Automatismen im Tanz. Vom Agenten-Züchten

Martina Leeker, Mediarep, Philipps Universität Marburg, Hannelore Bublitz, Irina Kaldrack, Theo Röhle, Hartmut Winkler
2019
Auf den ersten Blick würde man nicht unbedingt auf die Idee kommen, Automatismen und die Entfesselung von Kreativität in einen direkten Zusammenhang zu bringen. Genau diese Verquickung aber unternimmt der zeitgenössische Tanz. Markantes Beispiel ist der Choreograf Wayne McGregor 1 . Er kreiert mithilfe unbewusster, automatischer Arbeitsweisen sowie unterstützt von Choreografieprogrammen und einem automatischen Choreografieassistenten ungewöhnliche und neuartige Tanzstücke. In seinem jüngsten
more » ... jekt Dance and Cognition 2 Dieses Projekt legt nahe, dass Tanz, Automatismen, Automaten sowie die Erkundung künstlicher, automatischer Intelligenz zu der sie begründenden Kognitionswissenschaft eine große Affinität haben. Woher kommt sie und was sagt das gemeinsame Interesse an Automatismen über diese, über Tanz sowie über Kognitionswissenschaft aus? Fünf Thesen werden zu diesen Fragen ausgeführt. Die Konzeption von Tanz und Kognitionswissenschaft in Dance and Cognition beruht (1) auf einer Modifizierung der Automatentheorie symbolverarbeitender Systeme (Newell und Simon) durch das Modell einer über unterschiedliche Agenten und Umwelt verteilten Kognition (David Kirsh). versucht McGregor nun zum einen, mithilfe der Kognitionswissenschaften die neuronalen, da sie unbewusst geschehen, automatischen Vorgänge beim Tanzen und Choreografieren zu verstehen. Ziel ist es, sie noch präziser einzusetzen. Zum anderen soll ein automatischer Choreografieassistent ihn mit eigentätigen, in diesem Sinne intelligenten Vorschlägen beim Erfinden neuer Bewegungsweisen unterstützen. Er soll dazu Inspirationen zum Lösen von Aufgabenstellungen bereitstellen, indem er z. B. deren Übersetzungen in Architekturen, Bilder, Grafiken oder Texte anzeigt.
doi:10.25969/mediarep/3904 fatcat:hlold5pkd5dydoiozkjzyvmtfy