Vogl, Thomas: Homiletischer Text- und Klangraum. Stimmung – Atmosphäre – Predigt

Richard Hartmann
2020
Vogl, Thomas: Homiletischer Text-und Klangraum. Stimmung -Atmosphäre -Predigt. -Würzburg: Echter 2019. 393 S. (Studien zur Theologie und Praxis der Seelsorge, 110), brosch. € 42,00 ISBN: 978-3-429-05407-6 "Textklangraum" ist ein Neologismus, den die Lese-und Perikopenrevision der evangelischen Kirche Deutschlands in die liturgisch-homiletische Diskussion eingeführt hat, und der wohl Anstoß und Motiv für die hier vorgelegte Diss. bildet. Der katholische Vf. erweist sich als Praktiker in Predigt
more » ... aktiker in Predigt und Liturgie, und es gelingt ihm eindrücklich, die theologische Diskussion der evangelischen Praktischen Theologie zu rezipieren. Solche ökumenische Weite zeigt sich auf Seiten der evangelischen Kolleg/inn/en selten. Das Buch bietet drei sehr unterschiedliche und nur begrenzt zusammenhängende Abschnitte. Das erste Kap. widmet sich unter der Überschrift "Stimmung" und "Atmosphäre" den Begriffsklärungen und ihrer Einordnung in Theologie und Homiletik. Tatsächlich leistet es nur Bausteine eher lexigraphischer Art aus philosophischer, begrenzt psychologischer und theologischer Sicht. Dem Vf. ist eine breite Kenntnis dieser Literatur nicht abzusprechen; vieles wird additiv referiert, aber nicht ausreichend systematisierend zusammengefasst. Zudem fehlen viele Bereiche, die zur Klärung dessen beitragen könnten, was Stimmung und Atmosphäre für die homiletische Arbeit ausmachten: Weder kunstästhetische Fragen noch literatur-und musikwissenschaftliche Reflexionen werden aufgezeigt. Keine kommunikationswissenschaftlichen und mediendidaktischen Beiträge, die nur kurz benannt werden, helfen, diese Begriffe genauer, auch empirisch zu fassen. Dies ist umso bedauerlicher, da in einzelnen Unterkap.n zumindest Andeutungen zu finden sind: Unter 2.2.3.4 taucht dann das homiletische Modell des "offenen Kunstwerkes" auf; musikwissenschaftliche Hinweise finden sich in 2.1.2.2, ein knapper Hinweis auf die Attributionstheorien der Emotionsentstehung findet sich am Anfang des 3. Kap.s. Letztlich bleiben die Begriffe "Stimmung" und "Atmosphäre" wie auch der Hauptbegriff des "Textklangraums" auf der Ebene der Metapher und unterliegen somit vorrangig subjektiver Wahrnehmung. Der Querverweis auf die soziologische Diskussion um die Erlebnisgesellschaft (68f) hätte auch bei weiterer Vertiefung zu Erkenntnisfortschritten geführt. Das zweite Kap. ",Textklangraum' Gottesdienst" wendet sich der Leseordnung der evangelischen Kirche und dem folgend auch den Diskussionen in der römisch-katholischen Kirche und anderen Teilkirchen der Ökumene zu. Der Leser gewinnt einen trefflichen Überblick über die jeweiligen Diskussionen. Der Kernbegriff des "Textklangraums" bleibt jedoch auf der Ebene einer recht kraftlosen Metapher. Unter der Überschrift "Den homiletischen Text-und Klangraum gestalten" wendet sich der Vf. im dritten Hauptteil pastoralliturgischen Fragen zu. Sowohl die Erfahrungen aus der Kasualpraxis
doi:10.17879/thrv-2020-2890 fatcat:mtcgalibwzbd7hbevcd4nwhvnq