I. Studien über die erblichen Verhältnisse der Hornhautkrümmung

Adolf Steiger
1907 Ophthalmologica  
Augenarzt in Zürich. II. Heredität der Hornhautrefraktion1 ). Die Frage nach dem fehlerhaften Meridian im astigmatischen Auge ist hei weitem nicht so einfach, wie manche Autoren an zunehmen scheinen. Es ist freilich sehr verlockend, zu erklären, im myopischen Auge sei der myopische, senkrechte Meridian zu stark gewölbt und im hypermetropischen der hypermetropische, wagerechte Meridian zu schwach. Der W irkung nach ist das allerdings richtig, in ursächlichem Sinne aber sehr oft falsch. Es kann
more » ... sein, braucht es aber nicht. Ursprünglich sind ja überhaupt fast alle Astigmatismen hypermetropisch. Die A rt des Astigmatismus ist eben durchaus von der allgemeinen Re fraktion abhängig und ist keine wesentliche Eigenschaft desselben. Ich habe diesen Gedanken schon früher einmal ausgeführt. In den "Beiträgen usw." wurde eine Lösung der Frage nach dem unrichtig gewölbten Meridian versucht. Ueber die Methode möge man im VI. Kapitel "Typen der Hornhautpaare" nachlesen. Das Resultat lässt sich kurz in folgender Weise zusammenfassen: Wenn der Astigmatismus der beiden Augen eines Individuums eine erhebliche Differenz zeigt, so fällt das Mehr von Astig matismus am häufigsten auf Rechnung des stärker gekrümmten, also gewöhnlich des senkrechten Meridians, weniger häufig auf die des flacheren. Viel seltener scheinen beide Meridiane in gleicher Weise betroffen zu sein. Aehnlich werden die Be ziehungen wohl auch bei beidseitig gleichen Graden liegen. Wenn sich also eine ganz befriedigende Antwort nach dem unrichtigen Meridiane zurzeit nicht geben lässt, so ist doch ') I. Teil, H eredität des Hornhautastigmatismus, siehe diese Zeitschrift lid. XVI, 3 und 4. Zeitschritt für Augenheilkunde. Bd. XVII Heft 4. so viel sicher, dass, je stärker der Asigmatismus ist, mit um so grössererWahrscheinlichkeit der Meridian sch wachster Krümmung, also in weitaus den meisten Fällen der wagrechte, durch diesen Atigmatismus beeinflusst wird, und ¿war im Sinne einer Ab flachung. Wollen wir nun nicht die Untersuchungen über die verwandtschaftlichen Beziehungen in den Brechungsverhältnissen der Hornhaut durch einen der Frage fremden Faktor trüben, so werden wir gut tun, aus den Berechnungen alle Augen mit einem stärkeren Astigmatismus, also von mehr als zwei Dioptrien, auszuschliessen. Da ferner der p erverse Astigmatismus nicht ohne weiteres mit dem Atigmatismus nach der Regel verglichen werden darf, so halten wir auch alle perversen Fälle fern. Um die folgenden Berechnungen nicht allzu sehr auszudehnen, sollen nur die nachstehenden Kategorien berücksichtigt werden: •308 S te ig e r, Studien über die erblichen Verhältnisse
doi:10.1159/000291212 fatcat:etrbngodqvbddk4egmnuxd2lmy