Mammasekretion und -Krisen Bei Tabes

Hans Biberstein
1922 Klinische Wochenschrift  
Unter den sekretorischen Krisen sind die der Brustdrfisen nicht blog wegen ihrer, wiees scheint, auBerordentiichen Seltenheit, sondern auch praktisch und theoretisch bemerkensweft. fie werden in den mir zur Verfiigung stehenden Lehrund Handbiichern (auBer bei MO}~R-STA~.HF.LIX, siehe u.) nicht einmal erw~ihnt. Soweit wit ieststellen konnten, find bisher nur viermal "tabische" Sekretionsanomalien der Brustdrtise mitgeteflt worden: als solche bezeichne ich die Sekretion yon Milch oder auch einer
more » ... ch oder auch einer anders als Milch zusammengesetzte n Fifissigkeit unter dem EinfluB der Tabes auf "in~ adgquate" Reize lain. Der erste Fall ist in der aus der DE l~.a CA~p~chen Kiinik yon SCH~II)TPOTT 1) ver6ffentlichten Dissertation (19o8) enthalten (zitiert yon IE. MOLLER im Handbuch der inneren Medizin, MOI~a-STAEt~ELIN). Herr Geheimrat DE LA Ca}aP hatte die groBe Freundlichkeit, mir die erwiihnte Arbeit zur Veriiigung zn stellen. Ich gebe die Krankengeschichte hier kurz wieder: 45jghrige Frau; typische Tabes. Vor Ii Jahren rum erstenmal -im Anschlul3 an eine k6rperliche Anstrengung --ziehende Schmerzen im Leib und bald darauf stechende in der ]3rust, denen die Absonderung einer fettigen blal3r6tlichen Fltissigkeit aus der ein wenig geschwollenen rechten Mamma folgte. Dazu gesellten sich lanzinierende Schmerzen und --nach schwerverdaulichen Speisen --Magenkrisen. Nach einigen Monaten ernente und verstgrkte lXlammakrisen mit 13belbefinden im Gefolge; Gravidit/it lag nicht vor; die letzte und einzige bestand 9 Jahre vorher. Die Anf/ille wiederholten sieh i I Jahre lang in 4--5 w6chentlichen Abstgnden unabh{ingig yon den Menses und schw~ichten sich stets mehr ab, waren aber im Beobachtungsjahr mindestens doppelt so hgufig geworden wohl au{ Grund seelischer Erregungen und k6rperlicher Anstrengungen. Nach deren Ausschaltung stellten sich die Attacken vierw6chentlich einige Tage naeh der Menses ein. Der Sekretion geht einige Stunden Pin stechender Schmerz voran, "der vom 5. Brnstwirbel etwa dem entsprechenden Interkostalraum entlang l{iuft und yon hinten nach vorn in die reehte Mamma ausstrahlt". Nach Beendigung der Sekretion ffihlte sich die Patientin wie dutch einen Schlag auf die rechte Kopfseite bet/~ubt. Die SensibilitS~tsprfifung scheint auf Pin BetroEensein der Thorakalund Lumbalsegmente hinzudeuten. Die Erscheinungen werden durch Reizung der Interkostalnerven II--VI oder der mit ihnen in Verbindung stehenden Sym-pathicusS~ste erkl/irt.
doi:10.1007/bf01729794 fatcat:6w2shwv4evh4hl22o7ybj6ps7y