Angst des Nichtwissens, Ohnmacht des Wissens

B Gurtner
2006 Swiss Medical Forum = Schweizerisches Medizin-Forum  
Diese Nächte, diese Angst und mein Grübeln über die Ärzte, ihre Unsicherheit, ihr Tappen im Dunkeln. Vielleicht müssen sie die Kranken belügen, nicht jeder erträgt die Wahrheit. Aber dann sollten sie sich zusammensetzen und sich darüber einigen, was sie sagen. So erfährt der Patient, der beobachtet und nachdenkt und Fragen stellt, bohrende Fragen, erfährt er nur ein Mischmasch von Andeutungen, halben Lügen und Widersprüchen, aus denen die Hilflosigkeit und oft auch die menschliche Unreife der
more » ... liche Unreife der Ärzte spricht. Und dann ist der Kranke verunsichert und versinkt in Angst. Angst, hab ich einmal gelesen, kommt aus Nichtwissen. Gewiß, Angst kann auch aus Wissen kommen. Aber wann und was ein Kranker wissen soll, das müßten die Ärzte sorgfältig bestimmen und verantworten können. Aber sie interessiert nur der Tumor, und das ist niederschmetternd. [...] Gott, wie herzerfrischend sie [Schwester Christine] lügt und wie treuherzig ich ihr zuhöre! Ich tu so, als fänge ich zaghaft zu glauben an. Und ein Teil von mir ist ja auch bereit dazu und tief dankbar, während mein Mißtrauen Wache hält.» (Wander M. Leben wär' eine prima Alternative. Tagebuchaufzeichnungen und Briefe. Hrsg. von Fred Wander. München: Deutscher Taschenbuch Verlag; 1999)
doi:10.4414/smf.2006.05757 fatcat:e2teshqoafdvxhipbg6nzywrhu