Abstracts des gemeinsamen Jahreskongresses der DGGG und DGG

2018 Zeitschrift für Gerontologie und Geriatrie (Print)  
Ziel der Arbeit: Ziel der vorliegenden Studie war zu untersuchen, ob das Alter eines Patienten mit psychischen Symptomen die Einstellung von jungen Psychotherapeuten gegenüber einer Behandlung beeinflusst. Material und Methoden: Eine Stichprobe von Psychotherapeuten in fortgeschrittener Therapieausbildung (n = 114) beantwortete Fragen bezüglich einer naturalistischen Fallvignette, in welcher es um einen Patienten mit Depression und Todeswünschen ging. Im Rahmen eines experimentellen Designs
more » ... e der Patient entweder als 86 Jahre (Bedingung "alter Patient") oder als 52 Jahre (Bedingung "mittelalter Patient") beschrieben. Ergebnisse: Die Studienteilnehmer schätzten die Symptome des Patienten in beiden Bedingungen als gleichermaßen krankheitswertig ein. Allerdings erzeugte die Bedingung "alter Patient" bei den Studienteilnehmern vergleichsweise mehr negative Gefühle, eine geringere Behandlungsbereitschaft, weniger Kompetenzerleben und eine geringere Therapieerfolgserwartung. Schlussfolgerung: Negative Altersbilder sowie eine defizitäre gerontopsychologische Ausbildung sind potenziell problematische Faktoren im psychotherapeutischen Geschehen. Es besteht dringender Bedarf, gerontopsychologische Inhalte in die psychotherapeutische Ausbildung zu integrieren. Hintergrund/Ziel der Arbeit: Forschungsarbeiten zum Konzept der psychologischen Altersbilder nutzen in überwiegender Zahl fragebogenbasierte Erhebungsinstrumente. Diese zielen auf eine Beurteilung von Aussagen oder Adjektiven hinsichtlich des Alterns, Altseins oder älterer Menschen, bezogen auf die eigene Person oder ältere Personen, i. Allg. ab. In diesem Beitrag soll auf Basis einer Systematisierung beurteilt werden, ob das derzeitige Methodenspektrum dem Konzept der psychologischen Altersbilder hinreichend gerecht wird. Auf der Analyse aufbauend werden methodische Alternativen, Erweiterungen und Ergänzungen diskutiert. Material und Methoden: Auf Basis einer systematischen Recherche von Instrumenten zur Erfassung von psychologischen Altersbildern wurden n = 42 Messinstrumente eingeschlossen und in 8 Dimensionen kategorisiert. Ergebnisse: Im Schwerpunkt werden psychologische Altersbilder explizit quantitativ erfasst und als überdauernde ("trait"), reflektive Kognitionen (Wissen, Einstellungen oder Werturteile) begriffen. Damit ist die implizite und affektive Seite von Altersbildern weniger repräsentiert. Selten nur werden zeitliche Referenzen hergestellt. Auch berücksichtigen die klassischen Instrumente die multidimensionale, multidirektionale und bereichsspezifische Natur von Altersbildern weniger als neuere Entwicklungen. Ferner werden Aspekte diskutiert, die wir zu folgenden drei Kernbereichen zusammenfassen konnten: (1) Ambiguität aufgrund ungenauer Formulierungen der Items, (2) Übertragbarkeit und Validität bei der Anwendung in unterschiedlichen Altersgruppen, (3) Transportieren von Altersstereotypen durch die Messungen selbst. Unser ganzes Leben begleiten uns Vor-und Darstellungen darüber, wie das Alter(n) ist, wie es sein könnte und sein sollte. Individuelle Altersbilder beeinflussen dabei nachweislich unser Erleben und Verhalten, etwa die Wahrnehmung unseres eigenen Alterns, Gesundheitshandeln und Interaktionen mit älteren Menschen. In diesem Symposium präsentieren wir neue Studien aus dem Kreis des wissenschaftlichen DFG-Netzwerkes "Altersbilder: Über ein dynamisches Lebensspannen-Modell zu neuen Perspektiven für Forschung und Praxis". Hintergrund: Das subjektive Alternserleben, das heißt, die Wahrnehmung und Beurteilung des eigenen Alternsprozesses, ist längsschnittlich mit wohlbefindensbezogenen Entwicklungs-Outcomes verbunden. Neuere Studien deuten darauf hin, dass dieser Effekt von Personenmerkmalen, wie Selbstregulationsstrategien oder Optimismus, abhängt. In der vorliegenden Studie wurde die moderierende Rolle von zwei Informationsverarbeitungsstrategien, nämlich Achtsamkeit und negatives repetitives Denken, für den Effekt des subjektiven Alternserlebens auf depressive Symptome untersucht. Achtsamkeit beinhaltet eine offene und akzeptierende Haltung gegenüber Reizen. Negatives repetitives Denken ist durch einen rekursiven und unflexiblen Denkstil mit einer chronischen kognitiven Repräsentation von Stressoren geprägt. Es wurde angenommen, dass der schädliche Effekt eines negativen subjektiven Alternserlebens auf depressive Symptome durch Achtsamkeit abgemildert, durch negatives repetitives Denken hingegen verschärft wird. Material und Methoden: Die Stichprobe setzt sich aus Personen des mittleren und höheren Erwachsenenalters zusammen. Die Analysen stützen sich auf zwei Messzeitpunkte mit einem Abstand von 4,5 Jahren (2012: n = 423 (40 bis 98 Jahre); 2017: n = 299 (44 bis 92 Jahre). Das subjektive Alternserleben wurde als Gewahrwerden alternsbezogener Gewinne und Verluste (sog. AARC) operationalisiert. Die Daten wurden mittels eines latenten Veränderungsmodells basierend auf einem Strukturgleichungsansatz ausgewertet. Ergebnisse: Achtsamkeit milderte den schädlichen Effekt wahrgenommener Verluste auf depressive Symptome ab. Umgekehrt verschärfte negatives repetitives Denken den schädlichen Effekt wahrgenommener Verluste bzw. wenig ausgeprägter wahrgenommener Gewinne auf depressive Symptome. Das Wechselspiel zwischen Achtsamkeit und wahrgenommenen Gewinnen erwies sich zwar als statistisch nichtsignifikant, jedoch entsprachen auch hier die Zusammenhangsmuster den theoretischen Vorüberlegungen. Die gefundenen Effekte waren im mittleren und höheren Erwachsenenalter vergleichbar. Schlussfolgerung: Das subjektive Alternserleben ist kein isoliertes Phänomen, sondern der Zusammenhang zwischen dem subjektiven Alternserleben und depressiven Symptomen wird durch den kognitiven Umgang mit dem Alternserleben geprägt. Schlussfolgerung: Die Befunde stellen die Forschungen zu Entwicklung und Mechanismen von Altersbildern über die Lebensspanne vor Herausforderungen. Mit Methoden, die bislang nicht unter dem Label der Altersbilder angewendet werden (wie experimentelles "priming" oder "Virtual-reality"-Simulationen) und qualitative Ansätze (wie Interviews oder sprachfreie, kreative Verfahren) könnten sich sinnvolle Erweiterungen der psychologischen Altersbilderforschung anbieten. Hintergrund/Ziel der Arbeit: Positivere Altersbilder sind eine bedeutsame Ressource für Gesundheitsverhalten im Alter. Forschungsbefunde zeigen zudem, dass Krankheitswahrnehmungen, wie die subjektive Belastung durch eine Erkrankung oder die wahrgenommene Kontrollierbarkeit einer Erkrankung, die Genesung und den Umgang mit dieser Krankheit beeinflussen. In Deutschland stellen derzeit Herz-Kreislauf-Erkrankungen die häufigste Todesursache für Männer und Frauen dar. Der Mangel an sportlicher Aktivität ist ein Risikofaktor von Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Im Beitrag wird daher der Frage nachgegangen, inwiefern die Dimensionen der Krankheitswahrnehmungen mit positiveren und negativeren Altersbildern bei älteren Erwachsenen mit einer Herz-Kreislauf-Erkrankung assoziiert sind und welche Rolle diese für die Ausübung von sportlicher Aktivität in dieser Patientengruppe spielt. Material und Methoden: Ältere Erwachsene (n = 60) mit einer koronaren Herzerkrankung beantworteten einen mehrdimensionalen Fragebogen zur Krankheitswahrnehmung (Illness Perception Questionnaire; Broadbent et al. 2006), eine mehrdimensionale Skala zur Messung von gewinnund verlustorientierten Altersbildern (Steverink et al. 2001; Wurm et al. 2007) sowie Fragen zur sportlichen Aktivität. Ergebnisse: Die Ergebnisse zeigen, dass einige, aber nicht alle Dimensionen der Krankheitswahrnehmung mit Altersbildern assoziiert sind. Ältere Menschen, die ihre Herz-Kreislauf-Erkrankung als größere Beeinträchtigung wahrnehmen und eine stärkere emotionale Belastung aufgrund der Erkrankung angeben, berichten gleichzeitig auch negativere Altersbilder. Wird eine Herz-Kreislauf-Erkrankung hingegen als kontrollierbar erlebt, ist dies mit positiveren Altersbildern assoziiert. Für die Ausübung von sportlicher Aktivität sind für Herz-Kreislauf-Patienten insbesondere positivere Altersbilder und eine geringere affektive Belastung durch die koronare Herzerkrankung förderlich. Schlussfolgerung: Die Thematisierung von Altersbildern und Krankheitswahrnehmung ist ein vielversprechender Ansatzpunkt für Interventionen in der Bewegungsförderung für Patientinnen und Patienten mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Einschneidende Lebensereignisse beeinflussen die Entwicklung und tragen zur Strukturierung des Lebensverlaufs bei. Insbesondere schwerwiegende oder lebensbedrohliche Ereignisse, wie z. B. ein Herzinfarkt, können die Betroffenen an die Endlichkeit des Lebens erinnern und die Sicht auf das Zeitschrift für Gerontologie und Geriatrie · Suppl 1 · 2018 S6 Abstracts zur Entlastung der Sozialsysteme und der unterstützungsbedürftigen Personen bei. Zugleich würde individuelle Vorsorge für eine eigene Hilfebedürftigkeit betrieben; auch soziale Teilhabe würde so ermöglicht. Im Vortrag wird der empirischen Frage nachgegangen, inwiefern die im Diskurs vermittelten Anrufungen (Althusser 1977) Eingang finden in die Handlungspraxis Älterer, ggf. ausschlaggebend sind für die Engagementaufnahme. In Anlehnung an das heuristische Modell der interpretativen Subjektivierungsanalyse (Bosancic 2014, 2016) wurden problem-/themenzentriete Interviews mit Engagierten eines geförderten Bürgerhilfevereins in Bayern geführt, die Aufschluss geben über subjektive Engagementmotive und Engagementpraxen. Die bayerische Engagement(förder)politik wurde unter Rückgriff auf das von Neumann (2016) in ihrer Studie herausgearbeitete engagementspezifische Produktivitätsdispositiv inhaltsanalytisch gescannt. In einem dritten Analyseschritt wurden die Selbstpositionierungen (Bosancic 2016) engagierter Älterer rekonstruiert, die Rückschlüsse auf die Aneignungsweisen der Anrufungen zulassen -dieser Aspekt steht im Mittelpunkt des Vortrags. Hintergrund/Ziel der Arbeit: Hausärzten kommt bei der Erkennung und Betreuung von Demenzpatienten enorme Bedeutung zu. Doch immer wieder wird kritisiert, dass die hausärztliche Demenzversorgung nicht effektiv genug sei, weil z. B. etablierte Testverfahren nicht konsequent genug eingesetzt würden. Verschiedene Studien geben Hinweise darauf, dass unter Allgemeinmedizinern Vorbehalte gegenüber der bestehenden Demenzdiagnostik und konsekutiven Behandlungsmöglichkeiten existieren. Welche Ursachen diese skeptisch-distanzierte Haltung hat, wurde bislang jedoch nicht umfassend erforscht. Der vorliegende Beitrag präsentiert Ergebnisse einer empirischen Studie, die die hausärztliche Kritik und verbreitete Handlungsmuster in Bezug auf die Demenzdiagnostik beleuchtet sowie Ansatzpunkte für eine hausarztkonforme Optimierung ableitet. Material und Methoden: Die Studie basiert auf 35 qualitativen Einzelinterviews mit Hausärzten in Rheinland-Pfalz, die zwischen Februar und Mai 2017 mündlich-persönlich geführt wurden (Dauer: 35-90 min). Im Zuge eines qualitativen Gruppierungsprozesses sollen verschiedene hausärztliche Positionen und Verhaltensmuster bei der Erkennung und Versorgung von Demenzpatienten erfasst werden. Ergebnisse: Bei einem erheblichen Teil des Samples überwiegen Skepsis und Zurückhaltung in Bezug auf die Demenzdiagnostik. Aus dem Datenmaterial ließen sich sechs Cluster extrahieren, die als ursächliche Faktoren für die hausärztliche Distanz gesehen werden können: 1) frühzeitiges Delegieren aufgrund des Rollenverständnisses, 2) resignative Haltung beim Krankheitsbild Demenz, 3) differenzialdiagnostische Abklärung als Hürde, 4) mangelnde Honorierung, 5) Sorge vor Patientenstigmatisierung, 6) mangelnde Anwendungsnähe. Als Reaktion auf die kritische Grundhaltung lassen sich bei einer Gruppe von Hausärzten verschiedene Eigeninitiativen zur Optimierung der Demenzdiagnostik aufzeigen. Schlussfolgerung: Aus der Analyse der gebildeten Cluster gehen vier Ansatzpunkte hervor, auf deren Basis sich die hausarztbasierte Demenzversorgung weiter optimieren ließe. Im Einzelnen handelt es sich um 1) Selbstwirksamkeitsannahmen, 2) Differenzialdiagnostik und Behandlungspfade, 3) Arzt-Patient-Kommunikation sowie 4) Honorierung und Anreize. Hintergrund/Ziel der Arbeit: Erste Studien zeigen, dass computergestützte Bewegungsspiele ("Exergames") positive Effekte auf motorische, kognitive und psychologische Eigenschaften von älteren Menschen mit und ohne kognitiver Beeinträchtigung bzw. Demenz haben können. Unklar ist jedoch, welcher Trainingsumfang hierfür nötig ist. Ziel dieser Studie war es, Veränderungen in der motorisch-kognitiven Spielleistung über den Verlauf eines Exergame-basierten Trainingsprogramms bei Menschen mit Demenz zu untersuchen. Material und Methoden: An der Studie nahmen 56 ältere Menschen mit beginnender bis mittelgradiger Demenz teil (Alter = 82,7 ± 6,2 Jahre, Mini-Mental State Examination = 22,2 ± 2,8 Punkte). Die Teilnehmer besuchten ein 10-wöchiges, aufgabenspezifisches Trainingsprogramm (2-mal/Wo-People hold various roles across the life span. As people, however, social roles become limited. In the USA approximately 10% of older adults live with Alzheimer's disease or other dementias. While cognitive impairment (CI) among older adults is considered a key factor influencing disengagement from society, volunteer work helps older adults maintain social engagement by providing them with outlets and opportunities to strengthen existing social roles and to develop new ones. This study examined the volunteer patterns of older adults with CI and if formal volunteering influenced physical and psychological well-being and cognitive health among older adults with CI. Using panel survey data from the Health and Retirement study, this study included community-dwelling older adults age 65 years and older with CI (N = 472). The study data showed that 26% of older adults with CI participated in formal volunteer work at the 2006 baseline. The results from linear-mixed-effects modeling showed that the level of physical well-being was greater among older adults who volunteered and the level of psychological well-being was greater among those who consistently volunteered, compared to those who did not. Moreover, cognitive health slightly improved over time only among those who volunteered. Formal volunteering is a good non-pharmacological intervention for older adults with mild CI, as it optimizes cognitive health as well as perceived well-being. This study suggests the development of more volunteer opportunities that are inclusive and accessible for older adults with CI. Long-term care facilities should offer meaningful social activities as routine services for this vulnerable population. Hintergrund: In Deutschland lebten 2013 16,5 Mio. Menschen mit Migrationshintergrund, wovon schätzungsweise 9 % älter als 65 Jahre sind. Sie zeigen häufig schlechtere Gesundheits-Outcomes, aber aus verschiedenen Gründen werden Gesundheits-und Pflegeleistungen kaum genutzt. Für diese Population gibt es keine systematischen Angaben zur Anzahl Demenzerkrankter. Dies hat zur Folge, dass das Gesundheitssystem vor einer Herausforderung steht, dessen Dimension kaum einzuschätzen ist. Ziel der Arbeit: Die Darstellung der Prävalenz von Demenz bei Menschen mit Migrationshintergrund für Deutschland und die einzelnen Bundesländer. Material und Methode: Länderspezifische Daten zu Bevölkerung, Demenz erkrankten und altersspezifischen Prävalenzen wurden genutzt, um länderspezifische Prävalenzen für verschiedene Ethnien zu berechnen. Daraus wurde die Anzahl von Menschen mit Migrationshintergrund und Demenz in Deutschland geschätzt und wie diese sich auf die Bundesländer verteilen. Ergebnisse: Von 1,86 Mio. Menschen mit Migrationshintergrund in Deutschland, die 65 Jahre alt oder älter sind, sind schätzungsweise 96.500 Personen (5,2 %) an Demenz erkrankt. Der Großteil entfällt auf Menschen mit polnischem (13.960), italienischem (8920) und türkischem (8840) bzw. europäischem Hintergrund (84.490). Die vermutlich höchsten Erkrankungszahlen zeigen Nordrhein-Westfalen (26.000), Baden-Württemberg (18.080) und Bayern (16.710). Schlussfolgerung: Unsere Analysen zeigen die Anzahl an Demenz erkrankter Menschen mit Migrationshintergrund, separat für ausgewählte Herkunftsländer als auch die deutschen Bundesländer. Dies bildet eine erste Grundlage für eine länderspezifische Handlungssteuerung und die Planung kultursensibler Angebote zur Versorgungsverbesserung der an Demenz erkrankten Menschen mit Migrationshintergrund. Hintergrund: Bedingt durch demografische Veränderungen wird die Zahl der Menschen mit Demenz auch weiterhin ansteigen (DAlzG e. V. 2016). Hierdurch ergibt sich u. a. ein wachsender Bedarf an spezialisierter ambulanter pflegerischer Versorgung durch Pflegefachpersonen. Das Projekt "EhochB: Pflege und Gesundheit" setzt hieran an, ermittelte Bildungsbedarfe dieser Zielgruppe und entwickelte darauf aufbauend den wissenschaftlichen Zertifikatskurs "Versorgungsstrategien und psychosoziale Unterstützung für ein Leben mit Demenz zu Hause". Material und Methoden: Im Rahmen einer umfangreichen Bedarfserhebung wurden Pflegefachpersonen und Pflegedienstleitungen ambulanter Pflegedienste sowie Hausärzte/Hausärztinnen und Pflegestudierende standardisiert befragt. Darüber hinaus wurden Experteninterviews mit Vertretern/Vertreterinnen der drei zuerst genannten Gruppen sowie Angehörigen von Pflegebedürftigen und anderen relevanten Akteuren durchgeführt. Die Daten der quantitativen Studien wurden mittels SPSS, die qualitativen Daten wurden mittels Qualitativer Inhaltsanalyse, unterstützt durch MAXQDA, ausgewertet. Ergebnisse: Die befragten Pflegekräfte äußerten zu 61 % ein sehr großes bis großes Interesse an der Vertiefung von Wissen hinsichtlich der pflege-che à 10 min) an einem interaktiven, Exergame-basierten Balance-Trainingsgerät (Physiomat®), welches Gleichgewichtsaufgaben mit komplexen kognitiven Aufgaben etablierter neuropsychologischer Tests kombiniert (modifizierter Zahlen-Verbindungs-Test). Die motorisch-kognitive Spielleistung am Physiomat® wurde zu Beginn der Studie (T1), in den Trainingseinheiten 7 (TE7) und 14 (TE14) sowie am Ende der Studie nach 20 Trainingseinheiten (T2) anhand der Zeitdauern erfasst, die für das Lösen von jeweils unterschiedlich komplexen Physiomat®-Aufgaben (PA) benötigt wurden. Ergebnisse: Signifikante moderate bis sehr große Effekte sind für alle PA bereits nach der ersten Trainingsphase (T1-TE7) zu beobachten (p ≤ 0,001-0,003; Effektstärken: r = 0,38-0,52, Cohens d = 0,85-1,45). Für die meisten PA zeigen sich zwischen TE7 und TE14 sowie TE14 und T2 keine signifikanten Verbesserungen. Von TE7 zu T2 verbessert sich die Spielleistung in allen PA signifikant, mit moderaten bis großen Effektstärken (p ≤ 0,001-0,036; r = 0,34-0,39; Cohens d = 0,53-1,34). Schlussfolgerung: Bereits durch ein überraschend kurz andauerndes, aufgabenspezifisches Training können signifikante Verbesserungen in sehr komplexen motorisch-kognitiven Exergame-Aufgaben bei Menschen mit Demenz erreicht werden. Mit zunehmendem Leistungsniveau sind weitere Verbesserungen durch höhere Trainingsumfänge möglich. Background: The de Morton Mobility Index (DEMMI) is an established measure of older people's mobility that is promising for use in older patients with cognitive impairment. The aim of this study was to examine the DEMMI psychometric properties in older patients with dementia, delirium or other cognitive impairments. Material and methods: This cross-sectional study (trial registration: DRKS00005591) was performed in a geriatric hospital. We included older acute medical patients with cognitive impairment indicated by a Mini Mental State Examination (MMSE) score ≤24 points. A Rasch analysis was performed to check the DEMMI's unidimensionality, internal structure, internal consistency reliability and item bias. Construct validity was assessed by testing 13 hypotheses about expected correlations between the DEMMI and outcome measures of similar or related constructs, and about expected differences of DEMMI scores between groups differing in mobility-related characteristics. DEMMI administration times were recorded. Results: A sample of 153 patients with mild (MMSE 19-24 points; 63%) or moderate (MMSE: 10-18 points; 37%) cognitive impairment participated in this study (age range: 65-99 years; mean MMSE: 19 ± 4, range: 8-24 points; diagnosis of dementia and delirium 40% and 18%, respectively). Rasch analysis indicated unidimensionality with an overall fit to the model (P = 0.107). There were no disordered thresholds, indicating that the responses to the items are consistent with the metric estimate of the underlying construct of mobility. There was no differential item functioning by sex, age, hospital ward, depression or cognitive impairment, indicating no item bias by any of these factors. Internal consistency reliability was excellent (Cronbachs alpha = 0.92). Out of 13 hypotheses on construct validity 11 (85%) were confirmed. The DEMMI showed good feasibility, and no adverse events occurred. The mean administration time of 5min (range: 1-10min) was not influenced by the level of cognitive impairment. In contrast to some other comparator instruments, no floor or ceiling effects were evident for the DEMMI. Conclusion: Results indicate sufficient validity and unidimensionality of the DEMMI in older hospital patients with cognitive impairment. Zeitschrift für Gerontologie und Geriatrie · Suppl 1 · 2018 S11 0.9. FORTA lists from six countries/regions plus the German/Austrian FORTA list were collated into the EURO-FORTA list containing 264 items in 26 major indication groups. For nearly 4% of the proposed items the consensus results differed from the original/proposed FORTA class. This study created seven new country/region-specific FORTA lists as well as the EURO-FORTA list. The outcomes of this project are expected to increase the applicability of the FORTA list for international use. Das VTE-Rezidivrisiko ist nach ungetriggerten Primärereignissen, nach stattgehabtem Rezidiv und anderen klinischen Konstellationen erhöht. In diesem Fall ist grundsätzlich eine verlängerte Antikoagulationserhaltungstherapie zu erwägen. Andererseits ist das jährliche Blutungsrisiko unter dieser Behandlung konstant und bei hochbetagten und geriatrischen Patienten offensichtlich deutlich erhöht. Die Studienlage beschreibt in diesem "Real-life"-Setting die Unzuverlässigkeit sämtlicher bisher existierender Blutungsrisiko-Scores, auch derjenigen, die speziell auf eine VTE-Antikoagulationstherapie abgestellt sind. Eine durch plasmatische Gerinnungshemmung ausgelöste intrakranielle Blutung geht mit einer Letalität von 50 % und einer gravierenden Invalidität der Überlebenden einher. Auch eine Major-Blutung anderer Lokalisation ist für geriatrische Patienten in aller Regel ein gravierendes Ereignis mit potenzieller Folgemorbidität. Neben der Evaluation der individuell bestehenden Blutungsrisiken sollte daher die Überlegung treten, welches zu verhinderndes VTE-Ereignis es rechtfertigt, dieses Blutungsrisiko einzugehen, und wie wahrscheinlich es ist, dass dieses Ereignis in diesem individuellen Fall eintritt. Clostridium-difficile-Infektionen (CDI) stellen durch Antibiotika verursachte Enterokolitiden unterschiedlichen Schweregrades dar und treten bei geriatrischen Patienten in zunehmender Häufigkeit auf. Bestimmte Antibiotika weisen ein deutlich erhöhtes Risiko für CDI auf. Hierzu gehören 3.-Generation-und 4.-Generation-Cephalosporine und Chinolone. Ein entscheidender Schritt zur Reduktion von CDI besteht im rationalen und restriktiven Umgang mit diesen Substanzen. Von zentraler Bedeutung ist die im Beitrag gezeigte Verbrauchserfassung und -steuerung durch Antibiotic Stewardship (ABS). Auf diese Weise gelingt es, wie im Beitrag zur Darstellung kommend, einen Rückgang der Häufigkeit von CDI herbeizuführen. Auch kommt es zu einer Abnahme problematischer Ribotypen mit klinisch günstigeren Verläufen, was für geriatrische Patienten von großer Relevanz ist. risch-medizinischen Versorgung von Menschen mit Demenz. Ähnliche Präferenzen spiegelten sich auch in den Studien unter Pflegedienstleitungen und Pflegestudierenden wider. Die Mehrheit der befragten Hausärzte/ Hausärztinnen könnte sich zudem eine Zusammenarbeit mit spezifisch weitergebildeten Pflegefachpersonen vorstellen, bei der diese eigenständige Tätigkeiten im Rahmen der medizinisch-pflegerischen Betreuung von Menschen mit Demenz übernehmen. Aus den Experteninterviews lassen sich Hinweise zur inhaltlichen Schwerpunktsetzung des Bildungsangebotes ableiten. Der Zertifikatskurs wurde eng orientiert an diesen Ergebnissen entwickelt. Schlussfolgerung: Der hier vorgestellte wissenschaftliche Zertifikatskurs qualifiziert Pflegefachpersonen für erweiterte Aufgaben in der ambulanten Versorgung von Demenzbetroffenen. Er vermittelt bedarfsorientiertes und spezialisiertes Wissen zu Demenz und Beratung sowie zu Assessment und verstehender Diagnostik. Ein besonderer Schwerpunkt liegt auf familienorientierten Konzepten und Unterstützungs-und Versorgungsangeboten vor Ort. Protonenpumpenhemmer gehören zu den am meisten verschriebenen oder frei verkauften Medikamenten in Deutschland. In den letzten Jahren wurden immer mehr Erkenntnisse zu möglichen Folgeschäden einer unkritischen Verwendung bekannt. Daher obliegt es dem klinisch tätigen Arzt zu prüfen, wer für eine Behandlung infrage kommt. Neben einer Darstellung der aktuellen Literatur zu Behandlungsindikationen, erwünschten und möglichen unerwünschten Wirkungen wird eine Algorithmus dargestellt, wie die Entscheidung für oder gegen eine Behandlung erleichtert werden kann. Ziel ist die Durchführung einer rationalen Stressulkusprophylaxe in der Geriatrie. Zeitschrift für Gerontologie und Geriatrie · Suppl 1 · 2018 S12 Abstracts Phase werden zusätzlich eine Adhärenzprüfung und eine literatur-/datenbankgestützte Medikationsanalyse mit 18 Domänen durchgeführt, die in einer interdisziplinären Visite mit dem Stationsarzt diskutiert werden. Eine Beratung der Patienten wird angeboten. Zuletzt werden in einem Konsil im Entlassbrief die Entscheidungsgrundlage für Änderungen, persistierende Wechselwirkungen etc. dargestellt, damit der Hausarzt alle Informationen erhält und begründete Änderungen aus dem Krankenhaus eher übernimmt. Analysiert werden neben den primären Endpunkten -den Krankenhausaufenthalten und "days spent at home" innerhalb von sechs Monaten nach Entlassung -auch Unterschiede zwischen ärztlicher und pharmazeutischer Arzneimittelanamnese und die transsektorielle Übernahmerate der Medikationsempfehlungen durch den Hausarzt. Ergebnisse: In die seit 02/2018 laufende Kontrollphase sind bereits 28 Patienten eingeschlossen worden. Die Anamnesen zeigen in 10 Fällen klinisch relevante -definiert durch Bewertung des Arztes und notwendige Änderung der Medikation -, in drei Fällen fraglich relevante Fehler oder fehlende Informationen. Durchschnittlich haben die Patienten 16,8 Tage des ersten Monats zu Hause verbracht (n = 15, SD = 12,32), häufig bedingt durch Kurzzeitpflege oder Reha. Gleichzeitig hat es 4 erneute Krankenhauseinweisungen gegeben. In 6 von 17 Fällen sind die Empfehlungen des Krankenhauses vom Hausarzt nicht übernommen worden. Schlussfolgerung: Ziel von AGITATE ist es u. a., die Kommunikation zwischen stationären und ambulanten Institutionen zu verbessern. Die ersten Ergebnisse suggerieren, dass an den Schnittstellen bei der Arzneimitteltherapie ein großer Informationsverlust entsteht, der dem Patienten potenziell schaden könnte. Die erste Phase legt die Vergleichsgrundlage für die Implementierungsphase, in der eine intensive Beratung und Betreuung von Patienten und medizinischem Personal durch einen klinischen Apotheker erfolgt. Im Verlauf wird bewertet, ob dies zu einer Verbesserung der Endpunkte führt. Altersstereotype können sich negativ auf Arbeitskräfte auswirken. Sie können Teamprozesse behindern (Schloegel et al. 2016), zu geringerer Jobund Lebenszufriedenheit (Redman und Snape 2006), oder zum Wunsch der frühen Berentung (Gaillard und Desmette 2010) führen. Um wirksame gegensteuernde Maßnahmen zu ergreifen, ist es daher wichtig, Altersstereotype differenziert zu erfassen und Möglichkeiten zu identifizieren, sie zu beeinflussen und ihren unerwünschten Folgen zu begegnen. Mit dieser Zielsetzung wurden 380 Pflegekräfte eines deutschen Krankenhauses zu ihren Einschätzungen jüngerer und älterer Pflegekräfte sowie zu als bedeutsam vermuteten Einflussfaktoren und Wirkungen befragt. In Übereinstimmung mit der bisherigen Forschung wurden ältere Pflegekräfte als weniger leistungs-und anpassungsfähig und jüngere Pflegekräfte als weniger zuverlässig und warm gesehen. Jüngere und ältere Pflegekräften hielten die gleichen Altersstereotype, wenngleich sie für die eigene Altersgruppe geringer ausgeprägt waren. Neben dem Alter der Befragten waren die Kontaktqualität, die Wahrnehmung des Alterungsprozesses und die Stereotype gegenüber älteren Menschen i. Allg. Prädiktoren für Altersstereotype gegenüber älteren Pflegekräften. Bezogen auf Stereotype gegenüber jüngeren Pflegekräften waren das Alter der Befragten, die Kontakthäufigkeit, die Kontaktqualität und die Wahrnehmung von jüngeren Menschen i. Allg. Prädiktoren. Die Stärke der Prädiktoren unterschied sich geringfügig für einzelne Dimensionen von Altersstereotypen (Kompetenz, Anpassungsfähigkeit, Zuverlässigkeit, Wärme). Dieser Befund legt nahe, dass die Hintergrund: Schmerz ist eines der häufigsten Probleme in der älteren Bevölkerung in Deutschland. Schätzungen zufolge leben ca. 50 % der über 75-Jährigen mit mäßigen bis starken Schmerzen. Eine effiziente Schmerztherapie ist für den behandelnden Arzt eine Herausforderung, da bei älteren Patienten physiologische Veränderungen, Komorbiditäten und Polypharmazie (≥5 Medikamente) zu berücksichtigen sind. Insbesondere bei älteren Pflegebedürftigen, die zu Hause versorgt werden, ist der Stand der Forschung unzureichend. Material und Methoden: In der Querschnittsstudie "Development of a Model for Pain Management in Older Adults ReCeiving Home CarE" (ACHE) werden mittels "Face-to-face"-Interviews vom 01.09.2017 bis 31.08.2018 ältere pflegebedürftige Schmerzpatienten, die in der eigenen Häuslichkeit betreut werden, zu ihrem Schmerz befragt. Das Ziel ist, die ärztliche und pflegerische Gesundheitsversorgung in dieser Studienpopulation zu analysieren. Basierend auf Selbstauskunft und vorliegenden Medikationsplänen werden die Arzneimittel über die IDOM-Software (Instrument zur datenbankgeschützten Online-Erfassung von Medikamentendaten) unter Nutzung der aktuellen Stammdatei des Wissenschaftlichen Instituts der AOK (WIdO) aufgenommen. Für eine erste Zwischenauswertung aus ACHE werden ärztlich verordnete Medikamente zum regelmäßigen Gebrauch und für den Bedarfsfall sowie nichtärztlich verordnete Selbstmedikation betrachtet. Ergebnisse: Von 150 (Alter: 65 bis 98 Jahre) der bis April 2018 befragten älteren pflegebedürftigen Schmerzpatienten sind 133 von verschriebener Polypharmazie (88,7 %) betroffen. Im Durchschnitt entfallen auf jeden Pflegebedürftigen 10,6 unterschiedliche Wirkstoffe. Berücksichtigt man zusätzlich nichtärztlich verordnete Selbstmedikationen, erhöht sich die Anzahl dieser Patienten auf 140 (93,3 %). Insgesamt werden 1276 von 1590 erfassten Arzneimitteln (80,3 %) regelmäßig eingenommen. Schlussfolgerung: Die vorläufigen Studienergebnisse zeigen, dass Polypharmazie bei älteren pflegebedürftigen Schmerzpatienten in der ambulanten Pflege sehr häufig ist. Daher sollten bei der Auswahl der Schmerzmedikation nicht nur die Intensität, Lokalisation und Dauer des Schmerzes, sondern auch Polypharmazie und daraus resultierende mögliche unerwünschte Arzneimittelwirkungen sowie Interaktionen bei der Therapie bedacht werden Hintergrund/Ziel der Arbeit: Im vorliegenden Projekt wird der Zusatzeffekt eines klinischen Apothekers im Hinblick auf transsektorielle Nachhaltigkeit bezüglich Arzneimitteltherapiesicherheit und -adhärenz untersucht. Material und Methoden: Die Implementierungsstudie (AGITATE) wird im Vorher-Nachher-Verfahren durchgeführt und endet 12/2019 (clinicaltrials NCT03412903): In der ersten Phase, welche als Kontrolle dient, erhebt der Apotheker ausschließlich die Arzneimittelanamnese. In der zweiten S108-3 Lebensalter und Präferenzen bei Kinofilmen -eine Studie zu Filmerleben und Filmvorlieben in Kinos in Abhängigkeit vom Lebensalter G. Weigl Hartenstein, Deutschland Die Studie behandelt die Fragestellung, inwieweit und in welcher Art sich Filmpräferenzen bei Kinofilmen mit dem Lebensalter verändern. Es werden drei Dimensionen zum Aufbau und zur Handlung von Kinofilmen untersucht. Die erste Dimension bezieht sich auf positive Emotionen wie Glück und Liebe, die in Filmen gezeigt werden, und auf filmische Inhalte, die Wissen und Information vermitteln. Die zweite befasst sich gegen-Zeitschrift für Gerontologie und Geriatrie · Suppl 1 · 2018 S14 Abstracts del von einer Politik der Frühverrentung zu einer des längeren Arbeitens statt. Begleitet wird der politische Wandel von veränderten Einstellungen und Verhalten von Arbeitgebern gegenüber älteren Arbeitnehmern/ Arbeitnehmerinnen. Wurden diese lange als eher teuer und unproduktiv wahrgenommen, werden sie zunehmend als Pool für erfahrene und verlässliche Arbeitskräfte angesehen, die helfen können, die Lücken des Fachkräftemangels zu schließen. Sowohl auf der nationalen als auch auf der betrieblichen Ebene gibt es daher Bemühungen, den Renteneintritt hinauszuschieben und das Arbeitsleben zu verlängern. In vielen Ländern Europas werden gesetzliche Renteneintrittsalter angehoben und Frühverrentungsmöglichkeiten abgeschafft. Unternehmen führen alter(n)s-und lebenslauforientierte Personalmaßnahmen ein und ermöglichen flexible Rentenübergänge. Diese Anstrengungen waren erfolgreich, und die Renteneintrittsalter und Beschäftigungsraten älterer ArbeitnehmerInnen steigen in Europa. Allerdings gibt es vermehrte Warnungen, dass nicht alle Älteren gleichermaßen von den Reformen profitieren und es zu neuer sozialer Ungleichheit in der Phase des Rentenübergangs kommt. Das Ziel des Projekts EXTEND ist es, diese potenziellen Ungleichheiten zu untersuchen. Im Symposium sollen die Arbeit und Ergebnisse präsentiert werden. Im ersten Vortrag "Das EXTEND-Projekt: Überblick" von Gerhard Naegele wird ein Überblick über das Projekt gegeben, und die grundlegende Idee, Fragestellung und Leithypothese wird dargestellt. Im Fokus des zweiten Vortrags von Philipp Stiemke und Moritz Heß stehen die Veränderungen auf der institutionellen Ebene und die Arbeitsmarkt-und Rentenreformen, welche auf eine Verlängerung der Lebensarbeitszeit abzielen. Auf der betrieblichen Ebene untersucht Mariann Rigó, wie sich alter(n)sfreundliche Personalmaßnamen auf wirtschaftliche Kennzahlen von Unternehmen auswirken, und Jana Mäcken präsentiert Ergebnisse ihrer Promotion zum Einfluss von berufsbedingtem Stress bei älteren Arbeitnehmern/Arbeitnehmerinnen auf die Gesundheit und das Renteneintrittsalter. Soziale Ungleichheiten im Alter galten lange Zeit als "verschollene" Themen der sozialen Gerontologie, obwohl in der Realität immer präsent. Mit den politischen Reformen zur Bewältigung der zumeist demografischen Herausforderungen, mit denen die sozialen Sicherungssysteme und der Arbeitsmarkt nicht nur in Deutschland konfrontiert sind und die allesamt auf die Überwindung der bis dahin weit verbreiteten Frühverrentungspraxis und/oder die Verlängerung der Lebensarbeitszeit und die Erhöhung der Erwerbsbeteiligung Älterer hinauslaufen (in Deutschland z. B. "Rente mit 67"), haben sich neue soziale Ungleichheiten ergeben bzw. bereits bestehende aktualisiert. EXTEND (Acronym für Extending working Lives) untersucht dies am Beispiel der Übergänge in die Rentenphase und für die Zeit unmittelbar danach. Das Projekt ist gefördert im ersten Call der EU-Joint-Programme Initiative More Years Better Life und wird in Dänemark, Deutschland, Finnland, den Niederlanden und dem Vereinigten Königreich unter der wissenschaftlichen Gesamtleitung der Forschungsgesellschaft für Gerontologie, Dortmund, durchgeführt. Der Vortrag gibt einen Überblick über seine sozialpolitische und sozialgerontologische Verortung im deutschen und im EU-Kontext sowie einen Einblick in die insgesamt 8 Arbeitspakte, einschließlich der wichtigsten projektspezifischen theoretischen Grundannahmen (CAD, Institutionalismus, Lebenslage-Konzept) und der jeweiligen methodischen Zugänge (u. a. Sekundäranalysen, Fallstudien, Einzel-und Fokusgruppen-Interviews, Dokumentenanalysen). EXTEND ist lösungsorientiert ("solution driven") und hat vier Schwerpunkte: (1) Analyse der praktizierten und geplanten Rentenpolitiken mit dem Ziel, Lebensarbeitszeit zu verlängern, (2) Rolle des Gesundheitszustandes vor und nach der Verrentung, (3) Betriebe als Akteure im Verrentungsgeschehen und als Mediator von sozialen Ungleichheiten (am Beispiel des Pflegesektors) sowie (4) "good practices" und "cost benefit analysis" von sozialpolitischen Maßnahmen zur Vermeidung/Überwin-ven Analyse von 80 Gesprächen und Dialogen werden präsentiert. Es stellt sich schließlich die Frage, ob Merkmale des Dialogs und die Erzeugung von Wortbedeutung sich aus anthropologischer Sicht unterscheiden, wenn sehr alte Menschen und Kinder oder Jugendliche in eine solche Konversation eintreten, und wenn man gleichzeitig annimmt, dass Kindheit, Erwachsenenalter und Alter kategorial unterschiedliche Lebensphasen sind, die sich auch in Sprache und Denken niederschlagen. Hintergrund/Ziel der Arbeit: In der gesundheitlichen und pflegerischen Versorgung von älteren Menschen (mit Beeinträchtigungen) kommt es zu einer Verdichtung der Aufgaben. Der Wissenschaftsrat empfiehlt daher die Förderung der hochschulischen Ausbildung für Beschäftigte in diesen Bereichen. Klassische hochschulische Bildungsformate werden diesem Personenkreis, der durch hohe Arbeitsbelastung und familiäre Verantwortung gekennzeichnet ist, kaum gerecht. Im Rahmen des vom BMBF geförderten Verbundprojekts "PUG II -Aufbau berufsbegleitender Studiengänge in den Gesundheits-und Pflegewissenschaften", Teilvorhaben "Bachelor Upgrade Angewandte Pflegewissenschaften" werden wissenschaftliche Weiterbildungsprogramme innerhalb der Handlungsfelder Gerontologie und Pflege sowie gesundheitlicher und pflegerischer Versorgung von Menschen mit Beeinträchtigungen im "Blended-learning"-Konzept entwickelt. Insbesondere nichttraditionell Studierende sollen mit diesem Angebot angesprochen werden. Dieser Beitrag widmet sich der Frage: Welche curricularen Konzepte fördern das selbstverantwortliche Lernen von nichttraditionell Studierenden? Material und Methoden: Zur Beantwortung der Forschungsfrage werden Ergebnisse der Modulevaluationen vorgestellt: In der ersten Förderphase (2015-2018) wurden sechs Erprobungsmodule quantitativ evaluiert (n = 32); innerhalb der 2. Förderphase (2018-2020) erfolgt die Evaluation weiterer sieben Module mithilfe eines Methodenmix. Ergebnisse: Die ersten Ergebnisse zeigen unterschiedliche Herausforderungen für den Einsatz neuer Bildungstechnologien. Insgesamt wurde das Vorgehen im "blended learning" als dem Lernprozess förderlich gewertet. Die geringen Präsenzanteile sind für die Teilnehmenden ungewohnt, werden im Hinblick auf die berufliche Vereinbarkeit als wichtig gewertet. Die nichttraditionell Studierenden orientierten sich lernbiografisch an bekannten Lernstrategien und Prüfungsformen. Oftmals liegen Lernprozesse lange zurück, sodass Strategien des selbstständigen Lernens u. U. ganz neu angeeignet werden müssen. Schlussfolgerung: Die bisherigen Ergebnisse weisen für das Potenzial des "Blended-learning"-Konzepts für nichttraditionell Studierende positive Ergebnisse auf. Gerade für die hohe Eigenverantwortung im Lernprozess sollten Studierende Unterstützung erfahren. Als Reaktion auf die demografische Alterung und den damit eingehenden Bedenken bezüglich der langfristigen finanziellen Stabilität der Sozialversicherungssysteme fand in vielen europäischen Ländern ein Wan-Zeitschrift für Gerontologie und Geriatrie · Suppl 1 · 2018 S15 darauf abzielen, das Arbeitsleben der MitarbeiterInnen zu verlängern. Im Einzelnen werden die finanziellen Auswirkungen von Maßnahmen zum Altersmanagement, Gesundheitsmanagement und Work-Life-Balance-Management auf die Unternehmen analysiert. Zur Durchführung der Analyse werden Daten des Deutschen Betriebspanels mit jährlich rund 15.000 Betrieben verwendet. Die finanzielle Leistungsfähigkeit der Unternehmen wird anhand ihrer Arbeitsproduktivität (Umsatz/Beschäftigung) und einer fünfstufigen Rentabilitätskennzahl bewertet. Die verschiedenen Regressionsspezifikationen beinhalten Kontrollen für detaillierte Branchen, Betriebsgröße und Tarifstatus. Die Querschnitt-und Korrelationsanalysen deuten darauf hin, dass Unternehmen, die mindestens eine Art von spezifischen HR-Maßnahmen eingeführt haben, im Durchschnitt produktiver und profitabler sind. Die Panelschätzungen finden geringere Auswirkungen und deuten auf keine oder nur geringe positive Auswirkungen auf die finanzielle Leistungsfähigkeit der Unternehmen hin. Die Ergebnisse im Gesundheitssektor sind qualitativ ähnlich und implizieren etwas geringere Auswirkungen auf die Produktivität und größere Auswirkungen auf die Rentabilität. Hintergrund: Politische Entscheidungsträger in alternden Gesellschaften zielen durch das Heraufsetzten des Renteneintrittsalters auf eine Verlängerung des Arbeitslebens. Ungeachtet der Bemühungen gehen viele Beschäftigte vorzeitig in den Ruhestand. Vorangegangene Forschung hat gezeigt, dass der Hauptgrund für den vorzeitigen Ruhestand ein schlechter Gesundheitszustand ist. Die Gesundheit wird wiederrum vom Arbeitsumfeld beeinflusst, in der ein Großteil der Menschen einen vergleichsweise hohen Anteil der Lebenszeit verbringt. Auch die Zunahme der Prävalenz von psychischen Erkrankungen zeigt, dass Arbeitsbelastungen zu einem immer größeren Risiko für Gesundheit und Frühverrentung geworden sind. Ziel der Arbeit: Die Studie untersucht den Zusammenhang zwischen berufsbedingtem Stress und dem Renteneintrittsalter. Des Weiteren wird analysiert, ob Gesundheit den Zusammenhang mediiert. Material und Methoden: Die deutsche Teilstichprobe des longitudinalen Survey of Health, Aging and Retirement in Europe (SHARE) wurde mit Registerdaten der deutschen Rentenversicherung verknüpft. Die Stichprobe besteht aus 304 Individuen im Alter zwischen 50 und 65 Jahren zu Befragungsbeginn zwischen 2004 und 2015. Die Daten beinhalten Informationen über den selbstberichteten Gesundheitszustand (SRH), berufsbedingten Stress, gemessen Anhand des Anforderungs-Kontroll-Modells und des Modells beruflicher Gratifikationskrisen. Es wurden "Multigroup"-Strukturgleichungsmodelle verwendet, um direkte sowie indirekte Effekte von berufsbedingtem Stress auf das Renteneintrittsalter über die Gesundheit zu ermitteln. Berufsbedingter Stress ist dabei der Gesundheit und dem Renteneintritt zeitlich vorgelagert. Ergebnisse: Berufsbedingter Stress hat keinen Effekt auf den SRH. Nur eine Dimension von berufsbedingtem Stress, das Anforderungs-Kontroll-Modell und ein schlechter Gesundheitszustand führen zu einem niedrigeren Renteneintrittsalter. In diesem Zusammenhang fungiert SRH nicht als Mediator. Schlussfolgerung: Die Verbesserung der psychosozialen Arbeitsbedingungen kann dazu beitragen, Frühverrentung über den Gesundheitszustand der Arbeitnehmer hinaus zu reduzieren. Eine geringere Arbeitsbelastung kann das Arbeitsleben potenziell verlängern, da es einen direkten Beitrag zur Erklärung des niedrigen Renteneintrittsalters leistet. dung sozialer Ungleichheiten. Die Kernhypothese von EXTEND lautet: "The measures to achieve extension of working lives will exacerbate social inequalities that have existed during the life-course and will lead to increasingly greater inequality." Zeitschrift für Gerontologie und Geriatrie · Suppl 1 · 2018 S16 Abstracts Hintergrund/Ziel der Arbeit: Ein geringes Maß an sturzassoziierter Selbstwirksamkeit (SSWK) kann den Rehabilitationserfolg negativ beeinflussen. Ziel der Studie war die Bestimmung von etablierten (Alter, Geschlecht, Motorik und depressive Symptomatik) und bislang wenig beachteten Determinanten (Schmerz) der SSWK bei Patienten/Patientinnen nach Hüft-/ Beckenfraktur in der geriatrischen Rehabilitation. Material und Methoden: Von 40 geriatrischen Patienten/Patientinnen (82,1 ± 6,7 Jahre) mit Hüft-/Beckenfraktur ohne kognitive Einschränkung (Mini-Mental State Examination: 28,3 ± 1,1) wurden u. a. demografische Daten, SSWK (Short Falls Efficacy Scale International), Motorik (Short Physical Performance Battery), depressive Symptomatik (Montgomery-Åsberg Depression Rating Scale) und Schmerz (Western Ontario and McMaster Universities Osteoarthritis Index, Subskala Schmerz) im Querschnitt erfasst. Nach der univariaten Überprüfung auf lineare Zusammenhänge (Korrelationen nach Pearson und Spearman) zwischen der SSWK und den etablierten Parametern wurden Variablen mit p < 0,100 in eine erste multiple, lineare Regressionen mit der abhängigen Variablen SSWK eingeschlossen. In einem zweiten Modell wurde die Variablenliste um den Parameter "Schmerz" erweitert. Interpretiert wurden die Parameter anhand der Signifikanzen (p < 0,05), der standardisierten Regressionskoeffizienten β und der Determinationskoeffizienten R² als Maß der Varianzaufklärung. Ergebnisse: Im ersten Modell zeigten die eingeschlossenen, signifikanten Determinanten Motorik (β = −0,310, p = 0,034), Alter (β = 0,309, p = 0,032) und depressive Symptomatik (β = 0,358, p = 0,013) eine Varianzaufklärung von 39,4 % (R² = 0,394) für die SSWK. Im zweiten Modell erlaubten die Parameter Alter (β = 0,317, p = 0,020) und Schmerz (β = 0,338, p = 0,022) eine verbesserte Varianzaufklärung von 48,5 % (R² = 0,485). Die Parameter Motorik (β = −0,249, p = 0,072) und depressive Symptomatik (β = 0,227, p = 0,111) leisteten hierfür keinen signifikanten Beitrag. Schlussfolgerung: Diese Ergebnisse geben erste Hinweise darauf, dass die SSWK, als bedeutender Parameter für den Rehabilitationserfolg in der geriatrischen Rehabilitation, bei vulnerablen PatientInnen nach einer Hüft-/ Beckenfraktur maßgeblich durch den Schmerz sowie das Alter beeinflusst wird. Abstracts klassischer Domänen wie der Multimorbidität herausgestellt und der Nutzen für Klinik und Forschung beschrieben. Hintergrund: Krankenhausaufenthalte älterer Personen, insbesondere mit Demenz, sind mit hohen Komplikations-und Mortalitätsraten assoziiert. Unerwünschte Ereignisse werden oft durch krankenhausbezogene Faktoren ausgelöst, weshalb die Verweildauer (VWD) im Krankenhaus limitiert sein sollte. Insbesondere die Rolle neuropsychiatrischer Symptome (NPS) bezüglich ihres Einflusses auf die VWD bei Menschen mit Demenz (MmD) und Menschen ohne Demenz (MoD) ist weitestgehend unbekannt. Ziel der Arbeit: Zunächst sollen die Häufigkeit, Dauer und Indikationen der Krankenhausaufenthalte von MmD und MoD verglichen und an-Hintergrund/Ziel der Arbeit: Das Delir ist ein oft unentdecktes und folgenschweres Syndrom, das gehäuft bei der vulnerablen, akut-geriatrische Klientel auftritt und deshalb das Spektrum von Delirdetektion, -prävention und -management erfordert. Hierunter haben sich nonpharmakologische Multikomponenteninterventionen als wirksam erwiesen, was vornehmlich durch ausgewählte, niederschwellige und ehrenamtlich erbrachte Präventionskomponenten nachgewiesen wurde. Bezogen auf die Leistungserbringung des Gesamtspektrums, das erwartungsgemäß die Expertise und enge Kooperation von Gesundheitsfachberufen beansprucht, liegen hingegen kaum Befunde vor. Aufgrund dessen wurde die Fragestellung verfolgt, welche teambasierten Interventionen für die definierte Klientel vorliegen. Material und Methoden: Auf der Basis eines Scoping Review wurden Recherchestrategien, basierend auf vorab definierten Ein-und Ausschlusskriterien generiert sowie eine systematische Datenbanksuche (Medline, PsychInfo, Cochrane Library, CINAHL, Web of Science) ausgeführt. Das Title-Abstract-und Volltextscreening (3809/77) durch zwei unabhängige Reviewer führte zum Einschluss von 24 Studien. Die narrative Ergebnisdarstellung wurde dem PRISMA-Statement entlehnt; die kritische Würdigung erfolgte mittels des CReDECI-2-Tools und Dimensionen gelingender Teamarbeit. Ergebnisse: Es adressieren 45,83 % der Interventionsprogramme die Detektion/Prävention, eine Studie das Management, während 50 % das gesamte Spektrum bedienen. Die Anzahl identifizierter Interventionskomponenten variiert von drei bis 18, worunter Mobilisation und Schulung (83,33 %) am meisten repräsentiert sind. Dauer, Häufigkeit sowie Art und Weise der Interventionen sind in unterschiedlichen Qualitäten beschrieben; Prozesse, Verfahren und Verantwortungsbereiche wenig nachvollziehbar abgebildet. Patienten-Outcomes (z. B. Delirprävalenz/-inzidenz) werden im Gegensatz zu teamassoziierten Endpunkten (z. B. Adhärenz, Schulungserfolg) meist in den Studien berichtet. Schlussfolgerung: Bisher stehen nur wenig Delirinterventionsprogramme zur Verfügung, die das Spektrum von Detektion/Prävention/Management für die akut-geriatrische Klientel abdecken und teambasierte Maßnahmen hinreichend beschreiben. Hintergrund/Ziel der Arbeit: Um bereits vorhandenen Defiziten in der Akutversorgung und den weitersteigenden Anforderungen durch den demografischen Wandel zu begegnen, sieht das Landesgeriatriekonzept Baden Württembergs die schnelle Identifikation von älteren Risikopatienten in der Notaufnahme vor. Auf einer Risikostratifizierung basierende diagnostische Vorgehensweisen sollen eine optimierte Weiterbehandlung sichern.
doi:10.1007/s00391-018-1435-3 fatcat:h2stzaocaferbgu4x2cmigokcu