Ueber Versuche, eine lokale Resistenz der Haut gegen Tuberkuloseinfektion zu erzeugen

O. Stiner, S. Abelin
1913 Deutsche Medizinische Wochenschrift  
Die lokale Immunität läßt sich nach den neueren Tintersuchungen meist durch eine Umstimmung der Gewebe in dem Sinne erklären, daß die Zellen durch spezifische Vorbehandlung so beeinflußt sind, daß sie bei einer am Orte dieser Vorbehandlung erfolgenden Infektion Antikörper in erhöhter Menge und in kürzester Zeit liefern können. Anderseits wird für Fälle, wo eine Bildung von spezifischen Antikörpern nicht nachgewiesen werden kann, eine [Jmstiminung der Zellen im Sinne einer erhöhten Reizwirkung
more » ... öhten Reizwirkung und eine Vermehrung der Phagozytose angenommen. Eine Unterstützung der Phagozytose durch Antikörperwirkung ist möglich und wahrscheinlich, wenn man annimmt, daß die Zellen der immunen Gewebe eine erhöhte DEUTSCHE MEDIZINISCHE WOOKENSUBRIFT. 2461 spezifische Reaktionsfähigkeit besitzen, die sie instanc'setzt, Antikörper bei einer Infektion s o f o r t zu erzeugen. V. Wassermann und Citron, Römer und y. Dungern haben nachgewiesen, daß sich die Antikörper da konzentrieren können, wo die künstliche oder natürliche Infektion erfolgt ist. Bei intraperitonealer Injektion von Antigenen ist z. B. das Peritoneum schon zu einer Zeit reich mit spezifischen Antikörpern versehen, in der diese im Blute noch spärlich vertreten sind. Die lokale Immunität, die durch diese Antikörperansammlungen vorübergehend oder dauernd erzeugt wird, ist stets spezifisch. Anders verhält es sich mit der natürlich oder künstlich erzeugten Resistenz gewisser Gewebe. Diese ist nicht spezifisch, sondern beruht meist nur auf Erzeugung einer Hyperleukozytose bzw. einer vermehrten Phagozytenwirkung. Systematische experimentelle Studien über diesen Gegenstand, speziell über die intraperitoneale Infektion des Meerschweinchens mit Cholera und Typl cis, wurden namentlich von Issaeff gemacht. Verschiedene Autoren versuchten nun, die Erfahrungen über lokale Immunität und lokale Resistenz praktisch nutzbar zu machen. So wurde namentlich die Frage der lokalen Immunisierung bzw. Resistenzsteigerung der H au t studiert und für die Behandlung gewisser bakterieller HautalEfektionen praktische Vorschläge gemacht. Am bekanntesten sind in dieser Richtung die Versuche von Wassermann über Behandlung der Furunkulosen mit Staphylokokkenextrakt in Salbenform. Die unverletzte Haut besitzt eine relativ hohe Resistenz gegen Infektionen verschiedener Art. Diese Resistenz der Haut ist zum Teil zu erklären durch ihre zahlreichen Schutzapparate, zum Teil ist sie wohl aber auch erworben durch Infektionen aller Art, bei denen vielleicht auch immunisatorische Vorgänge eine Rolle spielen. Gegen die Infektion mit Tuberkulose besitzt die Haut eine relativ hohe Resistenz, wie zahlreiche Autoren nachgewiesen haben. In jüngster Zeit hat Königsfeld eingehende Untersuchungen angestellt über die Infektion des Meerschweinchens durch Einreibung von Tuberkelbazillen in die unverletzte Bauchhaut. Er hat dabei auch für das gegen die Tuberkuloseinfektion so empfindliche Meerschweinchen eine relative Resistenz der Haut gegen Tuberkulose konstatieren können. Die Dosen von Tuberkelbazillen, die nötig waren, um ein Meerschweinchen durch Einreibung auf die Haut krank zu machen, erwiesen sich als ganz bedeutend höher als für die gewöhnlichen Arten der künstlichen Infektion. Diese Versuche sind u. a. auch von Tomarkin und Peschitz an unserem Institute nachgeprüft worden, mit ähnlichen Resultaten. Gestützt auf diese Untersuchungen, prüften wir, auf Anregungvon Herrn Prof. Kolle, die Frage, ob es möglich ist, die lokale Resistenz der Haut des Meerschweinchens durch Behandlung mit Tuberkulin derart zu steigern, daß eine spätere Infektion des Tieres durch Einreiben von Tuberkelbazillen auf die vorbehandelte Hautstelle unterbleibt bzw. anders verläuft als bei nichtvorbehandelter Haut. Wir verwendeten zu unseren Versuchen hochkonzentrierte Salben aus Tu berkuhn Koch, wie sie bei der Moroschen Kutanreaktion gebraucht werden. Zur Erhöhung der Haltbarkeit der Salbe wurde ihr 1 % Thymol zugesetzt. Tuberkulin (boy. bzw. hum.) 50,0 25,0 Thymoli 1,0 1,0 Lanolin, ad 100,0 ad 100,0 Diese Salben wurden gesunden Meerschweinchen von etwa 300 g Gewicht an zehn aufeinanderfolgenden Tagen in Dosen von je 0,5 g auf die rasierte oder epilierte Bauchhaut sorgfältig eingerieben. Die Aufsaugung durch die Haut erfolgte sehr rasch und vollständig, sodaß schon einige Minuten nach der Einreibung die behandelte Stelle wieder vollständig trocken war. Die Salben wurden trotz der verhältnismäßig hohen Tuberkulindosen gut vertragen, ohne nachweisbare Störung des Ailgemeinbefindens. Unsere Versuche wurden an etwa 70 Tieren, einschließlich der Kontroiltiere, angestellt. Tuberku löse Tiere, denen Salbe eingerieben wurde, um zu prüfen, wie die Einreibungen wirken, verhielten sich wesentlich Dieses Dokument wurde zum persönlichen Gebrauch heruntergeladen. Vervielfältigung nur mit Zustimmung des Verlages.
doi:10.1055/s-0028-1128974 fatcat:25g2o5gqh5dshb5zjditufezwy