1. Die Schrift von der Welt [chapter]

Der Aristotelismus bei den Griechen  
A. Kontroversen um Echtheit, Datierung und Einordnung Die unter dem Namen des Aristoteles erhaltene Schrift περί κόσμου ist in mancher Hinsicht r tselhaft. In der Sp tantike wurde ihre Echtheit kaum je angezweifelt 1 , in der Neuzeit jedoch sind sich fast alle Gelehrten dar ber einig, da sie nicht von Aristoteles stammen kann. Nur P, Gohlke, dessen Thesen niemanden berzeugt haben, wollte in ihr eines der letzten Werke des Aristoteles sehen. K rzlich hat G. Reale einen gro angelegten Versuch
more » ... elegten Versuch unternommen, die Echtheit der Schrift nachzuweisen: Stil und Inhalt seien weitgehend identisch mit denen der "exoterischen" Schriften; die meteorologischen Lehren, die man oft f r poseidonianisch gehalten habe, erwiesen sich -besonders nach der Entdeckung von Resten der Meteorologie Theophrasts -als genuin peripatetisch; schlie lich k nne nicht aus dem Vorhandensein einiger "orphischer" Verse im letzten Kapitel gegen die Echtheit argumentiert wer-1 In den fast hundert griechischen Handschriften wird die kleine Schrift Aristoteles zugeschrieben, obwohl sie nur selten zusammen mit anderen, echten Traktaten aus dem Corpus Aristotelicum berliefert ist. Apuleius gibt die freie lateinische Anpassung, die er besorgte, f r ein eigenes Werk aus und erw hnt die Tatsache nicht, da er eine griechische Vorlage benutzt hat. Die Hypothese, da unsere Schrift von Apuleius selbst stamme und der griechische Text nur eine Retroversion des urspr nglich lateinisch geschriebenen Werkes sei (vgl. F. Adam, De auctore hbn pscudo-anstotelici περί κόσμου, Berlin 1861, widerlegt von A. Goldbacher, Zur Kritik von Apuleius de mundo, in: Zeitschr. f.d. sterr. Gymn. 25 [1873] 670-716), ist jedoch v llig unhaltbar und hat kerne Bef rworter gefunden. PS,-lustin., Cohort, ad gentil. 5, S. 32sq. Otto (wohl um 300 n. Chr.), Stob. I 40, S. 255, 10sqq., loannes Ph op., De aet. m. 174,26 und 179,12 Rabe und andere erw hnen sie als ein Werk des Aristoteles, Nur Proklos, der sie in seinem Timaios-Kommemar heranzieht, scheint nicht ganz sicher zu sein, da sie wirklich von Aristoteles stammt. Vgl. ProkL, In Tim. III 272,20-21 Diehl ... ως πού φησι πάλιν Αριστοτέλης, εΐπερ εκείνου t περί κόσμου βιβλ,ίον. In den lteren Verzeichnissen der Aristoteles-Schriften kommt sie nicht vor, wohl weil diese Verzeichnisse noch vor ihr entstanden sind, und es ist h chst unwahrscheinlich, da sie mit περί κόσμου γενέσεως aus der Appendix des Anonymus Menag ' zu identifizieren ist. Vgl. P, Moraux, Listes anciennes 263 sqq.
doi:10.1515/9783110873580.5 fatcat:c5d6exrx25dydkphvljca46rzi