Richard Allen: Projecting Illusion. Film Spectatorship and the Impression of Reality

Thomas Morsch
1995
Richard Allen setzt sich in der vorliegenden Untersuchung kritisch mit der psychoanalytischen Filmtheorie auseinander. Mit Blick auf die Erkenntnisse über die kognitiv gesteuerten Prozesse der Filmrezeption bemüht er sich um eine differenzierte Reevaluierung der Rolle verschiedener in diesem Bereich entwickelter Konzepte. Allen relativiert die deterministischen Züge der psychoanalytischen Theorie und legt die Betonung auf mögliche Rezeptionsmodi: Er spricht der Psychoanalyse Erklärungskraft für
more » ... Erklärungskraft für imaginative Erlebnisformen zu, die aus den rationalen Zuschaueraktivitäten resultieren können , aber nicht müssen. Allen entwickelt seine Überlegungen aus einer eingehenden Kritik an den epistemologischen Grundlagen der zeitgenössischen Filmtheorie. Das erste Kapitel untersucht zunächst die Ideologiekonzeption Louis Althussers und die Theorie der Subjektgenese Jacques Lacans. Diese Theorien werden insbesondere aufgrund ihrer deterministischen Vorstellungen, der Totalisierung des Ideologiebegriffs und der Überbewertung der Bedeutung unbewußter Strukturen gegenüber kognitiven Prozessen kritisiert. Das zweite Kapitel untersucht die philosophischen Grundlagen der in der zeitgenössischen Filmtheorie vorherrschenden Vorstellungen von Sprache und Subjekt anhand der Phänomenologie Husserls und der dekonstruktionistischen Metaphysikkritik Derridas, die er beide einer an der Spätphilosophie Wittgensteins•orientierten Kritik unterzieht. Wenn es auch einerseits wünschenswert und notwendig ist, die Filmwissenschaft immer wieder mit einer Kritik ihrer epistemologischen Grundlagen zu konfrontieren, so büßen die philosophischen Argumente in dieser verkürzten Form doch stark an Gewicht ein. Die folgenden Kapitel beschäftigen sich nun mit genuin filmwissenschaftlichen Fragestellungen, insbesondere mit den Illusionsstrategien des Kinos. :Allen differenziert zunächst zwischen verschiedenen, für diverse Bildmedien typischen Formen der Illusion und findet die charakteristische Illusionsform des Kinos in der sogenannten projektiven Illusion, die dadurch gekennzeichnet ist, daß die dargestellte Welt vom Zuschauer als eine voll realisierte und doch fiktionale , gleichsam von innen und mit der perzeptuellen Unmittelbarkeit der Wirklichkeit erlebt wird (S.107), ohne daß eine erkenntnismäßige Täuschungalso der Glaube an die Wirklichkeit der Fiktiondamit einherginge. Diese Illusionsform ergibt sich keineswegs zwingend, sondern ist von der Eigenleistung der Zuschauer abhängig, die sich bewußt auf die Fiktion einlassen. Um die Motivation und Funktion der Illusionserfahrung zu beleuchten, untersucht Allen im folgenden ver-J
doi:10.17192/ep1995.4.4604 fatcat:b2spthasrbfjjfuqj5zca7j6ee