Zur Morphologie und Entwicklung von Verwachsungen im Algenthallus

F. Tobler
1907 Flora oder Allgemeine Botanische Zeitung  
Wiederholt ist es von Beobachtern notiert worden, daB bei manchen Algen die Verwachsungen im Thallus eine groBe Haufigkeit haben konnen. lch verstehe unter solchen Verwachsungen den Fall, daB entwedel' Thallusteile ein und desselben Exemplares odeI' abel' auch (seltener) Thallusstucke verschiedener Exemplare an einander anliegend feste Verwachsung zeigen. DaB es sich bei diesel' engen Beziehung, wie sie demnach sekundiir zwischen Zellen, die entwicklungsgeschichtlich in ferner odeI' gar keiner
more » ... r odeI' gar keiner Verwandtschaft stehen, hergestellt werden kann, nicht urn etwas ernahrungsphysiologisch Bedeutsames handelt, erhellt fur die Meeresalgen ohne weiteres, wird auch bei ihrer groBen Lebens-und Regenerationsfiihigkeit nicht etwa dadurch widerlegt, daB bisweilen wohl ein an einem andern angewachsener Thallusteil, an seiner eigenen Basis vom Substrat losgerissen, nul' von dem mit ihm verwachsenen andern getragen erscheint. DaB solche Verwachsungen typisch fUr den morphologischen Charakter von Formen sein konnen. das zeigen die Thalli von Microdictyon, Struvea, Halodictyon, Streblonemopsis u. a., von den VOl' aHem die erste durch Bitter entwicklungsgeschichtlich genauer bekannt wurde. 1m ubrigen abel' tritt die Erscheinung, und zwar sowohl bei fiidigen Formen (wie den genannten) als auch bei solchen mit ausgepragt mehrzelligem Achsenquerschnitt und Gewebedifferenzen, doch allgemein nul' hie und da auf. DaB viele Exemplare, daB das Material vieleI' Standorte und mancher"Zeiten frei davon erscheint, deutet sichel' auf eine Abhiingigkeit von auBeren Faktoren. Aufmerksam wurde ich auf die Neigung zu Verwachsungen zuerst an einfach gebauten Ceramiaceen, die ich (pag. 557) in Kultur (unter ungunstigen auch anderweitig von auBergewohnlichen Wachstumsvorgangen gefolgten Bedingungen) zu einer Art ,Berindung' schreiten sah. AhnIich andern typisch berindeten Formen entsprangen Faden aus den Basalzellen del' Seitenaste, legten sich zwar nicht wie im Falle regelrechter Berindung zur Verwachsung del' Hauptachse an, abel' zeigtenstarke N eigung zu Anheftung an den Seitenasten,. Verwachsung untereinander usw. Die Anheftung kann nicht ausschlieBIich mit del' rhizoiden Natur del' betreffenden Organe in Zusammenhang gebracht werden, denn ganz ahnIiches zeigten gleichzeitig auch die Seitensprosse Flora 1907. 20
doi:10.1016/s0367-1615(17)32767-2 fatcat:dc3s6ckfzbb7noaswhd2b42f7a