10. Partizipation als Regierungstechnologie [chapter]

Gouvernementalität der Wissensgesellschaft  
Wir sind, wenn nicht schon angekommen, so zumindest auf dem Weg in eine Wissensgesellschaft. Dieser Tenor durchzieht weite Bereiche sozialwissenschaftlicher Reflexion, die Programmatik von parteipolitischen Strategien oder die Ansprachen von Vertretern wirtschaftlicher Verbände. Dabei ist das Szenario der Wissensgesellschaft keineswegs ein skeptisches, sondern eines, mit dem große Hoffnungen evoziert und bestimmte Anforderungen verbunden werden. Das Wissen soll zu der Ressource eines Europas
more » ... ce eines Europas werden, dessen Rohstoffe längst erschöpft sind und das sich im Zeitalter globalisierter Märkte ökonomisch nur durch Qualität auszeichnen kann. Doch nicht nur als ökonomisches Gesellschaftsmodell ist die Wissensgesellschaft aktuell, von ihr verspricht man sich auch die Lösung von gesamtgesellschaftlichen Problemen, seien es Bildungs-oder Demokratiedefizite. Um jedoch in der Wissensgesellschaft stand zu halten und die geforderte Qualität des Wissens zu erbringen, ist ein 'lebenslanges Lernen' und die permanente Kompetenzsteigerung unabdingbar. Denn mit der Wissensgesellschaft wird ein grundlegender Wandel verbunden, der die tradierten Arbeits-und Produktionsverhältnisse ebenso auflöst wie die Statik der individuellen Eingewobenheit in soziale Strukturen. Die Wissensgesellschaft wird dabei zum alles überragenden Individualisierungsmotor. Nicht mehr die sozioökonomischen Verhältnisse werden als ausschlaggebend für die Ordnung der Gesellschaft akzentuiert, sondern allein der Wille und die Fähigkeit des Einzelnen, sich als wissendes Subjekt lebenslang zu konditionieren. Flexibilität und Mobilität sind die Qualitäten, die im Diskurs um die Wissensgesellschaft unter den Anforderungen eines globalisierten Kapitalismus den zukünftigen Wissensarbeiter auszeichnen. Wer diesen Anforderungen genügen will, muss sich dementsprechend selbst gestalten. Die damit verbundene Ökonomisierung des Wissens verändert nicht nur den Wissensbegriff, sondern reformuliert das Konzept der Bildung unter den wirtschaftlichen Zwängen bis zur Unkenntlichkeit:
doi:10.14361/9783839409572-010 fatcat:3pu7fqcy4bbqtfxcxwfsmf2k6e