Johannes von Muralts «Geburts-Tafel»

Urs Böschung
1979 Gesnerus  
Schwangerschaftskalender, den der Stadtarzt Johannes von Muralt im Jahre 1701 dem Ehegericht der Stadt und Landschaft Zürich geschenkt hath Johannes von Muralt (1645-1733) entstammte einer 1566 in Zürich eingebürgerten, ursprünglich in Locarno ansässigen Familie. Während seines Medizin-Studiums in Basel, Leiden, Paris und Montpellier widmete er sich der Anatomie, aber auch der Chirurgie, die er nach der Rückkehr in seine Vaterstadt Zürich gegen den Widerstand der Meister des Schererhandwerks
more » ... übte. Vom Rat erkämpfte sich Muralt die Erlaubnis, zur Belehrung von Chirurgen und Ärzten anatomische Sektionen auszuführen. Seit 1688 Stadtarzt, nahm er sich auch der Hebammenausbildung an. In seinen Schriften erweist er sich als vielseitiger biologischer Forscher und erfahrener Arzt, Chirurg und GeburtshelferL Der Sc/iieangerscko/tsAa/ender Bei Muralts Schwangerschaftskalender handelt es sich um eine 114 cm hohe und 38,5 cm breite Holztafel, die in einen 6,5 cm breiten, schwarz gestrichenen Holzrahmen mit vergoldeter Zierleiste gefaßt ist (Abb. 1). Die Namen und Wappen der Mitglieder des Ehegerichts nehmen die zwei oberen Drittel, die eigentliche «Geburts-Tafel» den unteren Teil ein (Abb. 2). Diese besteht aus vier konzentrischen Kreisen, auf denen abgetragen sind (von außen nach innen) : 1. 12 Monate des Sonnenjahres mit 365 Tagen; je sieben Tage bezeichnet mit a bis g, entsprechend den sieben Wochentagen 0 37 cm), 2. zehn Monate des Mondjahres mit 295 Tagen (0 28 cm), 3. zehn Monate der Schwangerschaft mit 300 Tagen (0 23 cm), 4. sieben vierzigtägige Abschnitte mit 280 Tagen (0 18,5 cm). Die drei inneren Kreise sind auf drei Scheiben aus Eisenblech gemalt, die sich um eine zentrale Schraube drehen und durch eine Flügelmutter fixieren lassen. Durch dieselbe Schraube werden auch die vier Zeiger aus Messing (Länge je 15 cm) gehalten. Drei von ihnen sind fest miteinander verbunden. Sie tragen die Beschriftung «Anfang der Schwangerschaft», «Halbe Jahrs-Zeit» und «Die von der Natur bestirnte Geburts-Zeit». Der vierte Zeiger ist frei beweglich («Geburts-Zeit»). Die drei ersten Zeiger bilden miteinander konstante Winkel von etwa 180 und 270 Grad. Sie erlauben, auf dem Kalenderkreis Zeitintervalle von 180 Tagen, d.h. einem halben Jahr, und von 278 Tagen®, entsprechend der angenommenen Schwangerschaftsdauer, zu bestimmen.
doi:10.1163/22977953-0360102001 fatcat:haowwszatzcdhbtognqrznnsmu