Epigraphische Zeugnisse der Päpste in Rom : Ein Desiderat der Italia Pontificia?

Sebastian Scholz
2009
Paul Fridolin Kehr erklärte in der Vorbemerkung zum ersten Band der Italia Pontificia, das Werk solle die Privilegien, Briefe und andere Handlungen der Päpste zugunsten der Kirchen, Klçster und Einzelpersonen in Rom nach dem Empfängerprinzip verzeichnen 1 . Die Beschäftigung mit den einzelnen Regesten zeigt dem Benutzer sehr schnell, daß sie außer den Rechtsinhalten von Urkunden auch Weihehandlungen, die Bergung von Reliquien 2 oder Baunachrichten 3 vermerken. Schon aufgrund der Aufnahme dieser
more » ... der Aufnahme dieser päpstlichen Handlungen in die Regesten konnten sich Kehr und seine Mitarbeiter nicht damit zufrieden geben, nur auf die vorhandenen Privilegien, Briefe und Dekrete zurückzugreifen. Sie mußten weitere Quellen, wie etwa den «Liber pontificalis», daraufhin untersuchen, ob sich aus den dort berichteten Maßnahmen Hinweise auf päpstliche Entscheidungen und Handlungen ergeben, die nicht in einer Urkunde überliefert sind. Für diesen Nachweis hat Kehr auch Inschriften herangezogen. Dabei haben Kehr und seine Mitarbeiter natürlich besonders jene Inschriften interessiert, die man als Urkunden-oder Rechtsinschriften bezeichnet, weil sie einen Rechtsakt festhalten, und die nach dem Inhalt und zum Teil auch nach dem Formular den Urkunden nahestehen 4 . Hier wäre etwa jenes große Privileg Gregors II. (715 -731) an St. Peter zu nennen, in der das Öl aus einer Reihe von Olivenbaumpflanzungen für den Unterhalt von Kirchenlichtern reserviert wird, die zu Ehren von Petrus und Paulus brennen 5 . Auch die auf drei Marmortafeln publizierten Beschlüsse der Synode, die Papst Gregor III. (731 -741) am 12. April 732 in St. Peter in Rom abhielt, um die Gottesdienstordnung für das neue Oratorium festzulegen, das er dort hatte errichten lassen, finden in 1 IP 1 S. VI: "Erunt igitur in hoc Italiae pontificiae primo volumine sub suo cuiusque titulo privilegia, litterae aliaque acta, quae Romani pontifices urbis Romae ecclesiis monasteriis singulisque personis concesserunt".
doi:10.5167/uzh-27169 fatcat:f6e2lo27jjb2znrbirk7g4oqbu