Bildung Vor Bologna – Bilanz Einer Zwischenzeit. Das Zentrale Problem Des Modernen Erziehungssystems Und Seine Lösung in Einem Gesellschaftlichem Experiment: Über 20 Jahre Geisteswissenschaftliche Bildung Als Ausbildung

Carsten Zorn
2008 Social Science Research Network  
In der Publikationsreihe RatSWD Research Notes erscheinen empirische Forschungsergebnisse, beruhend auf Daten, die über die durch den RatSWD empfohlene informationelle Infrastruktur zugänglich sind. Die Pre-Print-Reihe startete Ende 2007 unter dem Titel RatSWD Working Papers. Arbeiten aus allen sozialwissenschaftlichen und wirtschaftswissenschaftlichen Disziplinen können in der Reihe erscheinen. Die Reihe RatSWD Research Notes bietet einen Einblick in die vielfältigen wissenschaftlichen
more » ... chaftlichen Anwendungsmöglichkeiten empirischer Daten und Statistiken und richten sich somit an interessierte, empirisch arbeitende Wissenschaftler/innen ebenso wie an Vertreter/innen öffentlicher Einrichtungen der Datenerhebung und der Forschungsinfrastruktur. Die RatSWD Research Notes sind eine Plattform für eine frühzeitige zentrale und weltweit sichtbare Veröffentlichung von auf empirischen Daten basierenden Forschungsergebnissen und konzeptionellen Ideen zur Gestaltung von Erhebungen. RatSWD Research Notes sind nicht-exklusiv, d. h. einer Veröffentlichung an anderen Orten steht nichts im Wege. Alle Arbeiten können und sollen auch in fachlich, institutionell und örtlich spezialisierten Reihen erscheinen. RatSWD Research Notes können nicht über den Buchhandel, sondern nur online über den RatSWD bezogen werden. Um nicht deutsch sprechenden Leser/innen die Arbeit mit der neuen Reihe zu erleichtern, sind auf den englischen Internetseiten der RatSWD Research Notes nur die englischsprachigen Papers zu finden, auf den deutschen Seiten werden alle Nummern der Reihe chronologisch geordnet aufgelistet. Die Inhalte der Ausgaben stellen ausdrücklich die Meinung der jeweiligen Autor/innen dar und nicht die des RatSWD. Abstract: Die Studie rekonstruiert zunächst, mit Hilfe der Gesellschaftstheorie Niklas Luhmanns, die besondere strukturelle Problemlage des modernen Erziehungssystems. Dabei wird insbesondere hervorgehoben, wie die Erfüllung der Funktion des Erziehungssystems (die Qualifizierung für Lebensläufe und Karrieren) durch die inzwischen erreichte Dynamik moderner Gesellschaft erschwert wird: Das System hat für Lebensläufe in einer in ihren Einzelheiten immer weniger voraussehbaren Zukunft zu qualifizieren; es agiert unter Bedingungen immer offensichtlicher werdender Ungewissheit. Vor diesem Hintergrund wird dann gezeigt, dass geisteswissenschaftliche 'Bildung durch Wissenschaft' eine dieser Lage besonders gut anpasste Problemlösung darstellt: Während 'praxisorientierte' Bildung Fertigkeiten vermittelt, die unmittelbar auf bestimmte Anforderungen zielen, vermittelt 'Bildung durch Wissenschaft' Fertigkeiten, die auch noch mittelbar nützlich sind, wenn gesellschaftliche Anforderungen sich fundamental ändern -wie in den zurückliegenden zwei Jahrzehnten. Darum wird dieser Zeitraum hier auch wie ein 'Testfall' für die genannte These behandelt. Da in dieser Zeit immer mehr Geisteswissenschaftler auf den allgemeinen Arbeitsmarkt drängten, ist es sozusagen zu einer unmittelbaren Konfrontation von 'Bildung durch Wissenschaft' mit den Übergängen zur Risiko-und dann zur Wissensgesellschaft gekommen. In so angeleiteten Auseinandersetzungen mit der jüngeren Vergangenheit ergibt sich im Hinblick auf 'Bildung durch Wissenschaft' schließlich eine Bilanz, vor deren Hintergrund der aktuelle Übergang zu sehr weitgehender Praxisorientierung im Studium zumindest riskant erscheint.
doi:10.2139/ssrn.1478444 fatcat:3emyxr3u6bfghlhn2gp5b4mw4y