Ueber einige mit Krebsserum behandelte Fälle von Krebs und Sarkom

Rudolf Emmerich, Max Zimmermann
1895 Deutsche Medizinische Wochenschrift  
Die folgenden Krankengeschichten sollen als weitere Belege für die unscMtzbaren Wirkungen des Erysipelserums bei Krebs und Sarkom dienen. Dieselben betreffen FtlIe, welche wir gemeinschaftlich behandelt haben. Sie sind um so beweiskriiítiger für die Heilwirkung des Serums, als es sich ausschliesslich um alte "inoperable" Fälle, also um Kranke handelt, die von der operativen Chirurgie und Medicin kein Heil mehr zu erwarten hatten und ihrem trostlosen Schicksal überlassen waren. Der schlechte
more » ... hrungszustand solcher Kranken, mechanische Hindernisse, welche die Nahrungsaufnahme erschweren, Schmerzen aller Art und die melancholische Stimmung sind Hindernisse, welche die Behandlung ungemein erschweren und grosse Anforderungen an die Geduld und Energie des Arztes stellen. Es Ist wahrlich keine beneidenswerthe Aufgabe, untei solchen Umstanden auch da noch gegen Krankheit und Siechthum zu kämpfen, wo nicht nur die iirztliche Kunst zu Ende ist, sondern auch die letzten natürlichen Kampfesmittel des Organismus erschöpft und der Sieg der Parasiten über dieselben entschieden zu sein scheint. Die folgenden Krankengeschichten, denen wir von Zeit zu Zeit andere folgen lassen, liefern den Beweis, dass man auch in solchen bisher als "hoffnungslos" bezeichneteii Fällen noch Stillstand ini Wachsthum der Tumoren, Verkleinerung oder vollständiges Verschwinden, sowie namentlich auch die vollkommene Beseitigung der continuirlichen oder zeitweise aufgetretenen heftigen Schmerzen erzielen kann. Die Behandlung muss natürlich eine sachgemässe, sorgfältige , energische und individuell zu modificirende sein. Ein allgemeines Schema lässt sich hierfür ebenso wenig, wie für irgend eile andere Krankheit aufstellen. Im allgemeinen verfahren wir so, dass zunächst fünf oder sechs Seruminjectionen an aufeinander folgenden Tagen in steigenden Dosen (1/2, 2, 4, 6, 8, 10 cern Serum) in ein und denselben Tumor gemacht werden, bis eine intensive Reaction (erysipelatöse Röthung und Schwellung, geringgradiges Fieber) auftritt; dann setzen wir die Einspritzungeri, je nach dem Kräftezustand des Kranken, vier bis acht Tage aus und beginnen, wenn nöthig, eine neue Serie. Wenn keine Verkleinerung der Geschwülste zu bemerken ist, darf man sich nicht abhalten lassen, die Einspritzungen fortzusetzen, da, wie die folgenden Krankengeschichten zeigen, auch in solchen Fällen sehr häufig Stillstand im Wachsthurn und das Aufhören der Schmerzen erreicht wird, ei Resultat, welches bei irsoperablen Fällen und bei der Erfolglosigkeit aller anderen Mittel als sehr befriedigend zu bezeichnen ist. Bei ganz frischen und noch nicht sehr umfangreichen Tumoren (bis Gänseeigrösse), wie wir solche in unserer nächsten Abhandlung beschreiben werden, haben wir oft eine bedeutende Verkleinerung oder die vollständige Resorption infolge der Serumbehandlung beobachtet. Einen derartigen Fall haben wir bereits in unserer ersten Abhandlung beschrieben und wir können hinzufügen, dass derselbe bis heute (acht Monate) frei von Recidiven geblieben Ist. Durch sehr lange fortgesetzte Injectionen kann eine Art von Immunisirung entstehen, die sich dadurch kundgiebt, dass auf die Seruminjectionen eine viel geringere Reaction folgt, als zu Anfang der Behandlung. In solchen Fällen muss man, wenn noch kein vollständiges Resultat erzielt ist, die Behandlung Tnehrere Wochen oder Monate ganz aussetzen, um sie dann aufs iieue zu beginnen. In sehr schweren und bedrohlichen Fällen, bei welchen die Gefahr einer raschen Ausbreitung und der Beeinträchtigung wichtiger Functionen des Organismus (Schlucken, Athmen etc.) besteht, zögern wir keinen Augenblick, nach mehreren energischen Seruminjectionen die Eiuirnpfung virulenter Erysipelstreptococcen vorzunehmen, da nach unseren Beobachtungen die Seruminjectionen den Verlauf des Erysipels gefahrlos zu gestalten vermögen (vergi. FaIl 3 Dr. B.). K r a n k e n g e s ch ich t e n. Fall 1. Mammacarcinom. Frau Z., 52 Jahre alt, Mutter mehrerer Kinder, bemerkte zuerst am 28. Januar 1894 in der linken Brust einen kirschengrossen Knoten, welcher rasch an Grösse zunahm und am 1. Februar 1894 mit der ganzen Mamma cxstirpirt wurde. Schon im December desselben Jahres traten wieder Knötchen in der Nähe der Operationsnarbe auf, und gleichzeitig vergrösserte sieh eine Lymphdrüse an der linken Ualssite. Am 9. Januar 1895 wurden diese Tumoren durch eine Heruntergeladen von: NYU. Urheberrechtlich geschützt.
doi:10.1055/s-0029-1199996 fatcat:uquzlunsmndndovngv23dppxmy