Städtische Geräuschlandschaften : eine Annäherung an die Stadt mit dem tönenden Fragebogen

Hanna Meier
1994
Lärmbekämpfung und Sound-Condkioning-Firmen ein. Dem guten Ton lauscht man in Tonhallen und vielleicht bald im Geräuschmuseum. DIE BESCHÄFTIGUNG MIT DEN UNERWÜNSCHTEN TONEN Die lauten nerven... Das Amt für Lärmbekämpfung ist heute in jeder grösseren Schweizer Stadt zu finden. Wie der zweite Teil des Begriffs Lärmbekämpfung deutlich macht, geht es darum, dem unerwünschten Schall den Garaus zu machen oder, realistischer, ihn zu besänftigen und einzudämmen. Städtische Lärmbekämpfung findet
more » ... eckend statt, in Innenräumen am Arbeitsplatz, im Bürosektor so gut wie in der Industrie, in Wohnräumen und im öffentlichen Raum. Gesetzliche Grundlage in der Schweiz ist die 1987 in Kraft getretene Lärmschutzverordung. Die Katastrierung des Raumes in tolerierbare Planungswert-, Immissionsgrenzwert-und Alarmwertzonen' bildet eine Voraussetzung dafür, die angestrebten Normen durchzusetzen. Der Zweig Lärmbekämpfung darf als konsensuale Massnahme im Umweltbereich angesehen werden, in Städten hat er sich in Form von selbständigen «Ämtern für Lärmbekämpfung» und sechsstelligen Budgetposten institutionalisiert. Die zur Anwendung gelangenden Massnahmen beziehen sich auf lärmerzeugende Objektetechnische Geräuschreduktionund auf Lärmimmissionen. Im letzteren Fall wird vor allem mit der Tatsache gearbeitet, dass sich Schall wie ein Mittelding zwischen Röntgen-und Lichtstrahlen benimmt. Eine Mauer blendet die vom Verkehr herrührenden Geräusche zwar nicht völlig aus, kann sie jedoch mindern und in den Bereich des Planungswertes zwingen. Für diejenigen Wohnungen in der Stadt Zürich, die entlang des 220 Kilometer langen städtischen Strassennetzes mit Dezibelwerten über der Immissionsgrenzeoder sogar über dem Alarmwert (dies gilt für dreissig der 220 Kilometer)liegen, ist deshalb der Einbau von Schallschutzfenstern angeordnet. Das Fangspiel zwischen Lärm und Massnahmen besteht also darin, dass letztere in Form von Wänden, Mauern oder Fenstern den zu lauten Schall einfangen sollen. Angestrebtes «Spielende» ist das Jahr 2002, doch künden sich bereits finanziell begründete Verzögerungen an. Wie geht es weiter, wo kommen wir hin auf dem Weg, der dem Lärm den Kampf ansagt? Auf einen Spielabbruch könnten die leeren Staatskassen hindeuten, andernfalls wird sich das Fangspiel zu einem endlosen Wettlauf zwischen Hase und Igel entwickeln. Auf die Folgen wird am Schlussim Zusammenhang mit dem Neatprojektzurückzukommen sein. Festgehalten werden kann, dass die Lärmbekämpfung reaktiv auf die bestehende Ordnung der Geräuschumwelt eingeht.
doi:10.5169/seals-4276 fatcat:lk2vgik7nfhafd76oe7od3y2x4