Ernst Stahl zum Gedächtnis

K. Goebel
1920 Die Naturwissenschaften  
war Elsiisser (geb. 21. Juni 1848 ia Schiltigheim bei Stral]burg, gest. am 3. Dezember 1919 in Jena). Er studierte zun~ichst an der "Akademie" in StraBburg, deren diirs mehr als provinziale Einrichtungen wir in den ersten Jahren der deutschen Universitiit noch zu kosten bekamen~). Es kann uns nicht wundern, dab Stahl sich nach 1870 --ebenso wie der bekannte Naturforscher und Phytopaliiontolege W. Ph. Schimper -der deutschen Wissenschat't anschlol]. Die deutschen Botaniker waren damals unbe~
more » ... en damals unbe~ strJtten die filhrenden, l~och wirkte Mohl in Tfibingen, der i~[itbegriinder der Phytotomie. Die entwicklungsgeschichtMch-morpl~ologische Forsehung war durch Schleiden neu belebt worden. Die Untersuchung der niederen Pflanzen strebte namentlich seit Thurets Entdeckung der sexuellen Fortpflanzung bei den Fucaceen ]~ingst nicht mehr die b]oBe Formenkenntn.is, sondern die Aufhelhng des gesamten :E~twickhngsganges an, ein Geblet, auf dem Hofmeister, Cohn, Pringsheim and de Bary mit gliinzendem ~rfo]g t~i%i.g waren, wiihrend Nb~eZi in :~[ilnchen das Gesamtgebiet durch fief eindringende Forschungen fbrderte, and die Pfianzenphysiologie durch Sachs neu begrfindet wurde. In rascher Reihenfolge rei,hten sich bedeutende Entdeckungen und Arbeiten aneinander --sich daran Zu betefligen mufite auf einen so begabten jungen Naturforscher, wie der junge Stahl es war, einen unwiderstehlichen Reiz ausfiben. Zun~ichst zog es Ean in das Laboratorium yon Antou de Bary in Halle, der dana bei der Grilndung der deutschen Universitiit Stral]burg als eine ihrer fil~hrenden'lPersbn]ichkeiten wirkte. " Stahl hiitte keine bessere Wahl treffen kbnuen. De Bary war nicht nut ein ungemein kenntnisreicher, peinlich gewissen.hafter Forscher, sondern auch ein vorzilglicher Lehrer, der dutch seine hie rastende T~ifigkeit und sein ausgedehntes Wissen als Vorbild wirkte und~hn seine Schiller ebenso strenge Forderun.gen stellte, wie an sich selbst, dabei aber auch yon bezaubernder Liebenswilrdigkeit sein konnte. Als der Schreiber dieser Zeflen im Herbste. 1876 in das de Barysche Laboratorium eintrat, ~) Die meisten naturwisseaschaftlichen Institute warea zuniichst noch in dem Gebi~ude der Akademie untergebracht, auch der, kleine botani~che Garten wurde erst Anfang der achtziger Jahre durch eine Neuanlage ersetzt. ~w 1920. wurde ihm dort ein kleiuer blonder Botaniker, Dr. Stahl, als der "Stern" des Instituts bezeichnet. Dankbar gedenke ich auch bier der:Freundlichkeit, mit der sich dieser des jungen Studenten annahm, mit dem ihn dana eine erst durch den Ted gelbs'te Freundschaft verband. Seine Doktorarbeit hatte Stahl noch in Halle ausgeffihrt. Sie entsprang na~urgem~iB einer Anregung de Barys. Dieser bearbeitete damals ;[iir .das Hos ]~[andbuch der physiologischen Botanik die ver gleichende Anatomie, was ihn za langwierigen Nachuntersuchungen veran-]al]te. Diese gaben Gelegenheit auch zu manchen anatomischen Dissertationen. Ztt ihnen gehbrt auch Stahls Abhandlung "Entwicklungsgeschichte and Anatomie der LenticeHen"l). Sie ze[gt schon die Ziige angedeutet, die sich in den sp~iteren Arbeiten noch mehr entfalteni Genauigkeit der Be--obachtung verbunden mit Weite im Blick und •eigung zur experimentellen Fragestellung. Denn Stahl begnilgte sich nicht damit, die 5rtlichen Beziehungen der "Rindenporen" zu den Spalt-5~fnungen, auf die schon Unger hingewlesen hatte, und ihren Bau eingehend festzustellen. Ein kurzer Schiu~labschnitt behandelt aueh deren physiologische Bedeutung-auf Grand einfacher Yersuche wird die Bedeutung der Lenticel'len filr den Gasaustau~ch nachgewiesen. Immerhin kann diese Erstlingsarbeit abet doch nur als eine sehr tilcht~ge Laboratoriums-arbei~ betrachtet werden, ,die unter dem Einflul~ eines "hervorragendea Lehrers eatstand. Schon Stahls zweite Leistung abet erwarb ihm ei~nen sehr bekannten Hamen. Es waren das seine "Beitr~ge zur Entwickehngsgeschichte der F!lechten"-'). Die Fleel~ten hatten ia den siebziger 5ahren des vorigen 5ahrhunderts nicht nur ffir die Botanik, sondern fiir die gesamte'Biologie eine ganz besondere Bedeutung gewonnen. Waren doch diese-frii]aer a]s einheitliche Organismen betrachteten Pflanzen .als Doppelwesen erkannt worden, welche durch "Symbiose" eines P,i]zes. mit_ einer Alge zustandekommen. Wir k5nnen jetzt; nachdem wir zahlreiche andere Y~ille ~:on Symbiose kennen gelernt haben, kaum mehr verstehen, dab sich fiber die Doppelna~:ur der Flechten ein -von den Verteid~gern der alten Auffassung oft mit Leidenschaft gefiihrter Streit entspann. Uber dlesem traten andere nngelbsCe Fleqhtenpr~)bleme in den ttin~ergrund, namentlich das:-wie entstehen die FruchtkbrI)er der 1
doi:10.1007/bf02447961 fatcat:aya43ynlqbbi3c6gxlitd2tk7m