Der gefühlte Durchblick [chapter]

Rainer Strauss
Schnittstelle Kunst - Vermittlung  
Der Blick des Leiters einer Einrichtung der kulturellen Bildung auf die ästhetische Praxis und die Bedingungen ihres Entstehens ist anders als die Sicht der KunstschulmacherInnen und ProjektumsetzerInnen. Er muss weiter schauen, genauer hinsehen und gelegentlich die Schärfe nachstellen, um noch durchzublicken bei all dem Tun und Machen. Mit der Perspektive auf 5 Jahre Kunstschularbeit war der präzise Blick nach innen, gekoppelt mit einer kritischen Rückschau, fällig, um die Einrichtung für die
more » ... inrichtung für die Zukunft aufzustellen. Das Modellprojekt "Schnittstelle Kunst -Vermittlung" stellte da genau die richtigen Fragen, war mit kompetenten Leuten besetzt und versprach Durchblick. Durchblick war das, was ich suchte. Und zwar nach innen und nach außen, und möglichst auch nach vorne. Klarheit über die Ziele und den Weg. Als Institution haben wir uns zwar längst auf diesen Weg gemacht und Neues ausprobiert, ohne Angst vor Veränderung: Wir machen ein Kindermuseum, wir bilden MultiplikatorInnen fort, wir kooperieren mit Kindergärten und Schulen und bauen Netzwerke mit kommunalen Bildungsträgern. Wir sind aktiv und machen viel. Aber blicken wir durch? Was passiert da eigentlich in unserer Kunstschule? Wie funktioniert das, was wir da machen? Welche Begriffe schwirren in unseren Köpfen herum? Zum Beispiel zu Kunst oder Schule? Wie ernst nehmen wir uns selbst? Und was machen die anderen Kunstschulen eigentlich mit diesen Fragen? Das alles steckte im Modellprojekt. Ich musste mich nur darauf einlassen, um die Antworten zu bekommen. So schien es jedenfalls, und am Ende war es auch fast so. Nach einem komplizierten Prozess, der auf mehreren Ebenen gleichzeitig lief und alle MitarbeiterInnen durchrüttelte, hat sich unsere Kunstschule verändert. Aus meiner Sicht stehen wir jetzt auf einem höheren Level. Ähnlich einem Sprung auf die nächste Spielebene, wie bei dem uralten Computerspiel "Supermario", das meine Kinder früher immer gespielt haben.
doi:10.14361/9783839407325-015 fatcat:sqsz6irhazbd5flsktafhdsvki