Untersuchungen über die Verwendbarkeit des Formaldehydgases zur Desinfection grösserer Räume

E. Pfuhl
1897 Medical Microbiology and Immmunology  
Am Schlusse meiner ersten Arbeit fiber die Verwendbarkeit des Formaldehydgases zur Desinfection grSsserer Ri~ume 1 babe ich kurz auf die gfinstigen Resultate hingewiesen, welche franzSsisohe Autoren mit dem Trillat'schen formogenen Autoclaven erzielt haben. Dieser Apparat hat den Zweck, das Formalin unter einem Druck yon 3 bis 4 Atmosphiiren zu verdampfen. Er besteht aus einem kupfernen Autoolaven yon 5 Liter Inhalt, dessen Form etwas hSher ist, als bei den gewShnlichen Autoclaven. Der Deekel,
more » ... laven. Der Deekel, der mit einem Gummiring gediehtet und mit 6 Klappschrauben verschlossen wird, triigt oben einen Monometer, einen Thermometer und einen Niederschraubhahn, an dem ein sehr dfinnes kupfernes R5hrchen yon etwa 1 m~ Durchmesser und etwa 50 r L~nge befestigt wird. Dieser Hahn wird geSffnet, sobald der Druck 3 his 4 Atmosph~iren erreieht hat, worauf die Diimpfe mit einem krfiftigen Strahl dureh das dfinne RShrchen austreten. Dadurch wird es ermSglicht, den Autoclaven vor der Eingangsthfir der zu desinfieirenden Wohnung aufzustellen und die D~impfe vermittelst des RShrohens dutch das Sohlfisselloch hinein-1 Dieae Zeitschrift. Bd. XXII. S. 350. Zeitschr. f. Hygiene. XXIV. 19 290 E. PFUHL: zuleiten. Dies hat den Vorzug, dass man bei der Inbetriebsetzung des Apparates yon den sonst so liistigen Formalind~impfen gar nicht zu leiden hat. Die Heizung erfolgt mit Petroleum oder Gas. Um das Uebersch~umen zu vermeiden, daft der Apparat nicht mehr als 8/4 roll sei~, wozu h5chstens 31/2 Liter nSthig sind. Man nimmt aber zur Fiillung des Apparates nicht die einfache 35-his 40procent. FormaldehydlSsung, sondern versetzt dieselbe erst mit feingepulvertem Calciumchlorid, und zwar mit ungefiihr 150 ~m auf 1 Liter. Diese Mischung hat Trillat Formochlorol genannt. Die D~impfe sind Formaldehydd~impfe. Wie Trillat gefunden hat, erreicht man dutch den Zusatz yon Chlorcalcium und alas Verdampfen unter erhShtem Druck, dass sich das Formaldehyd nicht polymerisirt, sondern dass wirkliche Formaldehydd~impfe in den zu desiniicirenden Raum gelangen. Zu beachten ist, dass das Formalin nicht mehr als 1 Procent Methylalkohol enth~ilt, da dieser mit dem Formaldehyd beim Erhitzen unter Druck das unwirksame Methylal bildet. Von den Untersuchungen, die mit dem formogenen hutoclaven angestellt sind, seien hier zun~ichst ausfiihrlicher die yon Bosc 1 erw~hnt. Derselbe fand, dass die mit diesem Apparat erzeugten trockenen Formoldhmpfe in 5 Stunden die pathogenen Keime zerstSrten, welehe an trockenen, fast troekenen oder feuchten Leinwandstfickchen hafteten, wenn sie nur den D~mpfen gut ausgesetzt waren. Dabei wurden diese Keime an allen Punkten eines Saales und zweier NebenrSume abgetSdtet, obgleich tier Gesammtinhalt sehr betr~ehtlich (737 ohm) war, und nut 3 Liter 40procent. FormalinlSsung zur Verwendung kamen. Auch der Staub und die W~inde wurden desinfieirt. Von den im Zimmerstaub enthaltenen Keimen blieben nur die Sporen des Heubacillus und des Kartoffelbaeillus am Leben, was ffir die Desinfection in tier Praxis yon keiner Bedeutung ist. Alle frei gelegenen Stellen waren gut desinficirt worden. We aber die D~mpfe nur schwierig hinzutreten konnten, war das Ergebniss unsicher. So zeigte sich z. B. yon zwei Proben, welche in einer Rocktasche steekten, die eine (Staphylokokken) abgetSdtet, die andere (Colibacillen) zum Theil abgestorben, zum Theil nur in der Entwickelung gehemmt. Staphylokokken, die sich unter einem tIaufen gebrauchter Wfische befanden, t Bose, Essais de d~sinfection par les vapeurs de formald6hyde au moyen des proc6d6s de M. Trillat. Annales de l'Insti~t Pazteur. 25. Mai 1896. Auch abgedruckt in dem Werke yon A. Trillat: Za Formalddh~/d et sea aTplications Tour la ddsinfection des locaux con~aminds. 1896.
doi:10.1007/bf02220559 fatcat:kre2qkuw7bherfyw2nk7j4alwq