Der Ursprung der Schuldefinition des sakramentalen Charakters in der Sentenzglosse des Alexander von Hales (†1245)

Ludwig Hödl
2014
Die scholastische Theologie des sakramentalen Charakters kommt immer wieder auf zwei Wesensbestimimungen des Charakters zurück, deren Ursprung bislang ungeklärt blieb. Die eine von beiden wird zwar vielfach unter dem Napien des Pseudo-Apostelschülers Dionysius Areopagita eingeführt, aber schon der hl. Albert bemerkt in seinem Sentenzenkommentar (lib. IV d.6 a.4) zu dieser Definition, daß sie steh weder dem Sinne noch dem Wortlaut nach bei Dionysius findet. Sie bestimmt den sakramentalen
more » ... kramentalen Charakter als "heiliges Zeichen der Gemeinschaft des Glaubens und der heiligen Weihung, das (dem Eintretenden) vom Hierarchen verliehen wird". Die Erklärungen der einzelnen Aussagen dieser Bestimmung, die in ihrem Wortlaut dunkel und geheimnisvoll wirken will, bereitete den scholastischen Theologen nicht geringe Schwierigkeiten, ihre Anwendung auf die drei verschiedenen Formen des Charakters ist schlechterdings unmöglich. Diese Unzulänglichkeiten der Dionysius-Definition, die immerhin für viele Theologen durch die Autorität eines Apostelschülers gesichert war, führten eine andere Bestimmung in die Theologie ein, für die die Schule keinen Urheber anzugeben wußte. Auch die historische Forschung konnte bislang den Ursprung derselben nicht freilegen. Diese definitio magistralis oder Schuldefinition lautet: ,Character est distinctio a charactere aeterno impressa animae rationali secundum imaginem, consignans trinitatem creatam trinitati creanti et recreanti, et distinguens a non consignatis secundum statum fidei' (Albertus M. IV. Sent. d. 6 a. 4, vgl. Thomas v. Aquino, S. th. p. III q. 60 a. 3). "Der (sakramentale) Charakter ist das vom ,Ewigen Charakter' der vernunftbegabten Seele in ihrer Gottebenbildlichkeit eingeprägte Unterscheidungszeichen, das die geschaffene Dreifaltigkeit der schöpferisfchen und wiedererneuernden Dreifaltigkeit gleichsetzt und von denen abhebt, die nicht gemäß dem Stand im Glauben bezeichnet sind." Im Frühjahr des vergangenen Jahres konnte ich im Auftrag des Direktors des Grabmann-Institutes, Prof. M. Schmaus, längere Zeit an der Biblioteca Comunale in Todi arbeiten. -Der Bibliotheksleitung darf ich an dieser Stelle für das wohlwollende und großzügige Entgegenkommen herzlich danken. -Eine eingehende Studie der Glosse zum 4. Sentenzenbuch, die Alexander von Haies schrieb und die in Hs. 121 der dortigen Bibliothek überliefert ist, stieß sehr bald auf die Quellen, aus denen die Schuldefmition des sakramentalen Charakters geflossen ist.
doi:10.5282/mthz/544 fatcat:uxa7tt4tmban5bnldplxcykgbe