Rosmini auf dem Prüfstand der Phänomenologie – und umgekehrt

La Redazione
2018
Eine durchgängige Spannung zwischen dem Bekenntnis zur Endlichkeit und dem Streben zum Absoluten hin durchzieht einen großen Teil des neuzeitlichen und zeitgenössischen Denkens. Einige rasche Hinweise können das anschaulich machen. Bei Descartes veranlasst die Wahrnehmung der Krise der traditionellen Ordnungen die systematische Ausübung eines Zweifels, der, wenn er radikalisiert wird, zwar das Ich auf die unbestreitbare Aktualität seines Denkens verweist, jedoch ohne dass sich daraus eo ipso
more » ... h daraus eo ipso für dieses Denken die Gewähr ergäbe, dass es sich auch wahrheitsgemäß vollzieht. Dem französischen Philosophen genügt es, nachdem er an diesen Punkt gekommen ist, dennoch nicht, dass das Ich seine eigene Fehlbarkeitwelche die Grenze bezeugt -überwachen kann, indem es auf die Ressourcen der Selbstkorrektur zurückgreift, über die es doch immerhin verfügt. Für dieses Ich ist es, nachdem es sich als geistiges Ich entdeckt hat, vielmehr unabdingbar, sich mit letzter Gewissheit diesseits der Grenze zu wissen, die es vom Abgrund der absoluten Falschheit trennt -und damit unter seinen Denkinhalten als endliches Ich den "evidenten" Beweis dafür zu finden, dass sich auch auf es selbst die Ordnung der Gründe erstreckt, die ein vollkommener und wahrhaftiger Gott der Natur eingeschaffen hat. Und das in einem solchen Maße, dass sogar die Fähigkeit zur Korrektur seiner selbst schließlich als eine von Gott verliehene Fähigkeit, eine facultas a Deo tributa,
doi:10.15168/2385-216x/171 fatcat:hqg7cjxuvfd3njyzzs3wsiokyi