Zur Verwendung und Funktion von fiktionalen Sprachen in Peter Jacksons Filmtrilogien Der Herr der Ringe und Der Hobbit

Beate Lange
2021
Die fiktionalen Sprachen sind ein wenig erforschter Teil der Sprachwissenschaft. In dieser Arbeit werden Peter Jacksons Adaptionen von J.R.R. Tolkiens Der Herr der Ringe und Der Hobbit bezüglich ihres Gebrauchs fiktionaler Sprachen, mithilfe der Fragen: Wer wann mit wem warum welche fiktionale Sprache spricht, ob diese untertitelt wird oder nicht und warum, untersucht. Die fiktionalen Sprachen dienen hier, wie in der Literatur auch, der Schaffung glaubhafter fiktionaler Welten und Figuren, die
more » ... urch die Sprachen charakterisiert werden. Die mehrsprachigen Figuren benutzen fiktionale Sprachen vor allem für normale Unterhaltungen, Zauber, Befehle und zur Geheimhaltung. Die Sprachen werden dabei besonders mit Magie und übernatürlichen Kräften in Verbindung gebracht. Der Gebrauch fiktionaler Sprache ist bei allen Sprechern fehlerfrei und Code-Switching wird immer wieder angewendet. Dennoch bleibt der Großteil des Filmdialogs in den Sprachen Englisch bzw. Deutsch, um das Verständnis beim Publikum zu sichern. (2009: 11). "Switching [...] refers to alternation between the different varieties which people speak" (ebd., Hervorhebung im Original). Code-Switching (CS) ist innerhalb von Gemeinschaften und Individuen stark variabel und individuell geprägt 1 (ebd.: 165). Die Verwendung verschiedener Sprachen dient verschiedenen Zwecken in verschiedenen Situationen mit verschiedenen Gesprächspartner*innen, daher ist es auch nicht notwendig, dass die benutzten Sprachen auf gleichem Niveau sein müssen (Grosjean nach MÜLLER 2015: 16). CS findet nach Grosjean im bilingualen Modus statt, d.h. alle Sprachen bleiben aktiviert und werden benutzt, im Gegensatz zum monolingualen Modus, bei dem sich "mehrsprachige Sprecher der Sprache eines einsprachigen Kommunikationspartners an[passen]" und "ihre andere(n) Sprache(n)" deaktivieren (nach RIEHL 2009: 30). Inhaltsverzeichnis CS kann "einzelne Wörter, aber auch Wortgruppen und ganze Sätze bzw. Äußerungen umfassen" (MÜLLER 2015: 16). Müller unterscheidet demnach das inter-sententiale CS an der Satzgrenze und das intra-sententiale CS innerhalb eines Satzes (ebd.: 15). In der Regel erfolgt das CS aber zwischen Sätzen (RIEHL 2009: 16). Dabei sind die Grammatiken voneinander getrennt und die Sprecher*innen wären in der Lage, sich in der anderen Sprache auch ohne Switching zu unterhalten (MÜLLER 2015: 25). CS hat also nichts mit Inkompetenz in einer Sprache zu tun, im Gegenteil, ein Sprecher muss gute Fähigkeiten in den verwendeten Sprachen haben, um CS anwenden zu können. Bei einem Sprachwechsel können drei Unterkategorien nach Muysken unterschieden werden: Alternation (Sprachwechsel umfasst Grammatik und Lexik), Insertion (Einfügung von Sprachmaterial aus einer Sprache in die andere) und kongruente Lexikalisierung (bei gleicher grammatischer Struktur wird Sprachmaterial ausgetauscht) (nach MÜLLER 2015: 17-19). Die im CS verwendeten Codes können ebenfalls kategorisiert werden. Die ethnisch spezifische Sprache einer Minderheit ist der we-code, welcher mit der "in-group" und informellen Aktivitäten assoziiert wird und die Sprache der Mehrheit ist der they-code, welcher mit einer formelleren und weniger persönlichen Umgebung, der "out-group", assoziiert wird (GUMPERZ 1982: 66). Diese kann auch als Umgebungssprache bezeichnet werden (PATUTO 2015: 46). Hier wird nicht der Begriff Code sondern Sprache verwendet, da fiktionale Sprachen betrachtet werden. Die in den Filmen enthaltenen Varietäten werden nicht beachtet. CS findet in den untersuchten Beispielen in der überwiegenden Mehrheit inter-sentential statt. Die Sprecher sind theoretisch immer in der Lage in einer Sprache zu verbleiben. Das CS hier ist Alternation, es 1 Für eine ausführliche Begriffsabgrenzung siehe MÜLLER 2015: 11-24
doi:10.25528/055 fatcat:qhse3hj5sreoxdgrjqxuqluqge