Zur Frage der partiellen Resectionen der Gelenke

Ludwig Mayer
1873 Deutsche Zeitschrift für Chirurgie  
Wahrheit ist das Ziel, lreue Arbeit der Weg." Plank. Naehdem die Conservirung der Glieder dutch die Austibung der Resection einen gewaltigen Umschwung erlitten, geht die nimmer rastende Wissenschaft noch welter, indem sic prtlft, durch welehe Art der Resection, durch die totale oder partielle, das Htichste an der Erhaltung der Funetionsftihigkeit eines Gliedes geleistet werden kann. Es ist die partielle Resection eine Methode, die yon Wenigen verfolgt, von Vielen eher als ein Riickschritt
more » ... Riickschritt betrachtet wird, und ich glaube, es ist nicht verfehlt, diesem Conservatismus im Conservatismus dutch eine statistische Studie die richtige WUrdigung zu schenken. Eines schickt sich nicht ftir Alle! Ich racine, wenn auch die grossed Ztig'e unseres Handelns fUr alle Gelenke ihre Geltung haben, so mSge n doch ftir einzelne Gelenke Modificationen dieses Handelns dcnkbar sein, die wir studiren mUssen. Eine Statistik, in welcher die Erfolge der partiellen Resection bei allen Gelenken zusammen-gewUrfelt wttre, hlitte keinen Sinn. Wit mUssen fi'agen: Hat ftir dieses oder jenes Gelenk die partielle Resection nicht doch ihre Rechte? In dem Suehen nach diesem Rechte dUrfen wir uns aber auch nicht mit jenen zweifelhaften hngaben des "guten Erfolges" der Operation begnUgen. Solche Ang'aben, z. B.: Caries des Gelenkes x. Resect. partial. Guter Erfolg --sind ftir die Totalstatistik der Zm-I.'r;tg> d"r partidle~i I{(~sectiu_,~en der (lele~ke !I5 l)artiellen llese,:tic, llen ~i,.,lleicht mit tr auf die totalen 1-1eseetionen w.hl bral.lclibar, aller ftir die Nenaue Wiil'digung der Saehe nieht s~:hr dlenlirh. .,(Illte Erl't~Ix" ist eiu sel~r relativer Begriff. Es wiire wohl am beaten, wem~ der Effect der Operation naeh der m0gli~hen Wfnkelslelhmg. des Gelenkes angegeben w~irde. Da die Angahen aber hiertiher immerhin noeh sehr selten in der Literatur zu finden sind, bleibt niehts tihrig, als zwisehen vollkolnlnener uud t)esehr.Xnkter l~ewegliehkeit des Gelenkes zu unterseheiden, obwohl aueh diese Theilung,. viel zu wiinsehen iibrig l~isst. Unsere statistisehen Frag'en miissen viel feiner g'estellt werderl; es handelt sieh um die Zeitdauer der tteiluna einer partiellen tleseetion im Verg'leiel~e zar totaten, o~ meter selJtisehe Krankheiten tmterlaufen; es handelt sieh um den endlieh detaillirten Effeet der Operation, um die gesteigerte l~'unetion naeh diesem oder jenem Eingreifen. Allein Ieider maehen (tie easuistisehen Mittheihmgen in ihrer Mangelhaftigkeit as unm~g'lieh, diese Fragen genau zu 1Bsen. Es ist ferner aueh nothwendig, eine ziemlieh seharfe Wahl in der Beriieksiehtigung tier easuistisehen Fiille zu treffen. Ieh beabsiehtige daher nieht Mittheilungen jener F';ille, in welehen z. B. nur der eine oder andere Condylus humeri, nut das Olekranon, nur die Troehlea u. dgt. abgetragen wurde-solehe DinF, e geh~ren theils in die Kategorie der Entfernung eines abgetrennten Knoehenstiiekes, also in den Bereieh der expeetativ-eonservativen Behandlung, theils sind sie wirklieh manehmal als eine Spielerei zu betraehten. Unberiieksiehtig.t massen bei unserer Frage ebenso jene operariven Eingriffe bleiben, die tiber das Niveau dessen, was wir unter partieller OeIenkreseetion verstehen, hinausgehen, z. B. FNle, bei denen neben dem Gelenkende eines Knoehens die ganze Hitlfte desselben mit exstirpirt wird ---ein Eingriff, der nattMieh nieht mehr die Wiirdig'un~ der Ahtragung' je eines Gelenkendes gestattet. Es w~re abet" dreist yon mir, was ieh gleieh hier bemerken will, wenn ieh behaupten wollte, class mir nieht dieser oder.jener unser Thema bertihrende Pall aus der Literatm' entgangen w~tre.*) *) Von competenter Seite ist dem ~Ianuscril)te der Vorwurf gemacht worden, a~tss einzelne der mitgetheilten Krankengeschiehten tariff, andere kurz w-greta Es ]iegt der Grund davon theils i~t dem zn (l-ebote gelegenen Materia.l~" theils darin, class in der gegel gltere Kr:mkengesehiehten noeh weniger fiir unsere Zwecke brauehbar als die aus den letzten Jahrzehnt,m mitgetheilten sind. leh write natiirlieh froh gewesen, h~tte ieh alte Krankengesehiehten in der ausfiihrliehen Weise gebert k6mlen, wie ieh sie mir wiinschte, denn an der geringcn Ausfiihrlichkeit dersell)e~ scheiter~ oft. die gonauen statistisch verwerthbarca Deutsche Zeit~('hrift f, ('hirur~ir III. I~d. 2(t XVI..',IAY ER Es entziffert sich der Begriff der partiellen Resection eines Gelenkes als das Abtrag'en des Gelenkendes eines oder des anderen, selbst zweier der das Gelenk constituirenden Knochen, immer so, dass eine abges~g'te Knoehenflitche cider Kuorpelfl~tche g'eg'entiberliegt. Streng genommen g'eh~rten also ouch die Reseet. humeri und eoxae hieher. Abet wit wolleu an dem in's Fleisch und Blut Ubergegangenen BegritI der totalen Resection, wenn es sieh um Abtragung des Caput femoris oder humeri handelt, nicht rtttteln. Warum wir so gerne vergessen, wenn yon solchen Resectionen die Rede ist, class es in tier Reg'el wenigstens partielle sind, hat seinen Grund wohl darin, dass die GelenkverhSltnisse bier die VorwUrfe verbannen, denen z. B. das Ellbogen-oder Fussgelenk verfi~llt. "Die Conformation tier Cavitas glenoidalis gestattet, wie Hueter sieh ausdrUekt, dass man sieh auf die partielle Resection des Gelenkes, auf die Deeapitatio humeri beschrgnkt; denn sine Verhaltung' des Details. Es wurde ferner geriigt, dass viele (eben nur die, welche bei Jaeger and Ried nicht mehr zu finden waren) aus den unzuverl~isslichen und ungenauen Hey felder'schen Werke entlehnt sind. Was an Correcturen fiber Heyfelder's Ungenauigkeiten vorhanden war, habe ich berficksichtigt; ferner kann es doeh gewiss nicht getadelt werden, wenn man frfihere Arbeiten benutzt, um weiter zu bauen, um so mehr als doeh auch von Anderen Heyfelde r's statistische Angaben beriicksichtigt werden, z.B. von dem kritisch scharfen und genauen H u e t e r; schliesslich, wenn selbst einzelne Unzul~issigkeiten untergelaufen w~iren, die aber nicht nachgewiesen sind, so wiirde dos wohl nicht in Anschlag zu brinffen sein. Bei den kleinen Statistiken k~innen sic nicht in Betracht kommen, da diese fiberhaupt nur der Vollst~ndigkeit wegen mitgethei|t sind, und bei der Berechnung der Procentverh~iltnisse do, wo wir mit ffriisseren Zahlen rechnen klinnen, wiirde die eine oder andere unrichtige Anffabe Heyfelder's keinen Ausschlag geben kSnnen. Wenn ich weiter die Krankengeschichten nicht in chronologischer Ordnung brachte, sondern nach dem Alphabet-Buchstaben, so hat dies seinen Grund, weil bei der Frage um partielle Resecfionen doch mehr daran liegt, wer sie ausgeffihrt hat, nieht wann sic ausgeffihrt wurden; es kann daher vorkommen, dass die jfingsten 0perationsgeschichten, wenn ouch nicht meistens, doch hier und da, voranstehen. Wenn einzelne Citate, wo die Krankengeschichten stehen, fehlen oder ungenfigend, z. B. nut der Band, angegeben sind, so verdient dos vielleicht einen nicht mehr zu verbessernden Tadel; ich muss reich hier mit dem an den Eingang gesetzten Motto entschuldigen --ein Eintrag ist aber damit den statistisehen Bereehnungen sicherlieh nicht gesehehen. Schliesslich wird getadelt, dass die procent. Berechnung an vielen Stellen, wo es sieh nur um ganz kleine Zahlen handelt, mitgetheilt ist, obgleieh sie doch ziemlich entbehrlich w~ire. Dos ist richtig und nur der Gleichheit der Arbeit wegen geschehen, wie iiberhaupt die Form der Arbeit deswegen in der Weise gew~hlt wurde, well ieh glaube, dass nur so eine analytische Proeentbereehnung, um mich so auszudrtieken, mi~glich ist, und dass diese allein zu einer detaillirten, nicht Alles in Bausch und Bogen zusammenfassenden Statistik fiihren kann. Zur Frax.' .!..-r l):~rtM!en Reseeti,m,q! &,r (~elenke 4-1:
doi:10.1007/bf02801896 fatcat:76invijyunavffio6frhkljlgu