Zinn

Bruno Simmersbach
1921 Geologische Rundschau  
Zinnerze miissen schon seit uralten Zeiten bekannt gewesen sein, denn die Bronze, welche wit als Legi~rung yon Kupfer und Zinn kennen, ist die ~lteste Legierung und demzufolge sind also Zinnerze sicher seit derjenigen Periode in der Entwicklung des Mensehengeschleehtes, die man die Bronzezeit nenn~, bekannt; unen~schieden ist nut, ob das Metall fiir sich auch damals schon oder gar iriiher, aus seinen Erzen abgesehieden wurde. Bei der Leiehtigkeit, mit der das aus dem Schwemmlande gewonnene
more » ... ande gewonnene Zinnerz ausgeschmolzen werden kann, ist dies nicht unwahrseheinlieh, und jedenfalls ist metallisches Zinn schbn trfihzeitig ver-~vendet worden. Die Zinnpes~, eine Krankheit des metMlischen Zinns, hat jedenfalls dazu gefiihrt, dab ~unde yon Zinngegenst~nden aus den ~ltesten Zeiten zu sehr grol~en Seltenheiten gehSren. Einer allgemeineren Verwendung des Zinnerzes zu Bronze und Zinn steht seine geringe Verbreitung gegentiber, denn nut ein einziges Mineral hat als Zinnerz praktische Bedeutung, alas ist der Zinnstein, der sieh nut in wenigen Gegenden in abbauwtirdiger Menge vorfindet. Au$er im Zinnstein kommt das Zinn als wesentlieher Bestandteil noeh vor im Zinnkies FeCueSnS~, in dem germaniumhMtigen Franckeit PbsSneSbeS12 und in dem Kylindrit Pb6Sn6SbeSel. Alle diese Mineralien sind abet selten und spielen als Erz gar keine Rolle. Der Zinnstcin dagegen, oder Kassiterit, SnOe, enth~lt in reinem Zustande 78,6 % Sn, meist abet besitzt er Eisenoxyd beigemischt, wo-d~ch der Zinngehalt herabgedriickt ist. Zinnstein tritt in der Regel in Verbindung mit alten granitischen Gesteinen in oft sehr schmalen G~ngen auf, die den Granit und die Nebengesteine durchschw~irmen, oder er impr~gniert in der Umgebung dieser G~nge den Granit selbst. Als eine Nachwirkung der Graniteruptionen kennt man die Emanation yon Fluor-und Chlorwasserstoff-haltigen Wasserd~mpfen, welche dem granitisehen Magma Verbindung~n yon Zinns~ure, Bors~iure, Kiesel-, Wolfram-und Phosphors~ure entzogen batten und diese in Kliiften und Spalten als Mineralien der an die Granite gebnndenen Zinnsteingruppe absetzten, w~hrend zugleich eine Metam0rphosierung des Nebengesteins in ebenfalls Zinnstein, Topas und Rabenglimmer fiihrenden Zwitter und Greisen (so bei Altenberg-Zinnwald und Markersdorf i.S.) startland. Solche, dutch magmatische Dampf-und GasausstrSmungen bewirkte Kontaktmetamorphose wird als pneumatolytiseh bezeichnet. Die Ausfiillung der Gangspalten ist, abgesehen yon mehr oder minder
doi:10.1007/bf02196930 fatcat:tc5alzvdz5hc7jgpai72zscmem