Ueber die Lage des Comitiums und des prätorischen Tribunals

Dernburg
1863 Zeitschrift der Savigny-Stiftung für Rechtsgeschichte Germanistische Abteilung  
Ueber die Lage des Comitiums und des prätorischen Tribunals mit einer Karte des römischen Forums von Dr. Dernburg in Halle. Das römische Forum, einst als Mittelpunkt des Leben« des gewaltigsten Volks in unvergleichlicher Pracht mit Tempeln und Hallen geschmückt, ist heute eine öde und verwüstete Fläche; nur wenige Mauerreste und Säulen ragen zerstreut hervor, die der Gewalt der Jahrhunderte und der zerstörenderen Habsucht der Menschen widerstanden; selbst der Schmuck, den die Natur auch über
more » ... Grab zu legen weiß, ist durch theilweise Ausgrabungen geraubt. Und doch welche gewaltige Anziehungskraft hat noch immer der Ort. Wir gedenken der Helden der Republik, der großen Juristen und Staatsmänner des Kaiserthums, die hier wandelten, und glauben ihnen naher zu treten. Aber auch die Arbeit des Gedankens wird herausgefordert, wenn wir suchen, uns die alte Gestalt und Ordnung der Flache zu vergegenwärtigen. Da holt der Wanderer seinen Livius und Horaz, seinen Sueton und Martial hervor und verfolgt in ihren Werken die Spuren, die ihm klare Anschauungen über diesen merkwürdigen Ort gewahren können. -Das Forum zerfiel bekanntlich in zwei Plätze, das Comitium und das Forum im engern Sinne. Brought to you by | New York University Bobst Library Technical Services Authenticated Download Date | 7/9/15 8:42 PM 7ft Dernburg, Das Comitium war die uralte geweihte') Stätte der ältesten römischen Volksversammlung der coimtia Fuß, am Faustinentempel, dem Anfange des Forums, 52,5 Fuß, am untern Forum und der Phocassäule 36,5. Von da stieg sie auf dem Capitolinischen Hügel empor bis zur Höhe des Bergs, dessen Grundstäche ungefähr auf 150 Fuß über dem Meeresspiegel erhöht ist und dessen jetzige höchste Spitze, das Kreuz von Araceli, sich zur Höhe von 290 Fuß erhebt. Nehmen wir, um einen Ueberblick zu gewinnen, das Colosseum und den Titusbogen im Rücken lassend, unfern Standpunct dort, wo zu unserer Linken der Palatin nach der Ebene zu abfällt. Von hier aus erstreckt sich das Forum in der Richtung nach Nordwesten zu, nach beiden Seiten hin allmählig sich erweiternd. Uns gegenüber begrenzt der capitolinische Berg die Tiefe und giebt dem Fond den großartigsten Abschluß. Noch jetzt erhebt sich dort em weitläufiges Mauerwerk, dem wir den Namen des Tabulariums belassen wollen, ehrwürdig über den Plan. Die Ruinen von drei Tempeln sind darunter am AbHange sichtbar. In dem Tempel, der am capitolinischen Hügel am meisten nach links zu liegt, von dem acht jonische Säulen auf burgähnlicher Erhöhung sich erhalten haben, dürfen wir mit Bestimmtheit das Heiligthum des Saturns, das einstige aerariuin populi liomani erblicken °). Es bezeichnen die daneben stehenden drei corinthischen Säulen den einstigen Tempel Bespasians und weiter nach rechts erhebt sich das Gerüst des Concordientempels °), einst der beliebte Versammlungsort des römischen Senats. In der Tiefe vor diesem Gebäude steht wohlerhalten der Bogen des Severs. Die Längenseite zu unserer linken Hand, das Forum nach Südwesten zu begränzend, nimmt zuvörderst, noch am Palatin, die Kirche 3an Naria I^ibsi-lltrick ein, ohne Zweifel an der Stelle des alten Vestatempels'). Vor derselben, mit der Fronte dem ') Bekanntlich bissentirt Becker Bd. I. S. 314. Aber Caninas Ansicht ergiebt sich bor Allem aus dem inonumLntuin ^ne^anum "dg,8ilie» «sulia inter aeäem Oastoriz et asäem sitturni" und aus der Natur der Lage. Früher wurde der geräumige Platz benutzt und der spätere Bespasianstempel mußte sich mit dem engen eingeschobenen begnügen. «) Becker I. e. S. 311. ') Becker I. e. 3. 222 dann 344 u. 345.
doi:10.7767/zrgga.1863.ii.1.69 fatcat:j7jixfe4zvfplh7uxqtmvvjrym