Ueber die Anwendung rhythmischer Herzkompression beim Wegbleiben der Kinder und ähnlichen Zuständen

A. Japha
1910 Deutsche Medizinische Wochenschrift  
in seinem Lehrbuch der allgemeinen Chirurgie die rhythmische Kompression der Herzgegend empfohlen, im Jahre 1892 brachte eine Mitteilung aus der Königschen Klinik von Maass das Verfahren erneut in etwas modifizierter Form in Erinnerung. Der Daumenballen der rechten Hand wird zwischen Sternalrand und Spitzenstoßgegend aufgesetzt und nun durch ihythmische Stöße auf den Brustkorb, etwa in der Anzahl von 120 und mehr in der Minute, die Herzgegend tief eingedrückt. Diese schnellere Ausführung
more » ... sich nach M a a s s als erfolgreicher. War es bisher nie gelungen, Menschen, die über eine halbe Stunde puislos waren, wieder ins Leben zurückzurufen, so ben chtet M a a s s über zwei FJle, wo noch nach längerer Zeit ein Erfolg erzielt wurde. Es handelte sich um zwei Knaben, die in der Narkose asphyktisch wurden und die man schließlich für verloren hätte halten können. Die Herzstöße erzielten immer wieder Verengerung der Pupillen und Besserung der totenblassen Gesichtsfarbe, nach Aussetzen folgten wenige spontane Atemzüge, während der Puls unfühlbar blieb, bis nach eineinhalb Stunden dauernden Bemühungen der Karotidenpuls fühlbar wurde und dann regelmäßiger Herzschlag einsetzte. Die Erholung erforderte in beiden Fällen Tage, in beiden Fällen waren tagelang Störungen des Bewußtseins, der Schluckbewegungen, der Sprache vorhanden. Wie weit sich das Verfahren Eingang in die allgemeine Praxis verschafft hat, vermag ich nicht zu sagen, jedenfalls wird es nicht in allen einschlägigen Werken erwähnt, doch lobt Mikulicz in seinem Aufsatz über Narkose in der "Deutschen Klinik" und Olshausen in seiner Abschiedsvorlesung, entsprechend einem früheren Bericht seines damaligen Assistenten Winter, die Herzstöße als segenbringend. Ein eingreifenderes Verfahren wurde neuerdings angewandt. T u f fie r und H alliez haben im Jahre 1898 bei einem Mann im Kollaps vier Tage nach der Operation einer Perityphlitis das Herz freigelegt und durch direkte rhythmische Kompression desselben mit der Hand zuwege gebracht, daß es sich wieder kontrahierte; allerdings trat nach zwei bis drei Minuten vollkommener Stillstand ein; die Obduktion ergab eine Lungenembolie. Bei Hunden war Battelli erfolgreicher, 10-15 Minuten nach E{erzstillstand konnte eine derartige Operation das Herz noch für 22 Stunden zur Kontraktion bringen. Daß es nicht dauernd möglich war, lag nach seiner Meinung an der Verletzung der Pleura. Der große Eingriff ist von anderer Seite beim Menschen wiederholt worden, aber niemals mit dauerndem Erfolg. Daß man aber eine weitgehende Einwirkung auf das Herz mit den einfachen Herzstößen erhielt, kann ich mit Bestimmtheit versichern. Bei einer ohne Puls und Atmung ins Krankenhaus eingelieferten Frau wurde von mir durch Herzmassage wieder Puls erzielt, der allerdings dann aufhörte. Da ein falsches Gebiß aus dem Rachen hervorgeholt werden mußte, dachte man im Anfang an Erstickung, wirklich fand sich bei der Autopsie ein ausgedehnter Bluterguß im Gehirn. Die Wirkung der Herzstöße kann man sich kaum als mechanische Beeinflussung der Zirkulation, sondern vielmehr nur als reflektorisch bedingt vorstellen. Klar ist es, daß der weiche Thorax der Kinder eine bessere Wirkung ermöglicht als der starre Brustkorb der Erwachsenen. Tatsächlich sind die Erfolge der Herzstöße bei verschiedenen Zufällen in der Kinderpraxis sehr gut. Sehr in die Augen fallende Resultate wurden erreicht bei zwei jungen Säuglingen, von denen der eine mit einer Temperatur von 42,4, der andere mit einer solchen von 43,3 (von mir selbst gemessen) in die Poliklinik gebracht wurde. Das erstere, zwölf Tage alte, nur an der Brust ernährte Kind war am Tage vorher unter Hitze und Durchfall erkrankt. Es bestand Ikterus und Pemphigus neonatorum. Das Kind war dunkelblau, mit Schaum vor dem Mund und bewußtios. In der Minute wurden 80 Atemzüge festgestellt, der Puls war noch fühlbar. Unter Herzstößen besserte sich das Aussehen zusehends, es folgten eine Kampferinjektion und kalte Uebergießungen im warmen Bade. Natürlich kommt vieles von dem endgültigen Erfolg auf das Konto dieser beiden Eingriffe. Das Kind konnte bald sehr gebessert nach Haus geschickt werden, wurde mit Tee und etwas abgezogener Brust genährt. Am nächsten Tag nur 38,2, am überniichsten 37,5. Es handelt sich ersichtlich um Ueberhitzung an einem sehr heißen Sommertage (Hitzschlag). Weitere Entwicklung bis ins zweite Lebensjahr vortrefflich. Das andere Kind kam einen
doi:10.1055/s-0028-1143234 fatcat:5tp5ynotsndixmproyllvluxny