Noreen. Altnordische Grammatik I. Altisländische und altnorwegische Grammatik unter Berücksichtigung des Urnordischen 2. Auflage

B. Kahle
1895 Indogermanische Forschungen  
einmal zu eingehenderen grammatischen Studien angeregt, die Fortschritte seit 1879 'mochte' er nicht mehr ausnützen. Gleichwohl wagt er das kühne Wort, die Sprache habe die Nation gemacht, als sie am Fusse der Karpathen von den 'künftigen' Italikern sich abgezweigt und im Lande der Oder und Elbe sich angesiedelt hatte. Die fundamentalen Ereignisse in der Urzeit germanischen Sprachlebens rechnet M. mit ein unter die Akklimätisationskrisen in der neuen Heimat. Wie er auf dem Boden dieser Theorie
more » ... den dieser Theorie in den sprachlichen Veränderungen auch noch das 'Aufraffen zu neuer Kraft' erkennen wollte, verstehe ich nicht. Aber freilich er meint auch, das Akzentgesetz sei mit 'fürchterlicher logischer Einseitigkeit' erfolgt und in ihm komme der heroische Geist unseres Altertums zum Ausdruck. Im Gegensatz dazu finde ich in der Notiz, dass in der Ausgestaltung des epischen Stils die Veränderungen des idg. Satzbaues begründet liegen, eine sehr beachtenswerte Anregung. Ich glaube, es wäre richtiger gewesen, wenn man die nachgelassenen Materialien zur Deutschen Altertumskunde mit den früher erschienenen Einzelabhandlungen zu kleinen Schriften vereinigt -den Gutschmidschen vergleichbar -hätte erscheinen lassen. Jena. Fr. Kauffmann. Noreen A. Altnordische Grammatik I. Altisländische und altnorwegische Grammatik unter Berücksichtigung des Urnordischen. 2. Aufl. Halle Max Niemeyer 1892. XII u. 314 S. 8°. M. 6. Die neue Auflage der Noreenschen Grammatik erscheint in wesentlich veränderter und vermehrter Gestalt, ungefähr 100 Seiten mehr enthaltend als die frühere. Diese bedeutende Vermehrung des Stoffes hat einen grossen Nachteil. So wie das Buch jetzt vorliegt, ist es für den Anfänger kaum zu brauchen, es wird ihm Wesentliches vom Unwesentlichen zu scheiden sehr erschwert. Ich glaube, Noreen wird sich entschliessen müssen, dem Beispiele Braunes zu folgen, und wie dieser, einen Auszug für Anfänger aus der grösseren Grammatik zu veröffentlichen. Der Dank der Lernenden und Lehrenden wäre ihm gewiss. Mit einem solchen Auszug würde er auch im Kähmen der Sammlung bleiben, die kurze Grammatiken darbieten wollte und "besonders Anfängern zur Einführung in das philologische Studium der betreffenden Sprachstufe dienen" sollte. Besonders bedacht bei der Vermehrung ist die Lautlehre, während im Verhältnis zu ihr die Formenlehre etwas kümmerlich davon gekommen ist.
doi:10.1515/if-1895-0126 fatcat:oovyvp7ypjf6fe44k5ise5fo7a