Beiträge zu einer Einleitung in die Psalmen

B. Jacob
1898 Zeitschrift für die Alttestamentliche Wissenschaft  
in Göttingen. IV. Die Reihenfolge der Psalmen. Das Buch der Psalmen besteht aus einer Reihe selbständiger Stücke verschiedenen Umfangs, nach unserer heutigen Zählung 150. So wie sie jetzt aufeinanderfolgen, ist anscheinend ihre Reihenfolge immer gewesen. Wir haben wenigstens keine Nachricht, dass jemals ein Psalm an anderer Stelle als heute gestanden hat. Wir haben daher kein durch äussere Zeugnisse gestütztes Recht für irgend eine Zeit eine andere Reihenfolge anzunehmen. Aber selbst wenn der
more » ... r selbst wenn der heutigen Anordnung andere vorangegangen wären, so würde dies nichts an der Frage ändern, mit der wir uns jetzt beschäftigen wollen. Warum folgen die Psalmen so aufeinander, wie sie jetzt thun? Nach welchen Grundsätzen hat die (letzte) Redaktion sie geordnet? Denn überhaupt Grundsätze anzunehmen, halten wir uns ohne weiteres berechtigt. Wer einer Anzahl Dinge eine Aufstellung giebt, verfährt -wenn auch unwillkürlich -nach Grundsätzen, mögen sie noch so vielfältig, verschiedenartig und selbst absonderlich sein. Man darf sich billig wundern, dass unsere Frage nicht öfter aufgeworfen und eine Beantwortung versucht worden ist. Jedenfalls ist sie nicht identisch mit der Frage nach 7* Brought to you by | New York University Bobst Library Tech Authenticated Download Date | 6/20/15 2:33 PM IOO Jacob, Beiträge zu einer der Entstehung der Psalmensammlung. Diese ist allerdings oft behandelt worden. Man nimmt jetzt meist an, der Psalter sei aus kleineren Sammlungen entstanden. Den Grundstock bildete 3-41 als erste Sammlung davidischer Lieder, die etwa zur Zeit Esras veranstaltet wurde. Ihr folgte etwa gegen das Ende der persischen Zeit eine zweite Sammlung davidischer Lieder (51-71) sowie von Liedern der Zeitgenossen Davids (42-49. 50. 72. 73-83 mit einer abermaligen Nachlese 84-89, denn die Korah-und Asaphpsalmen müssen ursprünglich ein Ganzes gebildet haben). Die dritte Sammlung 90-150 aus jüngerer und jüngster Zeit. Zugestanden selbst, dies sei die Entstehung des Psalters 1 , 1 So lautet (nach Ewald u. W. R. Smith) die Darstellung u. a. im Abriss der Geschichte des alttestamentlichen Schrifttums S. 207 (Anhang zu Kautzsch: die hl. Sehr, des A. TVs). Es ist aber mancherlei dagegen einzuwenden. Warum "müssen" 42-49. 50. (72) 73-83 (-89) ursprünglich ein Ganzes gebildet haben? Was wissen wir denn von der Art, 'wie die Psalmisten ihre Lieder bekannt gaben? Mit welchem Rechte wird angenommen, dass ein Dichter eine ganze Sammlung mit Einem Male "herausgegeben" habe oder mehrere (Korah, Asaph u. s. w.) sich zur Herausgabe eines Almanachs vereinigten? Die Unterschrift unter 72 kann niemals bedeutet haben: Zu Ende sind die Gebete Davids, sonst hätte man sie nicht an dieser Stelle belassen. Es kann nur heissen: zu Ende sind Gebete Davids (d. h. jetzt kommt eine Reihe anderer) . Damit sollte nicht ausgeschlossen werden, dass später wieder Davidpsalmen folgen könnten. Als Analogie ist Hiob 31, 40 trotz 40, 3 und 42,1 völlig ausreichend. Ferner muss es mit den Gottesnamen in Buch II und III eine andere Bewandtnis haben, als man allgemein annimmt. Denn wenn wirklich der "Redactor" die Absicht hatte, den einen Gottesnamen gänzlich zu vermeiden, so hätte er dies auch -da es wahrlich keine grosse Kunst ist -fertig gebracht und ihn nicht 43 mal stehen gelassen. Man stelle sich doch die Redaktoren nicht immer als so sträflich einsichtslos, ungeschickt und lüderlich arbeitend vor, wie sie darnach hätten sein müssen. Man traue ihnen doch wenigstens die Akribie und Gewissenhaftigkeit der späteren Masoreten zu. Redewendungen endlich wie: "trotzdem" hat sich der andere Gottesname öfter "behauptet" oder: "trotzdem" sind auch makkabäische
doi:10.1515/zatw.1898.18.1.99 fatcat:yrw52ada6jfvvl347fq3cz2nkq