Kann tatsächlich jeder Mensch zum Mörder werden?

Uwe Füllgrabe, Leibniz Institut Für Psychologische Information Und Dokumentation (ZPID), Leibniz Institut Für Psychologische Information Und Dokumentation (ZPID)
2019
Aggressive Gedanken können gelegentlich bei Menschen auftauchen, werden aber zumeist nicht umgesetzt. Aggressives Verhalten entsteht nämlich aus dem Zusammenspiel von aggressionsfördernden und aggressionshemmenden Faktoren. Und manche Menschen haben keine aggressive Gedanken in ihrem Verhaltensrepertoire. Am Beispiel des Gehorsamsexperiments von Milgram und dem Gruppendruckexperiment von Asch wird aufgezeigt, wie individuell das Verhalten von Menschen ist. Selbst Problemgruppen neigen nicht
more » ... en neigen nicht unbedingt zu Gewalt und Mord: Es wird gezeigt, dass Betrunkene und Rauschgiftsüchtige kontrollierter handeln können, als man es glaubt. Schizophrene folgen zumeist nicht Befehlshalluzinationen, die ihnen einen Mord befehlen. Manche Serienmördern leben sogar ihre Machtmotivation im "Caligula-Effekt" aus, d. h. sie entscheiden über Leben und Tod eines Menschen und überfallen ihn nicht. Individuelle Unterschiede im Aggressionsverhalten werden u. A. von dem jeweiligen Bindungsstil erzeugt. Deshalb ist es notwendig, durch eine freundliche Erziehung eine aggressionsfreie Gedankenstruktur aufzubauen.
doi:10.23668/psycharchives.2646 fatcat:eon4jyzvafdsxiu34hjsao44tu