Ellen Grünkemeier, Martina Iske, Jürgen Kramer, Anette Pankratz, Claus-Ulrich Viol (Hg.): Das kleine Bond-Buch. From Cultural Studies with Love

Jan Siebert
2008
Hg.): Das kleine Bond-Buch. From Cultural Studies with Love Marburg: Schüren 2007, 200 S., ISBN 978-3-89472-486-3, € 14,90 Die bereits im Buchtitel auftretenden zahlreichen Wortspiele und Verweise auf nunmehr 21 offizielle Bond-Filme lassen keinen Zweifel daran aufkommen, dass hier Kenner und Fans am Werke waren. Inhaltlich wie strukturell werden Bezüge hergestellt, die einen geschüttelten, nicht gerührten Cocktail an Thematiken zusammenstellen, bei dem für jeden Leser etwas dabei ist. Denn der
more » ... Erfolg der Bond-Reihe, so eines der wichtigen Ergebnisse dieser Textsammlung, beruht schließlich darauf, dass James Bond für jeden Zuschauer und Leser eine andere Funktion erfüllt. Man hat es hier -natürlich -mit 7 Kapiteln zu tun, die mit Zwischenseiten eingeleitet werden, welche grafisch an die typische Anfangssequenz eines Bond-Films erinnern. Auch typografisch wurde bei Kopfzeilen und Überschriften versucht, eine entsprechende Ästhetik, gespickt mit Filmstills, zu übernehmen. Der Aufsatzstil wechselt von ,hart-wissenschaftlich' über anekdotenhaft (Konferenzbericht) bis hin zu ,verspielt-selbstironisch' (Rollenspielkarten zum Ausschneiden, Cocktailrezepte, Zitate und Quiz). Wenn man so will, entspricht dies wiederum der Bandbreite, die der Schauspielerwechsel der vergangenen 25 Jahre bietet: Das Repertoire reicht von den hartgesottenen Darstellern Sean Connery, Daniel Craig über Timothy Dalton bis zu den eher süffisant-selbstironischeren Pierce Brosnan und Roger Moore. Neben den oftmals ausdrücklich augenzwinkernd gemeinten Kommentaren setzen sich die Autoren durchaus kritisch mit dem evozierten Weltbild des Bond-Universums auseinander, das vor allem in den Romanvorlagen von Ian Fleming aus der Zeit des Kalten Krieges deutlich rassistische Züge aufweist und das Gut-Böse-Schema klischeehaft bedient. Dies ist vor dem Hintergrund des post-imperialen Verfalls Großbritanniens zu verstehen, der in Flemings Schaffenszeit schon größtenteils vollzogen war. Der Autor, selbst ehemaliger Mitarbeiter des britischen Geheimdienstes, schrieb seine Romane zurückgezogen in seinem Haus "GoldenEye" auf Jamaica, wo er noch nostalgisch der glorreichen Kolonialzeiten gedenken konnte. John Paul Green stellt angesichts der Nationalitäten der Darsteller die Frage, was an Bond überhaupt "britisch" oder "englisch" ist und entlarvt "Englishness" als "Relikt eines englischen Volkes, das es niemals gab." (S.89) Florian Gerhardt und Christian Lenz konstatieren ebenfalls eine "schmerzhafte Nostalgie für das bereits im Untergang befindliche Weltreich." (S.113) Spätestens seit handwerklich und atmosphärisch ebenbürtigen anderen Agentenfilmen ist auch Bond nicht mehr ohne Konkurrenz und muss sich auch "in der Realität behaupten", wie Felix Eisenberg (S.169) feststellt. Tatsächlich sei es hier die ,Britishness' oder ,Englishness', gepaart mit den etablierten Mustern, die den Unterschied ausmachen.
doi:10.17192/ep2008.2.737 fatcat:3fdvamjxw5b7hhg4sb6cqlzgxe