Aktuelles zum Zwiegespräch Quartärgeologie—Urgeschichte

Gerd Lüttig
2019
Mit 1 Abbildung 1. In der Wissenschaftsgeschichte lassen sich die Wege, die Quartärgeologie und Urgeschichte gegangen sind, als zwei Pfade erkennen, die eng neben einander herlaufen. Der genaue Betrachter sieht aber, daß die Abstände zwischen den beiden Pfaden teils näher, teils weiter sind und daß damit die Spuren einer Art von Wellenlinien gleichkommen, deren Maxima und Minima zeitweilig zugewandt, während bestimmter Strecken weiter vonein ander entfernt liegen. Es gibt Stellen, an denen
more » ... llen, an denen diese Spuren einander über decken und als breites einheitliches Band dahineilen, zuweilen stehen aber dichte Gestrüpp-Gruppen in dem Urwald unseres Nichtwissens, durch den die Pfade des sogenannten Fortschritts beider Wissenszweige auf größere Distanz getrennt getreten und gefahren sind. Obwohl in der Gegenwart das Dahineilen auf diesen Bahnen sehr rasch zu sein scheint und durch die vielfältigen Mittel der modernen Kommunika tionstechnik, wie es heißt, ein reger Verkehr zwischen diesen Straßen ge schaffen sein soll, sei es durch die Vielzahl nationaler und internationaler wissenschaftlicher Gremien, sei es durch die verbesserte Möglichkeit des einzelnen zur Information über die Nachbargebiete, sieht es in der Praxis, 1 1 Das nachfolgend abgedruckte Manuskript ist ein Vortrag, der in unveränderter Form, also nicht dem Schriftdeutschen angepaßt, gedruckt worden ist. Das vor getragene Anliegen lebt von dem Timbre des Vortrags. Der Leser sollte sich vorstellen, daß er mit dem Autor im Gespräch steht und dessen eingedenk sein, daß ein gesprochenes Wort weitaus weniger hart wirkt als ein geschriebenes. Er sollte ferner in Rechnung setzen, daß das Anliegen im Dienste der Urge schichte ausgesprochen ist. Der Verfasser knüpft an dieses Versprechen die Hoffnung, daß den Vertretern der Urgeschichte, die letztlich mit dem Anthropos zu tun haben, nichts Menschliches fern ist, also auch nicht der zuweilen mit vorwurfsvoller Äußerung gepaarte Wunsch eines Geologen auf Vertiefung der Zusammenarbeit zwischen beiden Wissenszweigen.
doi:10.11588/nnu.1970.0.59951 fatcat:2rhru65isvgshg2sxt6yleyixu