Christian Dewald (Hg.): Der Wirklichkeit auf der Spur. Essays zum österreichischen Nachkriegsfilm "Asphalt"

Frank Arnold
2005
Bei dem Filmtitel A:,pha/t denkt man an Joe Mays Stummfilm aus dem Jahr 1929, kaum aber an den gleichnamigen österreichischen Film aus dem Jahr 1951. Dieser behandelt in fünf Episoden das Thema ,Gefährdung und Schutz der Großstadtjugend'. Angelegt als Reportage, die sich an Polizeiberichten orientiert, arbeitet der Film mit "hochtypisierten Figuren" (S.15) und lässt sich begreifen als •"Traktat über Schuld, Erlösung und Sühne" (S.16), gekennzeichnet durch den Gegensatz zwischen ,Realismus'
more » ... seits und der "Verkettung von Unglück" (S.19) andererseits. h,pha/t kommt "ein besonderer Stellenwert" (S.7) in der österreichischen Filmgeschichte zu, schreibt der Herausgeber Christian Dewald in seinem Vorwort zu der jetzt erschienenen Monografie, die sich ausschließlich diesem Film widmet. Dieser Stellenwert hängt nicht zuletzt zusammen mit den "hohen Erwartungen vor seiner Veröffentlichung": "Ein avantgardistisches Experiment mit sozialem Engagement in der Art neoveristischer Filme wird angekündigt" (S.7), bei dem mit Laiendarstellern, ohne konventionelles Drehbuch und außerhalb der Ateliers gearbeitet wird. Diese Erwartungen wurden jedoch nach Meinung der zeitgenössischen Kritik nicht eingelöst, auch an der Kinokasse war der Film kein Erfolg. Asphalt galt lange als verschollen, das mag seinen Mythos genährt haben, erst im Jahr 2001 wurde in Frankreich eine Kopie aufgefunden. Eine Annäherung aus "gesellschaftspolitischer, kulturwissenschaftlicher und filmhistorischer Perspektive" (S.8f.) verspricht die vorliegende Veröffentlichung, zu der vier Autoren acht Texte beisteuern. Die ersten drei bemühen sich um Kontexte, zweimal sozialhistorisch (Werner Michael Schwarz über "Jugendund Schulddiskurse in der österreichischen Nachkriegszeit", Vräth Öhner über "Jugendverwahrlosung" und "Jugendkriminalität"), einmal filmgeschichtlich (Thomas Meder über die "Inspirationen in der Filmgeschichte", vor allem im italienischen Neorealismus). Gerade dieser Kontext ist hier bedauerlich verknappt, weder wird Antonionis Episodenfilm 1 Vinti (1952) herangezogen, der sich explizit mit demselben Thema beschäftigt, noch kommt Kurt Steinwendners Wienerinnen (ebenfalls ein Episodenfilm aus dem Jahr 1952 zum Thema) über eine bloße Erwähnung hinaus. Zudem finden sich in allen drei Texten Ansätze zur Analyse des Films, die sich damit wiederholen, aber nie ein komplettes Bild entstehen lassen. Faktenreicher sind die beiden Beiträge von Ulrich Döge, die sich mit der Rezeption des Films beschäftigen, der erste mit der in Österreich, Frankreich und der Schweiz, der zweite mit der westdeutschen. Letztere wird zusätzlich dadurch
doi:10.17192/ep2005.2.1636 fatcat:wfsptaqj2fhe3kims6ztt3on7q