, der, in seiner Gelehrsamkeit erstickt, sein Wissen nicht genug verschnörkelt an den Mann bringen kann. Und in Versen wie dem folgenden von Tälib-i Ämo!I, wo er sich in hyperbolischem Selbstlob zum Inbegriff von Gelehrsamkeit stilisiert, findet man diese Meinung bestätigt:
doi:10.5167/uzh-94042 fatcat:frzjoss2svcypnsifpr4fhcdka