Dekonstruktion: Konstruktive Zerstörung und Demystifikation [chapter]

Diskurs  
Trotz aller Unterschiede ergeben sich gewisse Parallelen poststrukturalistischer Positionen in der Dekonstruktion ontologischer Seinsannahmen. Gegenstand des Dekonstruktivismus ist die Auseinandersetzung mit Kategorien und Begriffen, aus denen Vorstellungen vom unwandelbaren Wesen der Menschen hervorgehen, die affirmativ als ›Natur des Menschen‹ ausgegeben werden. Eine der wichtigsten Lektionen des Dekonstruktivismus besteht in der Einsicht, dass ›Natur‹ immer schon als kulturell konstruierte
more » ... rell konstruierte Bedeutung besteht, ebenso wie soziale Wirklichkeit immer schon sprachlich ›gemacht‹ und erschlossen wird. Daher lässt sich zwischen sprachlich-rhetorischer und natürlicher Wirklichkeit keine klare Grenzen ziehen. In dem Versuch, die Referenz des Zeichens und das Bezeichnete zu trennen, sitzt Erkenntnis einer Täuschung auf. Was dekonstruktivistisch überwunden wird, ist die falsche Hoffnung auf eine Unmittelbarkeit und Transparenz der Dinge, die ihr Wesen augenscheinlich offenbaren. Dem fällt auch der Glaube zum Opfer, dass man, durch eine scheinbar undurchdringliche Oberfläche hindurchsehend, die Tiefenstruktur der Dinge enthüllen kann. Ein zentraler Aspekt des Dekonstruktivismus ist daher die Infragestellung der den Zeichen und der Sprache vorgängigen Substanz und Materie. Es ist die Unterwanderung dieser und anderer Mystifikationen, mit denen sich der Dekonstruktivismus vorzugsweise beschäftigt. Infragestellung und Verlust epistemologischer Gewissheiten Mit Dekonstruktion ist bezeichnet, was man im Rahmen einer kritischen Theorie ›Hinterfragen‹ nennen könnte, indem Ordnungen und Werte, auf ihre Herkunft befragt, ihrer Veränderbarkeit zugeführt werden, mithin ihr naturwüchsiges Bestehen durch die Aufforderung, sich ihrer Historizität zu erinnern, erschüttert wird. Dekonstruktion meint also »ein Niederreißen des 35
doi:10.14361/9783839401286-003 fatcat:c2s4rqayrjfrpkiloecbz7oje4