1. Bibliotheken brauchen Innovationen [chapter]

Innovationsmanagement in Bibliotheken  
Unsere Umwelt wandelt sich beständig. Viele Bedürfnisse und Wünsche von Menschen sind noch ungestillt und warten darauf, gestillt zu werden; ein Antrieb, Innovationen zu kreieren. Technischer Fortschritt macht vor Bibliotheken nicht Halt und setzt sie unter Druck. Die zunehmende technische Durchdringung unserer beruflichen und privaten Lebenswelten, die Entstehung neuer Geschäftsmodelle oder die Durchsetzung neuer Arbeitsgewohnheiten führen dazu, dass auch in Bibliotheken Innovationen gebraucht
more » ... ovationen gebraucht werden, um Schritt halten zu können und den Nutzerinnen und Nutzern das liefern zu können, was sie verlangen. Dabei ist es erlaubt, auch immer wieder zu hinterfragen, wie sinnvoll eine Innovation ist. Denn nur weil etwas neu ist, ist es nicht per se gut oder besser als der Ausgangszustand. Genauso ist es wichtig, zu hinterfragen, wie sinnvoll Bestehendes noch ist. Bibliotheken müssen auf dem Laufenden sein über das, was um sie herum geschieht, Trends wahrnehmen, mit dem Ohr am Kunden sein. Sie müssen Bewährtes und Gefragtes beibehalten und weiterentwickeln und gleichzeitig bereit sein, Neues auszuprobieren und Grundlegendes wie ihr Geschäftsmodell einer Überprüfung zu unterziehen, um innovativ und zukunftsfähig zu sein. Denn die Konkurrenz von Unternehmen aus der Privatwirtschaft schläft nicht. Gefühlt täglich tauchen neue Start-Ups auf der Bildfläche auf, die am einen oder anderen Ende eine Bedrohung für das Geschäftsmodell von Bibliotheken darstellen. Das eher beschauliche Dasein von Bibliotheken wurde durch die Verbreitung des World Wide Web und den Siegeszug der elektronischen Medien nachhaltig gestört. Der Einfluss dieser elektronischen Dienste auf die Bibliotheken war und ist massiv. Und zwar auf allen maßgeblichen Ebenen der Bibliotheksarbeit: In der Erwerbung führte dieser Einfluss dazu, dass immer häufiger nicht mehr Einzelmedien erworben werden, sondern ganze Pakete lizenziert werden. Es werden neue Erwerbungsmodelle diskutiert und zum Teil auch eingeführt, welche die Auswahl von Einzelmedien durch Fachpersonen ablösen. Für die Katalogisierung stehen Fremddaten aus internationalen Quellen zur Verfügung, welche die Bearbeitung vereinfachen und beschleunigen. Die Sinnhaftigkeit der Sacherschließung wird angesichts von verfügbaren elektronischen Inhaltsverzeichnissen und Abstracts und durch das neue Konzept von Linked Open Data immer öfter in Frage gestellt. Die früheren Kernelemente wissenschaftlicher Bibliotheksarbeit haben somit an Bedeutung verloren und sind zumindest teilweise zu Routinearbeiten geworden, die auch an externe Firmen vergeben werden können. Zudem führen die elektronisch verfügbaren Medien dazu, dass man als Benutzerin oder Benutzer immer seltener das Gebäude der Bibliothek aufsuchen muss. Die Ausleihzahlen wissenschaftlicher Zeitschriften gingen parallel zu den rasant steigenden Zugriffszahlen auf die E-Journals markant zurück. Eine vergleichbare Entwicklung ist mit der wachsenden Bedeutung der E-Books auch für gedruckte Bücher zu erwarten. Aber der Einfluss macht sich nicht nur direkt, sondern auch indirekt über veränderte Erwartungen der Benutzerinnen und Benutzer bemerkbar. Die Bibliotheken befinden sich nicht in einem isolierten Raum, den sie kontrollieren und nach ihren Wünschen gestalten können. Die Benutzerinnen, die man mittlerweile als Kundinnen bezeichnet, können ihre Informationsbedürfnisse auch bei anderen Dienstleistern befriedigen. Und diese wiederum setzen Maßstäbe, an denen die Bibliotheken gemessen werden. Das gilt beispielhaft für die Internet-Buchhandlung von Amazon (in ihrer ursprünglichen Funktion), die mit ihren Empfehlungen (Kunden, die diesen Artikel gekauft haben, haben auch jene Artikel gekauft) großen Erfolg hat. Oder für die Suchmaschine Google, die anscheinend immer die richtigen Treffer als Ergebnis ei-Im Internetzeitalter beschleunigt sich die Entwicklung und der Veränderungsdruck auf Bibliotheken nimmt zu.
doi:10.1515/9783110338850-004 fatcat:cw67lb5qbfdblko2gjugutxkau