Der Bau der afrikanisch - arabischen W�ste

Edw Hennig
1915 Die Naturwissenschaften  
Be,rti~-b' harZottbury. Wen je sein SehieksaI dureh den SuezkanaI fiihrte, der wird sich dem unsagbar eigenartigen Reiz dieser kiinstliehen ~Ieeresstral~e nieht haben e~tziehen khnnen: zu Sehiff mitten dureh die wasserlose Wiiste! Unmittelbar am ~Bord des Sehiffes beginnt das Sandfeld, iiber das die halbmondfhrmigen Bogendiinen wie die Sieheln des Todes zu sehleiehen seheinen. Es witl etwas bedeuten, yon dorther lnlt einem ~[eer modernen Ansmages den Krieg heranzutragen gegen alas alto
more » ... nland. 7st doeh das riesige Niltal dutch Wiis±e in Ost und West, ja selbst ira S~den seheinbar wie dnreh ~fauern gesehatzt. Die Geschleh±e lehrt, dal.~ die ~[auern nieht ganz uniibersteigbar sin& Freilieh darf man sleh bekanntlieh nieht die ganze Sahara und Arabien so vorstellen, wie das Land unmittelbar 5stIich des Suezkanals, die Waste ira-Mtgemeinen nieht ~wie vinen einzigen sandigen Exerzierplatz nngeheuerlieher Dimensionen. Weder die Ebene noch der Sand sind typiseh f~r die Waste. Die Bedingungen der Wii, stenel liegen nicht im Bo-de~*. Sondern wie die Erde aueh besehaffen und wie mannigfaltig eln Gebiet aueh aufgebaut mad gestaltet sei, die Verhdung der Oberfl~che ist eine Erseheinungsform, die yon auBen her dureh klimatisehe Faktoren aufgepriigt wird. Ra.hes Gebirge, weite Plateaus, ausgedehnte Niederungen oder hiiglig zerrissenes Geliinde sind diesem thdlichen iIauch in gleieher Weise ausgesetzt ~md tsts~chlieh in der Saharawiiste s~imtlieh vertreten. Ja es sind nieht einmal die ssndigen Teile (Era, Area), in denen der Wasteneharakter die mensehen fM ndliehste, sehauerliehste Steigerung er-f~hrt, sondern die Steinregionen, die Felswfiste (tIammada). In den algerisehen Anteilen werden die ersteren geradezu als Weidegelh.nde aufgesueht and geseh~tzt, well der sandige Boden attein einige Feuehtigkeit unterirdiseh festzuhalten vermag nnd in den Talliiufen bier und da einigen sparliehen Pflanzen Lebensmhgliehkeit dadureh gewiihrt. So ist denn aneh die zuwei]en anzutreffende Vorstellung durehaus irrig, der W/istensand sei Meeressand, dutch Abflieflen der Gew~sser troeken gelegt und nnfruehtbar geblieben, Gewil3, ganz Nordafrika und Arabien war einst-von N[eeresfluten iiberdeekt. Doeh seit der letzten Erhebung iiber den Neeresspiegel, die in den grbBten Teilen der Sahara urns Ende der Kreidezeit anzusetzen ist, in ;4gypten und der Sinaihalbinsel Sehritt far Schritt in der Terti~rzeit verfo]gt werden kann, haben jene L~nder g'laekliehere Tage gesehen: l%eiehe Waldnngen, reiehes Leben ent{alteten sieh auf dem emporgestiegenen ehemaligen ~eeresboden. W~ihrend die nhrdliehen Kontinente yon den Gletsehermassen de} Eiszeit bedroht wurden, gingen dort relehe Niedersehl~ge niecler und die damals entstandenen Kalktuffe enthalten Abdriieke der BlOtter yon Laubbiiumen (z. B. Steineiehe) und sogar yon Sehilf in grot~er ZahI. Wenn diese Spuren jetzt in troekener, heifler Waste gefunden, werden, so hat sieh die klimatiseh ungiinstige Zone nut yore Siiden her polwiirts verlagert und einstmals bliihende Oefilde erstieken ]assen. Daf3 aueh der Nenseh der Vorzeit noeh groBe Gebiete bewohnen konnte, die heut garnieht oder nur fliiehtig auf der Durchreise beriihrt werden khnnen, beweisen reiehe Steinwaffen und -werkzeuge, die in der libysehen Waste uud im siidliehen Algerien gefunden werden. Viele Anzeiehen deuten seheinbar darauf hin, daft noeh in historischer Zeit ein ~euehteres Klima geherrseht babe als heat. Indessen haben sorgsame Untersuehungen gleiehsam zum eigenen Erstaunen der Wissensehaft diese Annahme mehrfaeh ablehnen miissen. Die grot?artigen und zahlreiehen Reste r5mischer Bauten ha Tripolitanien und Tunis, unter denen Wasserleitungen keine geringe Rolle spielen, lassen ebenso wie vieIe der modernen franzhsisehen Anlagen nur erkennen, was eine zielbewutlte VerwaItung und eine starke reglerende I~Iand in Friedenszeiten selbst aus diesem seheinbar ho~fnungslosen Lande zu maehen vermhgen, l~aub und Krieg haben hie anfgehgrt nnter den Bewohnern der Sahara, und die empfindliehste Stelle, den Gegner zu treffen, sind die Brunnenanlagen. Zersthrungen hubert in historiseher Zelt weir mehr vernichtet als ein mhrderlsehes Kllma, am heutigen Zustand des Wiiste~iinder hat des Mensch selbst daher lceinen geringen Anteil. Und doeh kann aueh heute noeh die Wiiste im ganzen keineswegs als unbewohnt gelten, ja sie khnnte stellenweise einer bedeutend stiirkeren Bevhlkerung zum Aufenthalt und zur Ern~hrung dienen, wenn alles vorhanclene Wasser methodiseh ausgeniitzt wiirde. Erstaunlieh sind d~ahingehende Angaben Zittels fiber die Oasen Dae'hel und Chargah im siidhstliehen Xgypten. Das Grundwasser tritt in diesen Depressionen unter artesischem Druek an die Oberfliiehe und zwar in durchaus nicht geringer 3/J[enge. Die 17 000 Mensehen, die Zittel zur Zeit seines Besuehes 1883 antraf. khnnten s~eh naeh seiner Ansicht verzehnfachen und h~tten bei entsprechenden ]~[agnahmen doeh genug Wasser. In mlndestens der gleichen St[irke strhmten jene, iibrigens warmen Quellen, V,v. 1915. 7[
doi:10.1007/bf01546906 fatcat:vs6fgipvybcrhfs35edpgxge4i